LUXEMBURG
SVEN WOHL

Angespielt: „Toukiden: Kiwami“

Eine der bedeutendsten Entwicklungen japanischer Rollenspiele wird von „Monster Hunter“ getragen. Die langlebige Serie setzt auf einen Jäger-Instinkt, kombiniert mit den Multiplayer-Möglichkeiten moderner Konsolen. Vor allem auf tragbaren Plattformen konnten sich diese Action-Rollenspiele mit Leichtigkeit in Japan durchsetzen. Im Westen tut sich diese Art von Spielen etwas schwerer, auch wenn „Monster Hunter“ mittlerweile gewisse Erfolge für sich verbuchen konnte. „Toukiden: Kiwami“ macht sich im gleichen Genre breit, setzt jedoch auf mehr Story und japanische Mythologie.

Heftiger Gigantismus

Das hilft natürlich insofern weiter, als dass die Monsterdesigns fantastisch aussehen. Vor allem die größeren Biester sind so imposant, dass es man nur mit einem Mindestmaß an Respekt wagt, ihnen entgegen zu treten. Gut, dass man dabei nicht alleine ist: Wie für das Genre üblich, hat man stets andere Spieler oder computergesteuerte Unterstützung bei sich. Dabei gibt es mehrere Charakterklassen, die allesamt unterschiedliche Aufgaben auf dem Schlachtfeld übernehmen. Der „Slayer“ sorgt dafür, Körperteile abzutrennen, während Heiler einem helfen, am Leben zu bleiben. Andere Klassen sind auf Distanzangriffe oder Geschwindigkeit ausgelegt. Da sie sich von den Fähigkeiten her gut ergänzen, entsteht eine bemerkenswerte Dynamik, die die Kämpfe organisch und vor allem episch wirken lässt.

Dass das Spiel ursprünglich für portable Formate gedacht war, merkt man auch am Aufbau: Alle Missionen dauern zwischen fünf und 20 Minuten, weshalb sich das Spiel auch prima für eine kleine Runde zwischendurch lohnt. Die simpleren Aufträge sind nach dem Typ „Töte X, sammle Y ein“ gestaltet. Dabei werden die Karten, die typischerweise in mehrere Areale aufgeteilt sind, stets etwas eingeschränkt, um die Suche nach den in Frage kommenden Monster einfacher zu gestalten. Die Umgebungen verraten dabei auf der PlayStation 4 als einzige ihre Herkunft: Manchmal sind die Details etwas spärlich. Kampfanimationen und die Modelle der Figuren und Dämonen dagegen können auch auf dem großen Schirm gefallen. Die Handzeichnungen der Porträts der Figuren bringen die Story auf handelsübliche Art und Weise voran.

Wachstumspotenzial

Anders als bei typischen japanischen Rollenspielen kann man nicht in den Stufen aufsteigen. Stattdessen verbessert man stets seine Ausrüstung und erweitert das eigene Arsenal. Eine Eigenart von „Toukiden: Kiwami“ sind die Seelen gefallener Krieger, die man einsammeln kann und die zahlreiche Bonuseffekte und Kampfmagie freischalten. Da man innerhalb einige Missionen gleich mehrerer davon hat, lohnt sich das Aufleveln und das Herumexperimentieren. Ein nettes Bad kann ebenfalls neue Fähigkeiten freischalten.

Wer Monster Hunter wegen des Settings nichts abgewinnen kann oder keine aktuelle Nintendo-Konsole sein Eigen nennt, kann mit „Toukiden: Kiwami“ problemlos glücklich werden. Das Design birgt keine Tücken, und auch wenn wesentliche Neuerungen gegenüber der Konkurrenz fehlen, schafft es „Toukiden: Kiwami“, durch seinen Charme zu überzeugen.