LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Eine humorvoll-lehrreiche Tour führt Kinder durch die Sammlungen des MNHA

Tief unten im Kellergeschoss des „Musée National d’Histoire et d’Art“ (MNHA) wartet er bereits auf sein Publikum: Graf Pierre-Ernest von Mansfeld in Person. Feldmarschall der spanischen Armeen in den Niederlanden, Statthalter der spanischen Krone in Luxemburg, Bewohner des „Château de La Fontaine“ in Clausen, geboren am 12. August 1517 auf Schloss Heldrungen in Thüringen, gestorben am 23. Mai 1604 in Luxemburg-Clausen. Natürlich treffen wir an diesem Sonntagmorgen nicht auf den echten Grafen, der für das Großherzogtum eine so wichtige Schlüsselfigur ist. Zum Verwechseln ähnlich sieht ihm aber der Schauspieler Lex Gillen in seinem originalgetreuen Kostüm. „Mansfeld on tour“ nennt sich die geführte Besichtigung, an der wir heute teilnehmen und die sich an Kinder und ihre Familien richtet.

Geschichte spielerisch erleben

Die Produktion von „Kultrun asbl“ unter der künstlerischen und pädagogischen Leitung von Natalia Sanchez ist relativ neu im Programm des MNHA, das damit sein Angebot
„Geschicht erliewen“ weiter ausbaut. „Wir befinden uns noch im Prozess, wo hier und da Anpassungen vorgenommen werden. Es kann schon mal sechs Monate dauern, bis ein neues Performance-Projekt richtig läuft. Eine solche Führung muss ein paar Mal angeboten werden, um herauszufinden, was noch fehlt und was noch verändert werden kann oder muss“, erklärt uns Natalia Sanchez. Die erste theatralische Besichtigung dieses Konzepts wird derweil seit rund drei Jahren ebenfalls von Lex Gillen in der Rolle des „Schräiner Biver“ durchgeführt. „Diese Tour ist wirklich ein großer Erfolg“, freut sich die Produktionsleiterin.
Mit dem Schreiner entdecken die jungen Museumsbesucher, wie die Leute im Luxemburg der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert gelebt haben.

Nicht strikt nach Drehbuch

Mansfeld nun ist eine neue Figur, die kurzerhand zum Museumsführer umfunktioniert wurde. „Ziel ist es, dass er die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt und auch immer den Vergleich zu heute macht. Es geht einerseits um Entertainment und andererseits natürlich darum, spielerisch etwas über die Vergangenheit des Landes zu lernen. Die Kinder sollen in erster Linie Spaß haben“, flüstert uns Natalia Sanchez zu, während die Kinder bereits mit neugierigen Augen, etwas ehrfürchtig auf die Gestalt in ihrer komischen Bekleidung blicken. Strikt nach Drehbuch läuft an diesem Sonntagmorgen nichts ab, wie schnell klar wird. Da es sich nämlich um eine interaktive Besichtigung handelt, hängt auch viel von den jeweiligen kleinen Teilnehmern ab. Obwohl „Mansfeld on tour“ eigentlich in luxemburgischer Sprache ablaufen soll, steht der „Graf“ an diesem Morgen vor einer bunten, französischsprachigen Kindertruppe. Es heißt also improvisieren, als niemand auf die Frage „Schwätzt dir meng Sprooch?“ antworten kann. Ein Mann von Welt wie Mansfeld ist natürlich mehrerer Sprachen mächtig, sodass die erste Hürde auch schnell gemeistert ist.

In der Sprache Voltaires stellt sich der große Feldherr vor, brüstet sich ob seiner Leistungen und Titel, zeigt den Besuchern voller Stolz ein Bild seines prachtvollen Schlosses La Fontaine vor den Toren Luxemburgs und gibt mit seiner wertvollen Kunstsammlung an, um schließlich zu erklären, dass er die Welt entdecken wolle und zu diesem Zweck eine Zeitmaschine gebaut habe. Sogleich beginnt er an einer sonderbaren, an seinem Handgelenk befestigten Apparatur zu werkeln und zu drehen, die uns weit zurück in die Vergangenheit bringen soll. Und es funktioniert: Wir werden direkt in das Zeitalter katapultiert, als die Menschen gerade angefangen haben, sesshaft zu werden und Häuser zu bauen.

Sprung durch verschiedene Epochen

Den Sprung in die Jungsteinzeit müssen wir derweil bewältigen, indem wir unserem „Guide“ hinterherflitzen. Sekunden später finden wir uns vor der Rekonstruktion eines der ersten Häuser der Bandkeramik-Kultur (um 5.300-4.900 v. Chr) wieder. Nach diesem Prinzip spielt sich die ganze, einstündige Mansfeld-Tour ab. Wir rennen die Treppen hoch zu den Kelten, wo uns der Graf von seinem Freund, dem Comte de Niederanven, erzählt und erklärt, welche einmaligen Schmuckstücke damals aus Eisen angefertigt wurden. Dann bringt uns die Zeitmaschine zum Mosaik von Vichten, über das Mansfeld natürlich auch Interessantes zu berichten hat, zwischendurch lernen wir ein bisschen was über Vauban und Michelangelo, schauen uns das Grabmal von Claude de Neufchâtel (1505) an, landen dann im Raum, der dem einstigen Gouverneur von Luxemburg selbst gewidmet ist, um wenig später das erste Auto - ein „Benz“ - auf Luxemburgs Straßen zu bestaunen, das dem Ingenieur Paul Würth gehörte.

An jeder Station weiß unser dynamischer Museumsführer eine interessante Geschichte zu erzählen, plaudert aus dem Nähkästchen und hat stets einen Witz parat, dies besonders in der Kunstabteilung mit Gemälden von unter anderem Joseph Kutter, Roger Bertemes und Fernand Bertemes. Augenscheinlich hat sich die Kunst über die Jahrhunderte doch sehr verändert. Genau dies haben die Kinder am Ende der Mansfeld-Tour gelernt:
dass nämlich Luxemburg nicht immer so war, wie sie es heute kennen. Auf sehr humorvolle und spielerische, aber zugleich lehrreiche Art und Weise ist diese Mission somit gelungen.

Die nächste Besichtigung mit Mansfeld findet am 12. Mai statt, die Tour mit „Schräiner Biver“ bereits am 28. April. Alle Infos unter www.mnha.lu