LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Überfälle und Vergewaltigung - Anklage fordert 17 und 20 Jahre Haft

Sana T. aus Guinea Bissau und Rui José D. aus Portugal waren auf Raubzug in Luxemburg und fackelten nicht lange. Ihre Forderung: „Geld und Handy her, oder wir jagen Dir eine Kugel in den Kopf.“ Die brutalen Exzesse, die selbst hartgesottene Polizeibeamte erschreckten, hatten alle die gleiche Ursache: Gier nach Handys und Geld.

Jetzt standen die zwei vor Gericht. Sana T. hat gestanden. Rui José D. bestreitet ,jemals eine Waffe in der Hand gehabt zu haben und bestreitet die Anschuldigungen. Der erste Fall soll sich am 7. Juni 2015 kurz nach 1.00 ereignet haben. Damals alarmierten zwei Passanten die Stadtpolizei, weil sie in der Umgebung „Kinnekswiss“ überfallen worden waren. Die beiden Täter bedrohten ihre Opfer mit einer schwarzen Luftdruckpistole. Dabei wurden sie auch handgreiflich. Die Beute der Raubserie: Geld, zwei Telefone und ein Audio-Player. Der Mann aus Guinea Bissau griff der jungen Frau laut Anklage an den Po und in den Slip. Die Frau wehrte sich, hielt ihn mit ihren Händen auf Abstand und rief „Hör auf!" Der Angeklagte streitet den Raub und die sexuelle Nötigung eigentlich nicht ab. Das Gericht hielt fest, dass zumindest der Griff an die Hose zugegeben wurde.

Per DNA überführt

In einem weiteren Fall überfielen sie am 7. Juni 2015 gegen 2.00 in der Fort Wedel-Straße in Luxemburg einen jungen Mann. Ihm drückten sie die Waffe in den Rücken und verlangten Brieftasche und Handy. In ihrem „blindwütigen Suchen“ nach Geld, kam es dann zu einem ungleichen Kampf wobei das Opfer verletzt wurde. Die Brieftasche wurde später auf einer Baustelle gefunden.

Dann ging es um einen Überfall, der sich am 8. Juni 2015 in Bonneweg zugetragen hat. Dort fielen sie über einen Mann und eine Frau her, die gerade mit ihrem Hund Gassi gingen. Laut Anklage packte Sana T. die Frau und griff ihr zwischen die Beine. Die Räuber hatten jedoch keine wehrlosen Opfer vor sich, sondern mutige Leute, die sich nach Leibeskräften wehrten und auch zuschlugen. Da ergriffen die Männer die Flucht - allerdings mit Bargeld und Handy. Auch hier waren die Opfer mit der Waffe bedroht worden. Dabei reicht die Serie noch weiter zurück: Etwa sechs Monate vorher, am 24. November 2014 ist eine 51-jährige Frau in Luxemburg-Stadt unterwegs. Weil sie ihren letzten Bus verpasst hat, landet sie gegen 1.00 im Bahnhofsviertel in der Joseph Junck-Straße. Hierbei machte sie die Bekanntschaft mit Sana T.

„Ich hatte meinen letzten Bus verpasst. Der Mann hat mir vorgeschlagen, mich nach Hause zu fahren. Zuerst sind wir auf eine Tankstelle gefahren und haben dort Bier eingekauft. Dann bin ich mit ihm nach Wasserbillig in sein Zimmer gefahren. Ich hatte zu viel getrunken. Ich wollte mich hinlegen und schlafen. Seine Drogen, die er bei sich hatte, habe ich nicht angefasst, denn ich bin auf Mephenon. Ich begann, mir die Kleider auszuziehen, als der Mann im Zimmer zudringlich wurde. Ich habe vergeblich versucht, ihn abzuwehren und habe geschrien, doch er hat mich auf das Bett gedrückt und ist gegen meinen Willen in meine Vagina eingedrungen. Danach hat er mich zum Bahnhof gefahren." Sie erstattete Anzeige wegen Vergewaltigung.

Am 29. Juli 2015 - also etwas mehr als einen Monat nach den Raubüberfällen - wurden die Ermittler fündig. An der Unterwäsche der Frau haftete DNA von Sana T. Bei der Befragung am Donnerstag vor Gericht plädierte der Angeklagte auf unschuldig. Er habe gedacht, sie wolle Sex mit ihm haben. Dumm nur, dass die Frau am Freitag vor Gericht eine vollständig andere Version der Tat berichtete.

Während der Verteidiger Roby Schons für seinen Mandanten Sana T. nur auf einfachen Diebstahl plädiert, sah die Staatsanwältin Martine Wodelet den Tatbestand des räuberischen Diebstahls für gegeben. Sollte das Gericht die Vergewaltigung formal feststellen, plädierte Schons auf die Mindeststrafe von zehn Jahren. Diese soll auf Bewährung ausgesetzt werden. Der Mandant Rui José D. hingegen sei bei den Überfällen nicht klar identifiziert worden.

Die Substitutin Martine Wodelet sah den Strafbestand der Vergewaltigung vom 24. November 2014 erfüllt. Auch die zwei Raubüberfällen, bei denen sexuelle Übergriffe stattfanden, seien als Vergewaltigungen zu kennzeichnen, sagte Wodelet. Hinzu kämen räuberischer Diebstahl und Körperverletzung.

Martine Wodelet beantragte für den Angeklagten Rui José D. eine Freiheitsstrafe von 17 Jahren. Für Sana T. beantragte sie 20 Jahre ohne Bewährung.