LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Nicht übertreiben und sich auch mal was gönnen

In unserem Gespräch mit Fitness-Coach Patrick Nockels kam besonders eines zum Vorschein: Er ist kein Fan von Übertreibung und auch mit Verzicht sollte achtsam umgegangen werden. Über Sport werden wir hier noch viel reden, dennoch gilt es zu unterstreichen, dass es wichtig ist, dass Anfänger nicht gleich übertreiben. Es sollte langsam eine Routine aufgebaut werden, am besten sollte man damit anfangen sich draußen zu bewegen, erklärt Nockels. Schon frische Luft und regelmäßige schnellere Spaziergänge tun unserem Körper gut. Wer merkt, dass dies auf einmal zu einfach wird, sollte es einfach ausbauen, sei es durch Joggen, Laufen oder vielleicht auch Fahrradfahren.

Ein größerer Fehler als das zu schnelle Durchstarten ist allerdings der übertriebene Verzicht. Der Fitness-Coach unterstreicht mehrmals, dass es für einen gesunden Menschen schon reichen würde, den Alkohol- und Zuckerkonsum nach den Feiertagen runterzufahren und auf eine etwas gesündere Ernährung zu achten. „Wenn man auf einmal auf alles verzichtet und sich überhaupt nichts mehr gönnt, hat dies auch negative Auswirkungen auf den Körper“, schildert Patrick Nockels. „Wenn man dann einmal bei Freunden ist oder zum Essen eingeladen wird und zum ersten Mal wieder fettigere oder zuckerhaltigere Nahrung zu sich nimmt, ist man am Folgetag krank, weil der Körper diese Nahrungsmittel nicht mehr kennt und demnach nicht mehr weiß, wie er damit umgehen soll.“ Die Devise sollte also sowohl beim Sport als auch bei der Ernährung lauten: alles in gesundem Maß. Vor allem vom Keto-Diät-Trend rät der Sportler ab. Es handelt sich dabei um eine Diät, die Bodybuilder vor Wettbewerben einhalten, um in ihre ideale körperliche Form zu kommen – gut fühlen die sich währenddessen aber nicht. Bei dieser Diät wird komplett auf Kohlenhydrate verzichtet. Diese sind allerdings auch wichtig für unseren Körper und unser Gehirn. Menschen, die gerade nicht für einen Bodybuilder-Wettbewerb trainieren, rät Nockels demnach von dieser Diät ab. Auch Verzicht kann übertrieben sein. Ideal für ihn persönlich sei das Cheat-Day-Prinzip, eine Diät, bei der man sechs Tage die Woche auf seine Ernährung achtet und sich an einem Tag gönnt, worauf man Lust hat. Er unterstreicht allerdings, dass Diäten genauso wie Sport sehr individuell angepasst werden müssen und von Mensch zu Mensch anders aufgefasst werden. Bestenfalls, sollte jemand, der vorhat, sein Essverhalten grundlegend umzustellen, dies mit einem Experten besprechen.

Lëtzebuerger Journal

Auf der Suche nach dem richtigen Sport?

Ein kleiner Überblick zu aktuellen Fitness-Trends


Wie jedes Jahr haben sich zahlreiche Menschen in der Silvesternacht gute Vorsätze gesetzt – der häufigste unter ihnen: mehr Sport treiben und einfach mal etwas für die Fitness tun. Es klingt so einfach, allerdings scheitern viele schon nach einigen Wochen wieder an ihren Vorsätzen, weil sie entweder nicht richtig motiviert sind oder vielleicht auch noch nicht die richtige Sportart für sich entdeckt haben. Jährlich unternimmt das „ACSM's Health & Fitness Journal“ aus den USA eine Studie rund um Fitnesstrends und wie jedes Jahr sind wieder viele alte Bekannte darunter – die Sportwelt wird schließlich zum 1. Januar nicht komplett neu erfunden. Was allerdings auffällt ist, dass viele trendige Fitnessaktivitäten mittlerweile von zuhause aus oder ohne Fitnessstudio durchgeführt werden können. Nichtsdestotrotz bleiben auch der professionelle Rat und die Unterstützung eines Trainers weiterhin gefragt, schließlich will man seine Ziele ja auch erreichen und das möglichst ohne Verletzungen.

Smarte Helfer
Unbesiegt auf Platz eins der Fitness-Charts steht nicht etwa Joggen oder Fahrradfahren. Es sind unsere kleinen technologischen Helfer, die immer unverzichtbarer werden. Fitness Tracker und Smart Watches werden immer intelligenter, überwachen unsere Gewohnheiten und, wie könnte es anders sein: der moderne Sportler bindet sich ohne sie nicht einmal mehr die Schuhe, schließlich soll auch dabei schon der Puls gemessen werden. Sie zählen wie viele Schritte und Kilometer man am Tag geht oder läuft, wie viele Kalorien dabei verbraucht werden, messen den Puls, wie lange die Person am Tag sitzt und nun ganz wichtig – bitte nicht die Luft anhalten – sie überwachen sogar unseren Atem. Auf einmal piepst es los und die Smart Watch des Bekannten weist sein Herrchen oder Frauchen darauf hin, dass bitte eine Minute lang durchgeatmet werden sollte. Schon praktisch diese Technologie. Aber Ironie aus: Praktisch ist sie tatsächlich und hilft Menschen, einen Überblick über ihren Gesamtzustand zu behalten. Besonders für Außenaktivitäten wie Laufen, oder einfach nur um sicherzugehen, dass tatsächlich die 10.000-Schritt-Marke am Tag geknackt wurde, eignen sie sich perfekt.

