LUXEMBURG
DANIEL OLY

Das Ingenieurwesen soll durch Interdisziplinarität gestärkt werden

Der Berufsverband der Architekten und Beratenden Ingenieure (OAI) lud am gestrigen Montag zu einer Veranstaltung über die Zusammenarbeit des Bautensektors mit der Universität und die verschiedenen Fortbildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten in Luxemburg. OAI-Präsident Jos Dell unterstrich dabei, wie wichtig der Wissensaustausch zwischen Universität und der Branche sei: „Es darf kein insulares Denken und Wissen entstehen“.

Prof. Danièle Waldmann von der Universität Luxemburg berichtete in erster Linie über die verschiedenen (Master-)Studiengänge, die Studierenden des Ingenieurwesens an der Universität Luxemburg zur Verfügung stehen. Es sei wichtig,, zwischen akademischen und beruflich orientierteren Ingenieursstudiengängen zu unterscheiden. So biete die Universität beispielsweise den „Master en Développement Durable“ als Zusammenarbeit mit der Universität Lüttich an, der stärker beruflich orientiert ist. Demgegenüber steht als akademischer Master der „Master of Science in Civil Engineering“, der auf Englisch gelehrt wird und den korrekten nachhaltigen Umgang mit Ressourcen unterrichten , dabei neben dem Bauingenieurwesen aber auch andere Bereiche wie das Verkehrswesen oder die Siedlungswasserwirtschaft abdeckt. Das bilde Fachkräfte für Ingenieurbüros, lokale Administrationen und Bauunternehmen gleichermaßen, erklärt Waldmann.

Interdisziplinarität gefördert

Dabei teile man die einzelnen Disziplinen wie den Elektroingenieur nicht kategorisch von anderen Disziplinen ab und begrenze sie auf eigene Felder: Das sei wichtig, „weil die Universität Kooperation und Interdisziplinarität fördern will“, betonte Waldmann. Ein weiteres Beispiel für den interdisziplinären Charakter sind die rund 214 Erasmus-Partner der Universität, die Studentenaustausch-Programme anbieten und damit den 32 Masterstudiengängen einen regen Austausch an Wissen bieten. So kooperiere man unter anderem mit der Universität Lüttich, dem ESTP aus Paris, der technischen Universität Kaiserslautern oder der „Université Libre de Bruxelles“ (ULB). Aufgenommen wird indes noch längst nicht jeder Aspirant: Bei knapp über 300 Anmeldungen und 62 schriftlichen Bewerbungen im vergangenen Jahr wurden nur 19 Masterstudenten aufgenommen. Diese profitieren von gut ausgestatteten Forschungsbedingungen: Ein Labor in der Universität sei in puncto Messtechnik auf dem neuesten Stand. Das gelte auch für die künftig bezogenen, eigens für die Studierenden gebaute „Halle d’essais“ auf dem Campus Belval.

Neben den Masterstudiengängen sollen aber auch weiterführende Studiengänge angeboten werden. Beispielhaft wurden zwei Doktorarbeiten vorgestellt, die sich mit Fragen der Architektur und des Ingenieurwesens beschäftigten, wie etwa Anja Degens‘ Doktorarbeit zum Thema der thermischen Gebäudesimulationen für Glasfassaden.

Diese Doktorarbeiten sind aber laut Waldmann nur ein kleiner Teil der Arbeit, die insgesamt am Institut geleistet werde. Man erhoffe sich in Zukunft eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Sektor, um mehr solcher Projekte zu verwirklichen.