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SIMONE MOLITOR

Wo die lokale Musikszene professionalisiert wird: Das Rocklab zieht Bilanz

Dass in der Rockhal nicht nur zu Musik abgegangen werden kann, sondern die Struktur auch noch andere Missionen als nur die des Konzertveranstalters hat, weiß vielleicht nicht jeder. Eigentlich heißt die Struktur ja auch mit richtigem Namen „Centre de Musiques Amplifiées“ (CMA), zu dem einerseits die Rockhal und andererseits das Rocklab gehört. Diesen Bereich beschrieb Luc Henzig, Präsident des Verwaltungsrats, vor kurzem als „Inkubator, um die lokale Musikszene zu begleiten“. Die Förderung und Unterstützung der luxemburgischen Amateur- und Profimusiker steht demnach im Rocklab im Vordergrund. Vorzeigeprodukt und alljährliches Highlight sei das Sonic Visions, das eben erst über die Bühne gegangen ist und 3.000 Besucher angelockt hat. Das Festival ist aber nur ein Element unter vielen, wie bei der Vorstellung der Bilanz für 2018 und 2019 deutlich wurde.

Wichtige Unterstützung für junge Musiker

Wie Rocklab-Manager Sam Reinard informierte, konnte man bei den Aktivitäten noch einmal zulegen. 95 Bands und Projekte profitieren momentan von dem Angebot, wozu unter anderem das Proben in einem der Probesäle oder das Produzieren im Tonstudio zählt. Die Rocklab-Mitarbeiter bieten professionelle Unterstützung, helfen bei der Strukturierung oder der Vorbereitung auf Konzerte. Die vom Rocklab organisierten Konzerte, Album-Veröffentlichungen oder sonstigen Events zogen im letzten Jahr 6.849 Besucher (60 Events) an, in diesem Jahren waren es fast 1.000 mehr (8.821 bei 56 Events). „Unsere Arbeit trägt ihre Früchte“, freute sich Reinard.

„Die Begleitung der lokalen Künstler ist die wichtigste Arbeit, die das CMA macht“, bemerkte Henzig. Man lege Wert darauf, immer mehr multikulturelle Projekte auf den Weg zu bringen. So habe man etwa Edsun, Künstler des Jahres 2018, für eine musikalische und getanzte Performance mit dem Maler Arthur Unger zusammengebracht. Im Jahr 2018 sei zudem eine Zusammenarbeit mit dem „The Grund Club“ gestartet und seither acht Konzerte im Rockhal Café geboten worden. Eine ganze Reihe weiterer Projekte habe man derweil in petto.

Programm für die Kids

Bereits im Jahr 2010 war mit der Ausarbeitung eines Programms für das junge Publikum begonnen worden, das seither deutlich ausgebaut wurde, nicht zuletzt auch dank der Schaffung eines entsprechenden Postens im Rocklab. Projekte wie „Music for Kids“ (Workshops für die ganz Kleinen), Konzerte für Kinder und „Be a Hero“ (pädagogische Konzerte, die jeweils von rund 400 Kindern besucht werden) hätten sich zu großen Erfolgen entwickelt.

Das „Screaming Fields“ ist ebenfalls zu einem der Hauptprojekte und Aushängeschilder des Rocklab geworden und noch dazu eines der wichtigsten Events für die lokale Nachwuchsszene. „Auch hier ist das Ziel, junge Talente zwischen zwölf und 25 zu begleiten, auszubilden und zu fördern, und zwar ab dem Beginn ihrer Laufbahn, gleich am Anfang ihrer kreativen Ideen. In diesem Jahr konnten wir eine Steigerung der Einschreibungen feststellen und haben auch unser Begleitprogramm sowie die Anzahl an Instrumental-Workshops ausgebaut“, erklärte Reinard und stellte für 2020 eine weitere Entwicklung in Aussicht.

„Luxembourg Music Awards“ für mehr Bekanntheitsgrad

Eine positive Erfahrung habe man im Dezember 2018 mit der Vergabe der ersten „Luxembourg Music Awards“ gesammelt, die künftig im Zweijahresrhythmus verliehen werden sollen, dies mit dem Ziel, die luxemburgische Kreation einem größeren Publikum bekannt zu machen. „Die Rock/Popszene in Luxemburg ist groß. Alle kennen sich untereinander, jedoch wurde uns bewusst, dass dies nicht unbedingt für die breite Öffentlichkeit gilt, dass die Leute also die Namen unserer Musiker nicht unbedingt kennen“, gab der Manager des Rocklab zu bedenken. Dazu sollen die „Luxembourg Music Awards“ beitragen. Die nächste Ausgabe wird 2020 stattfinden. Außerdem sollen die Preiskategorien um andere Musikgenres erweitert werden, wobei aber noch keine Details zu erfahren waren.

Das Rocklab initiiert darüber hinaus auch eine Vielzahl an europäischen Projekten: „Multi Pistes“, ein Begleit- und Formationsprojekt für junge Gruppen in einem grenzüberschreitenden Kontext. „Verschiedene ,Centre de ressources‘ in der Großregion haben sich zusammengetan, um einer Auswahl an Künstlern eine Residenz mit allem Drum und Dran anzubieten. C’est Karma wurde in diesem Jahr für Luxemburg zurückbehalten, letztes Jahr war es Maz“, erklärte Reinard. Drei weitere europäische Vereinigungen oder Plattformen - „liveurope“, INES und „European Arenas Association“ - arbeiten mit dem Rocklab zusammen, um luxemburgischen Künstlern ein Eingangstor zum europäischen Markt zu bieten.