LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Die offiziellen Wettbewerbsfilme beim LuxFilmFest im Überblick

Zehn Filme waren ausgesucht worden, um im offiziellen Wettbewerb des achten „Luxembourg City Film Festival“ für den Gewinn des Hauptpreises, dem „Grand Prix by Orange“, zu konkurrieren. Am Ende schälten sich eigentlich nur zwei Filme heraus, die für einen Preis in Frage kommen: „Lean on Pete“ von Andrew Haigh und „Sweet Country“ von Warwick Thornton.

Auf Spielfilmlänge verlängert

Irgendwie wurde man beim Sehen der Filme den Eindruck nicht los, dass es sich um Kurzfilme handelt, und man den Regisseuren geraten hat, ihre Werke auf die Länge von abendfüllenden Spielfilmen zu verlängern. So stellt ein Polizist in „Free & Easy“ von Geng Jun eine Frage und zehn Sekunden später kommt die Antwort. Wenn dieser Rhythmus sich über 99 Minuten in einer sehr dürftigen Geschichte hinzieht, wundert es niemanden, dass nach 20 Minuten Schnarchen im Saal zu hören war!

Ähnlich langatmig ist der Erzählstil des griechischen „Pity“ von Babis Makridis. Ein Mann (Yannis Drakopoulos) mag das Mitgefühl seines Umfelds, weil seine Frau im Koma liegt. Als sie erwacht, vermisst er das Mitleid. Auch hier beschränkt sich das Potenzial des Drehbuchs auf die Dauer eines Kurzfilms. Doch muss man 90 Filmminuten ertragen. Im rumänischen Film „Pororoca“ von Constantin Popescu leidet man 153 Minuten mit Tudor (Bogdan Dumitrache), dessen fünfjährige Tochter Maria (Adela Marghidan) spurlos verschwindet. Er kann sich nicht damit abfinden und dreht am Ende durch. Wiederum hätten 90 Minuten genügt, das Drama mit allen Ingredienzen zu erzählen. Die israelische Produktion „Foxtrot“ von Samuel Maoz könnte auch etliche Kürzungen vertragen, um die Geschichte des vermeintlich getöteten Sohns der Familie Feldmann interessanter darzustellen.

Der indonesische Regisseur Mouly Surya scheint ein Fan des Italo-Westerns zu sein. Sein Film „Marlina la tueuse en 4 actes“ ist dementsprechend inszeniert. Als Marlinas (Marsha Timothy) Mann stirbt, taucht ein Kerl namens Markus (Egy Fedly) auf und erklärt ihr, dass sechs weitere Männer kommen und mit ihr schlafen werden. Nur ereilt diese Männer ein viel grausameres Schicksal. Selbst wenn größere Längen fehlen, kann der Film nicht wirklich überraschen, genauso wenig wie die Geschichte von Govinda Van Maeles „Gutland“. Komplett überflüssig ist dagegen die dänische Koproduktion „Holiday“ von Isabella Eklöf, dessen Höhepunkt eine entbehrliche pornografische Einlage ist.

Die besseren Filme

„Sweet Country“ ist ein australischer Western. Der Aborigine Sam Kelly (Hamilton Morris) erschießt in Notwehr den weißen Harry March (Ewen Leslie). Er wird vom Soldaten Fletcher (Bryan Brown) und ein paar Männern gejagt. Der Film zeigt in teils harten Bildern, wie die Ureinwohner von den weißen Siedlern behandelt werden. Leider klärt der Regisseur die Situation verschiedener Figuren nicht richtig auf, was das Gefühl von nicht vollends ausgeschöpften Möglichkeiten hinterlässt. „Lean on Pete“ handelt vom jungen Charley (Charlie Plummer), der beim Pferdebesitzer Del (Steve Buscemi) mit ein paar Gelegenheitsjobs sein Taschengeld aufbessert. Er freundet sich mit dem Pferd „Lean on Pete“ an und begleitet Del und Jockey Bonnie (Chloë Sevigny) zu den Pferderennen. Bevor man glaubt, es würde erneut die Geschichte von der Freundschaft eines Jungen und eines Pferdes erzählt, nimmt der Film eine überraschende Wende. Trotz einiger harter Szenen, erzählt Regisseur Thornton eine positive Geschichte, mit einem überzeugenden jungen Hauptdarsteller. Den zehnten Film im Wettbewerb „Disappearance“ von Ali Asgari hat der „Journal“-Kritiker leider nicht gesehen.

Verschiedene Filme kann man sich noch anschauen, bevor am Samstag die Preisträger bekannt gegeben werden.

Alle weiteren Informationen über das Programm und die Tickets, die man unter anderem über Luxembourg-Ticket reservieren kann, findet man unter www.luxfilmfest.lu