LUXEMBURG
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RED-Y. Eine interaktive Aufklärungskampagne zum Thema HIV

HIV und sexuell übertragbare Infektionen sind Schnee von gestern? Von wegen. 2017 wurden 101 HIV-Infektionen in Luxemburg registriert. Höchste Zeit zu handeln, dachten sich das „Lycée de Garçons“ Esch und das „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM). Dank einer Partnerinitiative startet im Juli die groß angelegte, auf Jugendliche zugeschnittene, landesweite Aufklärungskampagne RED-Y zum Thema HIV und sexuell übertragbare Infektionen. Die Aktion wird unterstützt vom Gesundheitsministerium, der HIV Berodung des luxemburgischen Roten Kreuzes sowie der Rockhal, Printing Ossa und Sales-Lentz.

„HIV kann ich nicht bekommen. Ich nehme doch die Pille“, meint die 17-jährige Laura. „Ach, ist doch heute halb so wild“, sagt Tom. Liebe Leser, Sie schütteln den Kopf und sagen sich, dass wir übertreiben? Leider nicht, sagt Lehrer Patrick Engel. Tatsache ist, dass noch immer viele Menschen nicht richtig über Übertragungswege und Präventionsmöglichkeiten informiert sind, falscher Glaube stark verbreitet ist und auch Jugendliche (‹25 Jahren) sich jedes Jahr sexuell anstecken.

Heute zeigt sich eine erstaunliche Gelassenheit. HIV und AIDS haben in der gesellschaftlichen Wahrnehmung an Aktualität und Bedrohlichkeit verloren. Zwar kann man heutzutage durch die antiretrovirale Therapie eine gute Lebensqualität gewährleisten, jedoch kann man HIV immer noch nicht heilen.

Stellungnahme des Ministeriums

„Die nachlassende Aufmerksamkeit und das Missachten der Regeln des ’Safer Sex‘ sind für einen weltweiten Anstieg von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet eine Million neuer Fälle von sexuell übertragbaren Infektionen pro Tag! Das systematische Benutzen von Kondomen mit einem(er) Partner(in), dessen(ren) serologischer Status nicht bekannt ist, bleibt daher für das Gesundheitsministerium eine der wichtigsten Empfehlungen, um den Teufelskreis neuer Ansteckungen zu durchbrechen“, unterstreicht Dr. Simone Steil von der Abteilung für Präventivmedizin in der Gesundheitsdirektion.

Mit dem Ziel, neue Infektionen zu bekämpfen und die Bevölkerung multidimensional aufzuklären, startete das Gesundheitsministerium 2006 den ersten nationalen HIV-Aktionsplan. Ende 2017 wurde der Aktionsplan 2018-2022 vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Information und Sensibilisierung gelegt, besonders bei Jugendlichen. Auch das „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ und das „Lycée de Garçons“ Esch waren sich darüber einig, dass Prävention in Bezug auf HIV und sexuell übertragbare Infektionen ein Schlüsselelement ist.

Erwachsenensprache ist out

Das gemeinsame Konzept ist erfrischend neu. Unterhaltsam und trotzdem informativ. Etwas gewagt, würde der eine oder andere behaupten. Gemeinsam mit der Theatertruppe Geoghelli und der HIV Berodung wurde eine etwas andere Sensibilisierungskampagne auf die Beine gestellt. Die Schüler entwarfen nicht nur ein Mini-Musical, einen TV-Spot und einen Sketch, sondern - ebenfalls mit Unterstützung der HIV Berodung - einen auf junge Leute zugeschnittenen Informations-Flyer. Hauptziel war dabei, nicht die Sprache der Erwachsenen, sondern „Peer Education“ - Jugendliche für Jugendliche - zu benutzen.

„Man muss sich angesprochen fühlen, um zu verstehen, dass es einen selbst betrifft. Wir arbeiten gerne mit der Methode der „Peer Education“, bei der die Zielgruppe aktiv mit eingebunden wird - in diesem Fall von Jugendlichen für Jugendliche. Meine Aufgabe ist dabei zu achten, dass die Informationen fachlich richtig sind“, erklärt Claudia Pedroso von der HIV Berodung. An dieses Konzept lehnen sich Musical, Sketch und der vom „Uelzechtkanal“ produzierte Werbespot an.

Nach dem offiziellen Start der Kampagne gestern im „Lycée de Garçons“ Esch tourt die Theatergruppe Geoghelli durch Luxemburgs Gymnasien. Insgesamt 15 Schulen haben sich nach einem Teilnahmeaufruf der Akteure gemeldet. „Das ist unmittelbare, zielgruppengerechte Kommunikation an Ort und Stelle. Wer kann junge Menschen besser erreichen als die Jugendlichen selbst?“, sagt Anja Di Bartolomeo, Kommunikationsbeauftragte des CHEM. „Manchmal muss man sich von alten Mustern lösen und neue Wege gehen.“