LUXEMBURG
KEVIN THEISEN

Django ist schwul – ein schwules Känguru und Star in einem Theaterstück mit dem Namen „Ein Känguru wie du“. Es geht um Vorurteile, das Stück will zeigen, dass nichts ist, wie es scheint. Doch Django stört den adr-Abgeordneten Fernand Kartheiser. Mit seiner parlamentarischen Anfrage hat der Politiker eher ungewollt eine Solidaritätswelle mit der LGBTQI-Community in Luxemburg losgelöst. „Dabei ist es eine langjährige Forderung der Vereinigung Rosa Lëtzebuerg, LGBTQI -Themen verstärkt in den Unterrichtsplan aufzunehmen“, stellt Kevin Theisen, selbst Erzieher im sozialen Dienst und Vorstandsmitglied von Rosa Lëtzebuerg, klar.

„Nur eine feste und obligatorische Eingliederung dieser Themen in den Unterrichtsplan garantiert eine bestmögliche Aufklärung mit dem Ziel, Diskriminierung zu verhindern. Homophobie, Transphobie, sowie Aussagen und parlamentarische Anfragen wie die von Herrn Kartheiser dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Das Jahr 2014 stand für Rosa Lëtzebuerg im Zeichen von ‚Diversity meets Education‘. Hier wurde in einem multidisziplinären Rundtischgespräch die Wichtigkeit unterstrichen, dass LGBTQI nicht nur im Werteunterricht, sondern fächerübergreifend ein Thema sein muss! Von mathematischen Textaufgaben, Sprachunterricht, in Geschichte oder Gesellschaftskunde - Homosexualität darf kein Tabu sein!

Die Antwort von Minister Meisch auf die Frage der adr hin muss man nun loben. Als Erzieher im sozialen Dienst und auch Vorstandsmitglied von Rosa Lëtzebuerg bin ich der Meinung, dass es Aufgabe der Bildung ist, Kindern und Jugendlichen die fundamentalen Werte von gegenseitigem Respekt und Toleranz zu vermitteln. An den Schulen werden immer mehr Aufgaben und Erwartungen ausgegeben, die über die eigentliche Bildungsarbeit gehen. Dazu gehört auch das Theaterstück, das Herr Kartheiser kritisiert. Ein Stück, was nach dem Bildungsplan der Schule helfen soll, eine andere Form des Lernens zu etablieren. Es gibt viele neue Aspekte, die die verschiedensten Kompetenzen der Kinder ankurbeln – und wenn man sich ein bisschen mit dem Stück auseinandersetzt, dann findet man auch heraus, dass es eine gelungene Aufklärungsgeschichte ist – die zur Integration von allen Schichten beitragen kann. Wir sind froh, dass LGBTQI-Themen endlich nach langer Zeit der Tabuisierung in den Schulprogrammen vorkommen, und zwar so, dass Kinder, die sich betroffen fühlen, sich nicht schämen müssen, aber auch so, dass die anderen Kinder darin keinen Diskriminierungsgrund sehen. Denn etwas darf man nicht vergessen: Die Selbstmordrate ist unter LGBTQI-Kindern wesentlich höher als bei heterosexuellen Kindern. Die Schule muss daher immer mehr die Aufgabe übernehmen, den Kindern zu vermitteln, dass es kein Ausschließen gibt. Dass Politiker, Abgeordnete mit Vorbildfunktion, auf Kosten von Minderheiten ihre reaktionär konservativen Ideen durchdrücken wollen, ist keine Hilfe – weder für die Kinder noch für die Erzieher. Es ist absolut wichtig, wie es Herr Meisch nennt, ‚Provokationen‘, und zwar in aller Form, die sich gegen Menschenrechte richten, entgegenzutreten.

In diesem Kontext erinnert Rosa Lëtzbuerg daran, dass das schwul-lesbische Informationszentrum Centre d’Information GAy et LEsbien - CIGALE (www.cigale.lu) Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit in Schulen und Jugendinstitutionen anbietet, in Bezug auf beispielsweise Geschlechtskrankheiten, Antidiskriminierungsprojekte und auch Gewaltprävention.“