LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Nei Revue“: der Neubeginn einer Institution

Xavier Bettel (Ricardo Viera) und Lydie Polfer (Dana Zangerlé) treffen sich auf dem Clairefontaine-Platz und fragen sich, was die vielen Leute dort machen. Es stellt sich heraus, dass es die alten Mitglieder der „Lëtzebuerger Revue“ sind. Als sie der Premierminister bittet, wieder mit dem Spielen anzufangen, legen sie mit der neuen „Revue 2018“ los. Eigentlich müsste man froh sein, dass die 120 Jahre alte Institution „Lëtzebuerger Revue“ wieder da ist, nachdem sie 2017 wegen finanzieller Probleme abgesagt wurde. Ein Großteil der Truppe formierte sich letztes Jahr neu und gründete die „Nei Revue A.s.b.l.“, mit Stéphanie Welbes als Präsidentin. Am Mittwoch feierte das neue Programm Premiere im Kapuzinertheater. Doch am Ende der Show hielt sich die Begeisterung in engen Grenzen.

Von Lulling bis Irma Hopp

Keine wirklich originelle Idee ist es, im zweiten Sketch die luxemburgische Politszene mit einem Zirkus zu vergleichen. Als „Kregéiler“ regt sich Marc Camy darüber auf, dass in den Cafés seit dem Zigaretten-Verbot andere Gerüche dominieren, wie Schweiß. Ein Verbot gegen Biotonnen-Gestank gibt es noch nicht. Zwei Außerirdische (Rafael Parrinha und David Bettinelli) landen in Luxemburg. Für sie ist die Erde der schrecklichste Planet, auf dem sie während ihrer Reise gelandet sind.

Bis dahin konnte allenfalls geschmunzelt werden. Dann muss man sich fragen, warum Stéphanie Welbes und Liliane Luyckfassel zeigen, wie lange 30 Sekunden dauern, oder was ein Sketch wie „Angscht“ (Jay Schiltz) in der Revue zu suchen hat, wo eigentlich Humor, Ironie und vielleicht etwas Sarkasmus hingehören statt ein Psychodrama über die Angst einer Hausfrau (Brigitte Bintz) vor Terroristen. Einzig Astrid Lullings (Welbes) Besuch in einem Bestattungsinstitut kann Lacher auslösen, wenn sie mit dem Besitzer Herr Frieden (Gérard Heinen) über die Modalitäten ihres irgendwann stattfindenden Begräbnisses diskutiert.

Im zweiten Teil trifft sich unter anderem die großherzogliche Familie, um einen Urlaub auf Kuba vorzubereiten, ehe Miss Lulling wieder eine (überflüssige) Rede hält. In einem Café diskutiert Will Aust mit einem Kellner (Parrinha) über die vielen Arten von Kaffee, die es gibt, bevor Donald Trump (Parrinha) in Steinsel eintrifft, um einen nach ihm benannten Weg, den „Trampelwee“, einzuweihen. In Echternach wird gegen Erzbischof „Gasperich“ (Camy) während der Springprozession protestiert. Überraschend ist der Auftritt von Irma Hopp (Luyckfassel), der Frau des berühmten Théid Hopp. Nur fehlt in ihrem Klagelied „Sou e Mann“ der Humor ihres Mannes.

Alte Fehler, nichts Neues

Aus den Fehlern der alten „Revue“ wurde scheinbar nicht gelernt. Die Politik dominiert, gefolgt von Lulling - sie wird in 100 Jahren noch dabei sein -, der großherzoglichen Familie und der Kirche, jetzt in der Form vom SYFEL („Syndicat des Fabriques d’Eglise du Luxembourg a.s.b.l.“). Irgendetwas wirklich Neues haben die Verfasser der Sketche Marc Weidert, Patrick Kayser, Gast Zangerlé, Roland Kalté, John Morris und Jay Schiltz nicht zu bieten. Normale Probleme und Sorgen der Luxemburger werden, wie auch in den letzten Shows, nicht behandelt. Die Politiker werden wohl kritisiert, aber es fehlt die Fantasie, diese Kritik in ein humorvolles und originelles Gewand zu packen. Der moralische Zeigefinger wird oft hochgehoben, und das passt nicht in eine „Revue“. Aus den Sketchen müssen die Zuschauer selbst ihre Schlüsse ziehen. Man hat außerdem den Eindruck, dass Regisseur Nico Lessyn seinem Ensemble keinen Freiraum gelassen hat. Alle spielen gekonnt und problemlos ihre Rollen, aber es fehlt der Spielwitz, und so wirkt vieles steril.

Erneut nerven die überlangen Umbau-Pausen. Die Requisiten werden von Bühnenarbeitern auf die Bühne getragen, so als wäre sich das Ensemble zu schade, diese Utensilien selbst mitzubringen. So kommt es ein paar Mal zu minutenlangen Unterbrechungen, die mit Instrumentalmusik untermalt werden, wodurch leider kein Rhythmus aufkommen kann.


Gespielt wird im Kapuzinertheater noch am 14. und 15. April, danach im CAPE in Ettelbrück vom 18. bis 22. April, im „Käerjenger Treff“ vom 25. bis 29. April und schließlich im „Cube 521“ in Marnach am 5. und 6. Mai. Weitere Informationen findet man auf www.neirevue.lu., wo man auch einen Link für Tickets findet