LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Luc Frieden in China, um Luxemburgs Finanzplatz auszubauen

Trotz Nachtflug und siebenstündiger Wartezeit am Münchener Flughafen ließ es sich Finanzminister Luc Frieden nicht nehmen, die Presse gestern umgehend über seinen China-Aufenthalt zu unterrichten. Mit der Zielsetzung, den luxemburgischen Finanzplatz international auszubauen und der nationalen Fondsindustrie den Zugang zum chinesischen Markt zu ermöglichen, hatte sich Frieden u. a. mit seinem chinesischen Homologen, dem Präsidenten der Bankenkommission sowie Verantwortlichen aus der Fondsbranche getroffen. Die Reise reiht sich ein in „die Strategie der Internationalisierung unseres Finanzplatzes“, so der Minister. Während der verschiedenen Unterredungen sollte Luxemburg als mögliches Eingangstor in den europäischen Markt vermarktet werden. „China kann sein Interesse für Europa über Luxemburg stärken. Während der Treffen ging es darum, die Vorteile Luxemburgs zu veranschaulichen“, erklärte der Finanzminister, „andere Länder richten ihren Blick vor allem auf den nationalen Markt. Unser Markt ist Europa und die Welt. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind wir überdies offen für internationales Kapital.“

Nicht in Bürokratie verfallen

Um das Vertrauen in Luxemburg zu stärken, hat Frieden darüber hinaus Gespräche mit den Präsidenten von fünf Banken geführt: zwei davon - die „Bank of China“ und die „Industrial Commercial Bank of China“ - haben bereits eine Niederlassung im Großherzogtum. „Besonders schätzen die beiden Präsidenten, dass sie in Luxemburg einen direkten Zugang zu den Autoritäten haben und damit immer einen Gesprächspartner. Wir dürfen also nicht in Bürokratie verfallen. Genau das wird nämlich in vielen Länder als Hürde für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen“, erklärte der Finanzminister. Bekanntlich lässt sich in in nicht allzu ferner Zukunft eine weitere chinesische Bank - die „China Construction Bank“ - in Luxemburg nieder.

Wichtige Währung auch in Luxemburg

„Neben unserer internationalen Dimension wollen wir den Chinesen zeigen, dass wir auch im Bereich ihrer Währung eine zusehends große Rolle spielen. Der Renminbi ist eine Währung, die dabei ist, sich zu internationalisieren. In Luxemburg gibt es bereits jetzt eine relativ große Reihe an Aktivitäten, die in Renminbi laufen, was nicht in vielen Ländern Europas der Fall ist. Wir haben den größten Fonds an Renminbi-Depots in der Eurozone, mit fast 20 Milliarden RMD. Wir haben für fast 30 Milliarden Darlehen in Renminbi, die über Luxemburg laufen. Wir haben auch in der Fondsindustrie über 200 Milliarden Renminbi an Guthaben, die dort verwaltet werden“, strich der Finanzminister hervor.

Weitere Renminbi-Aktivitäten könnten in Luxemburg aufgebaut werden, womit wiederum Arbeitsstellen geschaffen würden.

Fondsindustrie = Hauptzukunftssektor

Wichtigstes Diskussionsthema war unterdessen die Fondsindustrie, „der Hauptzukunftssektor des Luxemburger Finanzplatzes“, so Luc Frieden. „China beginnt zunehmend internationaler zu werden. Früher durften die Chinesen wenig im Ausland investieren. Das hat sich nun geändert, womit der Luxemburger Fondsindustrie neue Opportunitäten geboten werden“, gab der Minister zu bedenken.

Die Beziehungen zu China auszubauen, sei folglich von großer Wichtigkeit für Luxemburg, denn „ein starker Finanzplatz bedeutet gleichzeitig eine starke Wirtschaftspolitik, dies wiederum im Interesse vieler anderer Politikbereiche“.