LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Vier Jahre Haft gefordert: Mit gefälschter Kreditkarte unterwegs

Laut Staatsanwaltschaft halten sie den Kopf hin, ihre Hintermänner bleiben jedoch im Dunkeln: Das sagte gestern Anklagevertreterin Dominique Peters im Verfahren, wo es um den Einsatz von gefälschten Kreditkarte geht.

Drei Männer aus Ghana haben in Luxemburg mit gefälschten American Express-Kreditkarte eingekauft. Sie müssen sich deshalb wegen gewerbs- und bandenmäßiger Fälschung einer Zahlungskarte vor Gericht verantworten. Doch nur zwei Beschuldigte sitzen in Handschellen auf der Anklagebank. Der dritte ist auf der Flucht.

Bandenkriminalität?

Die Kreditkarte soll aus den USA stammen und dort wahrscheinlich durch einen Kreditkartennummern-Generator illegal hergestellt worden sein. Solche gefälschten Kreditkarten aus Amerika landen meistens in Europa und werden in Ländern wie Luxemburg regelrecht kaputt gekauft. Die Anklagevertreterin spricht von Hacker- und Cracker-Methoden. Die nutzen Sicherheitslücken und meistens Insiderwissen, um an die Kundendateien zu gelangen. Durch den Abgleich von Parametern wurde so eine gültige, virtuelle Kreditkarte erstellt.

Die Bande ist nach Ansicht der Behörden hierarchisch streng organisiert. Von den Auftraggebern weiß man wenig, die sitzen aber wohl in Brüssel und Amsterdam und händigen von dort die falschen Kreditkarten an die Gruppenführer aus. Die geben dann die Kreditkarten weiter an Kuriere und sagen ihnen, wo sie einkaufen sollen.

Kreditkarte kostet 500 Euro

Im Smets-Shop in Luxemburg kaufte der 26-jährige Eugène am 28. Oktober 2014 mit der gefälschten Kreditkarte Kleider im Wert von 5.700 Euro ein. Die Antwort auf die Frage, wo er die Karte her habe, kam wie aus der Flinte geschossen: „Die habe ich in Brüssel für 500 Euro gekauft“, von einer Person, von der er nur eine Telefonnummer besaß, sagte Eugène. Doch an die Nummer kann er sich nicht mehr erinnern.

Eugène hatte auch gestern Schwierigkeiten, sein Geburtsdatum anzugeben. Der Vorsitzende Richter einigte sich schlussendlich mit dem Angeklagten auf den Jahrgang 1989.

Eugène ist weit gereist, so hegt die Staatsanwaltschaft auch den Verdacht, dass er vom 24. bis 28. Oktober 2014 in Antwerpen mit einer gefälschten Kreditkarte aktiv war. Er wird von der Staatsanwaltschaft mit einer Bande aus Ghana in Verbindung gebracht, die in Belgien mit falschen Kreditkarten für 48.000 Euro auf Shopping-Tour waren. Die belgische Justiz hat zwei Mitglieder der mutmaßlichen Bande gefasst. Doch auf die Frage, ob er die Leute kenne, schüttelt der Angeklagte verneinend den Kopf.

Dann zeigte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten Fotos von Villen, teuren Autos und sogar einer Yacht aus Ghana, die auf seinem iPhone gefunden wurden. Ob Eugène von der afrikanischen Mafia angeheuert und nach Europa geschickt wurde, bleibt jedoch unklar.

Eugènes Rechtsanwalt betont, dass sein Mandant geständig sei. Der Mann gehöre keiner kriminellen Vereinigung an. Sein Mandant säße schon fünf Monate in Untersuchungshaft, hätte eine Frau und sei Vater eines Kleinkindes. Der Verteidiger beantragte daher mildernde Umstände und bat das Gericht, von einer Geldstrafe abzusehen. Für die Anklagevertreterin Dominique Peters ist die Sache klar. Sie behält auch den Anklagepunkt „kriminelle Vereinigung“ aufrecht und forderte für Eugène vier Jahre Haft. Der zweite Angeklagte soll für ein Jahr hinter Gittern.


Das Urteil wird voraussichtlich am 30. April gesprochen