ESCH/ALZETTE
PATRICK WELTER

Beginn der Bürgerbeteiligung für die Planung des neuen Stadtviertels „Rout Lëns“

Nach 42 Jahren Dornröschenschlaf soll sich auf dem Hüttengelände „Rout Lëns“ endlich etwas tun. Die älteste Eisenhütte der Stadt Esch/Alzette wurde 1870 gegründet und stellte 1977 den Betrieb ein. Seitdem wurde viel geredet, geplant, noch mehr geredet und wieder geplant, aber Konkretes kam dabei nicht heraus. Eigentlich erstaunlich, denn das Gelände ist von allen drei ehemaligen Stahlwerken, dass dem Stadtzentrum nächste. Zum Vergleich: Die Neugestaltung der brachliegenden Teile von Esch-Belval begann schon im Jahr 2000. Jetzt werden die städtebaulichen Pläne für die „Rout Lëns“ konkret, eine notwendige Änderung des Allgemeinen Bebauungsplans wurde definitiv vom Escher Stadtrat verabschiedet. Gestern fiel der Startschuss zur Bürgerbefragung, die feststellen will, wie die Escher wohnen wollen. Die offizielle Einladung zur Bürgerbeteiligung ist mit der Schlagzeile „Är Meenung zielt!“ überschrieben.

Gemeinsam stellten der Bauträger, IKO Real Estate, und die Stadt Esch die weit fortgeschrittenen Überlegungen für das Hüttengelände vor und führten dabei auch über das elf Hektar große Gelände. Zum Konzept gehört es auch einen Teil des alten Baubestandes als Denkmäler der Stahlindustrie zu erhalten.

Bewusste Bürgerbeteiligung

Die konkreten Planungen für die neue „Rout Lëns“ haben laut Eric Lux, CEO von IKO Real Estate, vor 20 Monaten begonnen. Dabei wurden Gespräche mit der Stadt Esch und dem Stahlunternehmen ArcelorMittal geführt. Nach der endgültigen Verabschiedung der PAG-Änderung beginne nun die offizielle Bürgerbeteiligung am Projekt. Lux will hier ein Viertel für Familien errichten, das ganz nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit angelegt wird. Ökologie, der fürsorgliche Umgang mit der Ressource Wasser und der Erhalt von historisch wichtigen Industriebauten zählten dazu. Lux lobte die gute Zusammenarbeit mit Stadt und Stahlkonzern. Sowohl für Planung als auch die Realisierung einer echten Bürgerbeteiligung hat sich der Bauträger internationale Experten ins Team geholt. Die Leute sollen die Chance haben sich mit ihren Ideen wirklich einbringen zu können.

Kox: Früher nur geredet…

Martin Kox, der für Stadtentwicklung zuständige Schöffe, war besonders stolz darauf, dass er an einem Tag zwei Stadtentwicklungsprojekte vorstellen konnte. Zuerst die Überlegungen für die Umnutzung des Gelände des Stahlwerks Esch-Schifflingen und nun der Beginn der Bürgerbeteiligung für die „Rout Lëns“. Kox beugte aber vor und meinte, dass es keine „Konkurrenz“ zwischen den beiden Standorten gibt. Die „Rout Lëns“ werde zu einem Leuchtturmprojekt für den Klimapakt der Stadt Esch und für andere. „Wir wollen schnell anfangen“, lautet sein Vorsatz. Es sei früher zu viel über zu viel Projekte geredet worden. Wichtig sei für den Schöffenrat die Integration der Industriekultur.

Nach den derzeitigen Planungen bleiben die Turbinenhalle von 1901, das Lager „TT“, die Gebläsehalle, das ehemalige Eisenbahnstellwerk im Westen des Geländes und die lange Einfriedungsmauer mit ihren Blindbögen entlang der N4 erhalten.

Alles über das Projekt und die Bürgerbeteiligung erfährt man unter routlens.lu