ETTELBRÜCK/BASTOGNEPIERRE MATGEN

Ardennenoffensive - Anleitung für eine Erinnerungstour von Ettelbrück nach Bastogne

Vor siebzig Jahren, Weihnachten 1944, tobten heftige Kämpfe in den Ardennen. Am 16. Dezember hatte Hitler eine letzte Offensive gestartet, die die völlig überraschten Amerikaner zunächst zum Rückzug zwang. Die meisten Bewohner des Öslings waren auf der Flucht, während Dörfer und Städte in Schutt und Asche gelegt wurden.

Einen persönlichen Eindruck verschaffen

Jetzt, nach den Erinnerungsfeierlichkeiten vergangener Woche, lohnt es sich, vor Ort ein Bild von den Ereignissen von damals zu machen.

Die zahlreichen themenbezogenen Denkmäler. Gedenktafeln und Museen sowie die historischen Wanderwege gehören inzwischen zum nationalen Kulturerbe. Sie sollen die Erinnerung an die Befreier und auch an das menschliche Leid der Soldaten und der Bevölkerung wach halten.

Auf einer Erinnerungsroute von Ettelbrück über Diekirch nach Reisdorf entlang der Our bis Clerf und weiter nach Wiltz bis Bastogne kann der Besucher die dramatischen Ereignisse vor 70 Jahren auch heute noch hautnah verfolgen.

Südflanke der Offensive

In Ettelbrück lohnt sich der Besuch des renovierten Patton Museums, das nicht nur Einblicke in das Leben des Vier-Sterne-Generals gibt, dessen Truppen unter schwierigsten Bedingungen die Wehrmacht zurück warfen, sondern auch das Leben der Bevölkerung während der deutschen Besatzung zeigt. Am Ausgang von Ettelbrück nach Diekirch lädt der „Patton Square“ mit einem überdimensionalen Standbild des Generals und einem originalen Sherman Panzer zum Verweilen ein.

Militärmuseum und Remembrance Path

Ein Highlight ist das Militärmuseum in Diekirch mit nachgestellten Kriegsszenen und einer einmaligen Kollektion von Gebrauchsgegenständen und Waffen der beiden Armeen. Die Betreiber haben sich bemüht, das Vorgehen der beiden Kriegsparteien objektiv zu beleuchten. In Reisdorf erinnert der grenzüberschreitende „Remembrance Path“ an die Offensive, die hier ihren Anfang nahm. Auf Tafeln werden die erbitterten Kämpfe erklärt und der Weg ist gesäumt von Schützengräben auf Luxemburger Seite und von Westwall Bunker auf deutscher Seite.

Durchbruch über die Our

Entlang der Our führt der Weg nach Vianden, das am 12. Februar als letzter Ort Luxemburgs befreit wurde. Als Frontstadt wurde Vianden ganz besonders vom Krieg heimgesucht. Mit Hilfe von Behelfsbrücken und mit Booten überquerten die Angreifer am 16. Dezember die zu dem Zeitpunkt Hochwasser führende Our auf einer Länge von 70 Kilometer, ehe sie die dünn besetzten Höhen einnahmen. In den betroffenen Dörfern werden auf 28 Gedenktafeln unter dem Namen „Remember us“ Fotos und Hintergrundinformationen zu den Kämpfen in dieser Gegend gezeigt.

Umkämpftes Clerf

Von Dasburg führt die Erinnerungsfahrt zum damals heiß umkämpften Clerf, wo das Schloss eine zentrale Rolle spielte. Ein Museum erinnert hier an die Kriegsgeschehen. Weiter wurde dem amerikanischen GI in der Ortsmitte ein Denkmal gesetzt. Bis zum 10. Mai ist eine Fotoausstellung namens „Shots of wars“ des amerikanischen Fotografen Tony Vaccaro zu sehen.Auf der Strecke von der deutschen Grenze bis Bastogne liegend, war das Gebiet zwischen Clerf und Wiltz bis Ende Januar Schauplatz heftigster Kämpfe.

National Liberation Memorial

Das Schumann’s Eck war während des Rückzugs der Wehrmacht eine strategisch wichtige Straßenkreuzung, an der heftig gekämpft wurde - der ideale Ort für die Errichtung des „National Liberation Memorial“ also, wo jedes Jahr die offizielle Gedenkzeremonie stattfindet. Von hier führt ein Gedenkpfad an Schützengräben vorbei, wo zahlreiche amerikanische und deutsche Soldaten während der Schlacht gekämpft haben und gestorben sind.

Im renovierten Museum in Wiltz wird hauptsächlich der Kriegsgeschehen in der Ardennenstadt gedacht. Ein Diorama zeigt die bekannte Szene, in der ein US Soldat am Nikolaustag die Kinder mit Süßigkeiten aus den Beständen der Armee beschenkte.

Schlüsselstellung Bastogne

Abschluss und Höhepunkt der Route ist Bastogne, das bis heute neben der Normandie als Symbol de US Einsatzes in Europa gilt. Legendär ist die Verweigerung des Befehlshabers Mac Auliffe am 22. Dezember die Waffen zu strecken. „Nuts“ (frei übersetzt „geht zum Teufel“) war die lapidare Antwort von Mac Auliffe auf eine entsprechende Aufforderung der deutschen Stabsführung. In Bastogne gibt es gleich mehrere Museen und Gedenkstätten. Hauptdenkmal ist auf dem Hügel das imposante „Mardasson Memorial“ in Form eines Sternes. Direkt daneben befindet sich das neugestaltete „Bastogne War Museum“, das die Offensive mittels einer interaktiven Szenografie spektakulär aufarbeitet.

Aktuell: „From Texas to Bastogne“

In einem weiteren Museum den „Bastogne Barracks“ ist unter anderem die Szene nachgestellt, bei der der damalige Befehlshaber Mc Auliffe die Aufgabe der umzingelten Stadt verweigert. Zurzeit kann in Bastogne eine sehenswerte Ausstellung „From Texas to Bastogne“, die das Schicksal von fünf Studenten während des zweiten Weltkrieges zeigt, besichtigt werden.

Weitere während der Ardennenoffensive strategisch wichtige Orte können in den grenznahen belgischen Ardennen besucht werden.