SIMONE MOLITOR

Es ist Rentrée. Überall und in allen Hinsichten. In den Schulen, auf den Straßen, im kulturellen Bereich und nicht zuletzt in den politischen Reihen. Es kehrt wieder Leben ein. Körperliche Fitness ist gefragt, um beim momentanen Rentrées-Marathon zu bestehen. Eine „Wir-sind-wieder-da“-Pressekonferenz jagt die nächste, und wir Journalisten hetzen hinterher, freuen uns selbstverständlich auf die Abwechslung, frohlocken ob der Themenvielfalt, die uns nun erneut auf dem Silbertablett serviert wird, werden aber in Windeseile in die Realität zurückgeholt. Die Sujets sind nicht neu, die Statements nicht klar, die Gesichter nicht einmal braun gebrannt. Die Freude darüber, dass es nach dem Kochen auf Sparflamme jetzt wieder ans Eingemachte geht, weicht schnell der Erkenntnis, dass es beim gewohnten Mikrowellenmenü bleibt. Aufgewärmte Themen und erhitzte Kritik.... Die einen setzen weiterhin auf Schmusekurs, die anderen schießen gleich wieder aus vollen Rohren.

Den Startschuss des erwähnten Marathons feuerte Bildungsminister Claude Meisch am Montag ab. Seine Rede hatte er sogar mit einer Prise Leidenschaft und einem Hauch Wehmut verfeinert. Er erinnerte an früher, erzählte vom bevorstehenden ersten Schultag seiner Tochter..., um am Ende schließlich keinen Zweifel an seinen Erwartungen zu lassen: Im „neuen“ Jahr ist gemeinsames Rühren im Kochtopf gefragt! Will heißen, es muss an einem Strang gezogen werden. Servierbereit sind die von ihm erwähnten 85 Reformprojekte zwar noch nicht, dafür aber zumindest bereits einige Zutaten bekannt.

Ein paar Stunden später setzten die Vertreter des Lehrersyndikats SEW erneut da an, wo sie vor der Sommerpause aufgehört hatten: Die Bildungspolitik wurde in sämtlichen scharf gewürzten Tonlagen kritisiert. Der Minister streue der Öffentlichkeit Sand in die Augen, konkret passieren würde aber nichts, so der gewohnte Tenor. Der Dialog ist tot, ließ das SEW verlauten; es lebe der Dialog, lautete die Ansage von Minister Meisch.

Auf eine klare Ansage wartete man einen Tag später während der Pressekonferenz der Grünen vergeblich. Die vom Präsidentenduo Kmiotek/Folmer angeschlagenen Töne waren sanft und weich wie Zuckerwatte. Hauptsächlich wurde „begrüßt“, dieses und jenes, manches bedauert, wirklich kritisiert aber nichts. Es war eine lahme Vorstellung, der es an einer klaren Geschmacksrichtung fehlte, dargeboten von Rednern, die nur wenig an Politiker erinnerten. Kein (wirkliches) Wort zur geplanten Steuerreform, kein kritisches Tönchen in Sachen Nordstraße, dafür aber eine aufgewärmte „Frauenquote“ und ein vor sich hin köchelnder Werteunterricht.

Auch die Nationale Schülerkonferenz (CNEL) tischte den anwesenden Journalisten gestern Morgen noch einmal das Thema Werteunterricht auf und hinterließ mit der erneuten Forderung, die Wahlmöglichkeit zwischen den beiden bestehenden Fächern beizubehalten, den faden Beigeschmack, dass eines immer noch nicht angekommen ist: Die Einführung des Werteunterrichts ist beschlossene Sache! Auch wenn noch nicht jeder dem Braten traut…

Der Rentrées-Marathon ist derweil noch nicht abgeschlossen und somit bleibt noch Hoffnung auf etwas mehr Würze. Und doch wird letztendlich gegessen, was auf den Tisch kommt.