Sie haben keine Zeit zu verlieren, die Partner der blau-rot-grünen Koalition. Nach Jahren des politischen Stillstands und der Affären, die das Vertrauen der Bürger in die Politik insgesamt stark erodiert haben, sind sie dabei, zu einem handlungsfähigen Team mit einem soliden Zukunftsprogramm zusammenzuwachsen. Die Herausforderungen sind Legion: Raus aus der Krise, runter mit der Arbeitslosigkeit, eine gezieltere Sozialpolitik, ein besseres Schulsystem, gesellschaftspolitische Reformen endlich durchziehen... Nur eine kleine Auswahl riesiger politischer Baustellen, die es weiter zu bringen gilt. Seit Tagen hagelt es ferner Briefe, Forderungskataloge und Wunschlisten an die neue Regierung, auf dass sie das eine oder andere Problem sofort angehe. Während scheidende CSV-Minister brenzlige Angelegenheiten wie etwa die Zukunft der Cargolux bereits an die noch nicht handlungsfähige Koalition rüber schaufeln. Von der Partei, die im Wahlkampf so viel von „Fairness“ sprach, wird man doch erwarten können, dass die Informationen und Akten zu diesen Dossiers von den CSV-Ministern und ihren Beamten in ihrer Vollständigkeit an die Nachfolger abgegeben werden, nicht wahr?

Schliesslich geht es um das Interesse des Landes. Und das darf nicht auf dem Altar einer „Coûte que coûte“-Oppositionspolitik geopfert werden. Wie der Übergang in den Ministerien erfolgt, wird eine erste Idee geben, wie die Partei sich in der für sie neuen Oppositionsrolle aufstellt. Und dann das liebe Geld: Der Kassensturz, der diese Woche mit den obersten Zahlen-Meistern der Nation vorgenommen wurde, hat die beunruhigende Lage der Staatsfinanzen bestätigt. Die Aussichten sind sogar noch düsterer als angenommen: Bei der Pressekonferenz am Ende des zweiten Verhandlungstages am Dienstag sagte „Formateur“ Xavier Bettel etwa, dass die Verluste durch den Wegfall der Mehrwertsteuer-Einnahmen aus dem E-Commerce ab kommendem Jahr näher an der Milliarde Euro liegen statt an den 700 Millionen, die Luc Frieden immer wieder in Aussicht stellte.

Die schnellstmögliche Aufstellung eines Staatshaushalts für das kommende Jahr wird zweifelsohne zur ersten Priorität der neuen Regierung, die voraussichtlich Ende des Monats Form angenommen haben wird. Zeit für parteipolitische Spielchen gibt es nicht. Dass die erfahrenen Verhandlungspartner auf Augenhöhe diskutieren können - und nicht nach dem jahrzehntelang üblichen Modus: Großer Partner diktiert kleinem, was zu tun ist und pocht im Falle des Falles ständig auf seine Übermacht - ist ein Vor- und kein Nachteil, wie es diverse Kommentatoren auszulegen pflegen, die ständig über potenzielle Reibungspunkte, aber selten über Gemeinsamkeiten berichten.

Ja, die Latte für die historische Dreier-Koalition liegt hoch. Ja, einfache Wege gibt es nicht. Ja, sie ist geradezu zum Erfolg „verdammt“. Der Erwartungen sind sich die Koalitionspartner wohl bewusst, die wie keine anderen in den letzten Jahrzehnten einen Elan, eine Lust versprühen, intensivst für die Zukunft des Landes zu arbeiten. Er ist da: Der neue Politik-Stil, der frische Wind, der Aufbruch, den Luxemburg braucht. Das verspricht. Und verpflichtet.