#NotATarget ist das Motto der Kampagne der Vereinten Nationen im Rahmen des diesjährigen Welttages der humanitären Hilfe, der am 19. August begangen wurde. Das Luxemburger Rote Kreuz hat sich dieser Kampagne angeschlossen und sie unter anderem Anfang Juli mit einer spektakulären Aktion sensibilisiert: Mit einer zerschossenen Ambulanz in den Farben des Roten Kreuzes/des Roten Halbmonds. Marc Crochet, beigeordneter Direktor des Luxemburger Roten Kreuzes, erklärt, was dahinter steckt. 

„Eigentlich schützt das internationale Recht die humanitären Helfer, deren Arbeit im Interesse aller Notleidender respektiert werden muss. Doch die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Helfer werden zu oft zur Zielscheibe, obwohl ihr Status deutlich zu erkennen ist. Auch außerhalb von Kampfhandlungen wird ihnen manchmal gedroht, sogar mit dem Tod, wie das auch vor Jahren Mitarbeiter des Luxemburger Roten Kreuzes in Haiti erleben mussten.  Eine Studie des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes hat gezeigt, das in den letzten beiden Jahren mehr als 1.200 Gewaltakte gegen Gesundheitspersonal oder Gesundheitsinfrastrukturen registriert wurden. Wobei die Erhebung lediglich 16 Länder umfasste.

Eine andere Form der Behinderung des humanitären Einsatzes ist es, den Helfern so viele Hürden wie möglich in den Weg zu legen.

Wir finden es in dieser Hinsicht beispielsweise völlig inakzeptabel, dass Organisationen, die Menschen aus Seenot retten, wie das immer wieder im Mittelmeer geschieht, die Einfahrt in einen Hafen verwehrt wird oder die Retter sogar noch kriminalisiert werden. Was Europa sich da leistet, widerspricht jeglichen humanitären Prinzipien.

Was sich in der humanitären Arbeit immer wiederholt ist, dass Helfer einfach daran gehindert werden, zu den Hilfsbedürftigen zu gelangen, und gezwungen werden, wieder abzuziehen. Die Leidtragenden sind immer die Notleidenden.

Wer sich für andere einsetzt, sollte das ohne Risiko tun können. Die Realität ist, wie gesagt, eine andere, deshalb bereiten das Rote Kreuz seine Mitarbeiter beständig darauf vor, mit den Risiken umzugehen. In Regionen, wo es gefährlich werden kann, wie im Sahel, im Niger oder in Kamerun, wo extremistische Gruppierungen wie Boko Haram ihr Unwesen treiben, gibt es tägliche Sicherheitsbriefings.

Es gibt ganz klare Anweisungen, wie man sich bei einer Bedrohung verhalten soll, dass man grosse Menschenmassen zum Beispiel vermeiden soll oder dass immer ein Wagen abfahrbereit zur Verfügung stehen muss, um schnell von einem Gefahrenpunkt weg zu kommen.

Ein Null-Risiko gibt es natürlich nicht und alle humanitären Helfer gehen sehenden Auges in ihre Missionen. Aber natürlich ist es unsere Pflicht, dieses Risiko so niedrig wie nur möglich zu halten. Und wir können nur alle Parteien, die in einer Krisenregion über Entscheidungsmacht verfügen, dazu aufrufen, nicht auf Ambulanzen zu schießen.“