Vielfalt wird 2020 großgeschrieben
Nur noch joggen gehen, Yoga machen oder Krafttraining im Fitness-Studio ist vielen mittlerweile zu eintönig. Hybride und Außenaktivitäten müssen her. Auf Platz zwei der ACSM-Studie hat es das HIIT, „High Intensity Interval Training“, geschafft, das vielen auch von Stars oder von den sozialen Medien bekannt sein dürfte. Hierbei handelt es sich um eine Trainingsmethode, die aus hochintensiven Intervallen in Kombination mit langsamen Regenerationspausen besteht. Ein Trend, den man auch aus dem letzten Jahr schon kennt, der aber 2020 noch weiter ausgebaut wird. Immer beliebter wird beispielsweise das „aestheticflow“ Programm, das HIIT mit Yoga kombiniert. Ein Training, das nicht nur abwechslungsreich ist, sondern auch noch das Herz-Kreislauf-System und die Fettverbrennung anregt.
Doch auch „body weight training“ wird wieder immer beliebter und weiter ausgebaut. Nicht nur kann man solche Trainingseinheiten fast überall durchführen, sondern sie sind auch noch recht günstig, weil außer dem eigenen Körper und der nötigen Sportkleidung quasi kein Equipment benötigt wird. Diese Art des Trainings schafft es nun bereits seit 2013 jährlich in die Top 20 der Studie – in diesem Jahr landete sie auf Platz 7. Auch Fitness-Studios bieten immer mehr Trainingsprogramme an, die Leute auffordern, mit dem Eigengewicht zu arbeiten. Was aber besonders auffällt ist, dass die Trainingseinlagen immer mehr an den gesamten Körper angepasst werden, statt sich nur auf gewisse Muskelgruppen zu beschränken. Studios so wie auch Personal Trainer bemühen sich, abwechslungsreichere Programme auf die Beine zu stellen, die es modernen Sportlern ermöglichen mehrere Sportarten in ihre Trainingswoche zu integrieren. Wer tatsächlich sehr unerfahren ist und es sich leisten kann, kann auf die Hilfe eines Personal Trainers zurückgreifen – auch sie bleiben 2020 im Trend. Eine erfahrene und geschulte Person, die einen in seinen Zielen unterstützt und einem einen Plan aufstellt, der genau an den körperlichen und gesundheitlichen Zustand angepasst ist, ist für Anfänger ratsam, damit man es nicht gleich zu Beginn übertreibt und dem Körper keine Übungen zumutet, für die er noch nicht bereit ist. Wem das exklusive Training zu schwer auf dem Portemonnaie lastet, kann durch Recherche ein kompetentes Fitness-Studio ausfindig machen oder sich vielleicht in seinem Bekanntenkreis umhören, ob nicht jemand sich schon intensiver mit dem Thema Fitness auseinander gesetzt hat. Denn obwohl vieles von zuhause aus gemacht werden kann, ist besonders zu Beginn der Blick eines Profis auf die korrekte Ausführung von Übungen Gold wert.

Auch der Geist will trainiert werden
Nun, da jeder weiß, was an Bewegung so im Trend liegt, sollte einer der Haupttrends dieses Jahres auf keinen Fall vergessen werden: Mind-Body Training. Die psychische und mentale Fitness ist mindestens genauso wichtig wie die körperliche, das erkennen auch Fitness-Gurus an. Daher gehört Meditation, die bereits 2019 einen großen Aufschwung erlebt hat, in diesem Jahre zum Mainstream-Fitness-Programm. Ziel solcher Trainingseinlagen ist, dem Geist auch einmal etwas Ruhe und Erholung zu schenken, im Hier und Jetzt zu leben. Besonders im Zeitalter des Stress und der zahlreichen Burnouts ist eine solche Aktivität von großem Nutzen, um psychischer Überbelastung vorzubeugen und Stress abzubauen. Das „Mindful Movement“, was übersetzt achtsame Bewegung bedeutet, soll helfen, der Hektik des Alltags zu entfliehen. Dies nicht, indem einfach ein aufgestelltes Sportprogramm nur abgearbeitet wird, weil es eben zur Routine geworden ist, sondern indem man sich seines Daseins und seiner Selbst richtig bewusst wird und sich durch Meditation eine wohlverdiente Pause gönnt.