CARLOS PAULOS

Statt über Flyer oder im Klassensaal Aufklärung vor Ort: Die pipapo-Mannschaft ist auf diversen Festivals und Feiern im Land vor Ort präsent, um über Risiken im Zusammenhang mit dem Freizeitkonsum von Drogen aufzuklären. Carlos Paulos von 4motion erklärt, worum es bei diesem Projekt geht und warum es an der Zeit für eine Debatte über die Drogenpolitik wäre.

„Das Hauptziel des pipapo-Projekts besteht darin, wie am vergangenen Wochenende beim ‚Back to the Roots‘-Festival, die Besucher über die Risiken des Drogenkonsums aufzuklären. Wir bieten darüber hinaus bei Interesse auch die Möglichkeit an, eine Probe der mitgebrachten Drogen vom nationalen Gesundheitslabor analysieren zu lassen. Innerhalb von 48 bis zu 72 Stunden können diese Personen dann über einen Zugangscode im Internet überprüfen, ob es sich tatsächlich um den Wirkstoff handelt, der in der Droge enthalten sein soll. Der Konsument bekommt somit Feedback über mögliche Risiken. Gleichzeitig erlauben es die Ergebnisse dieser Analyse dem Gesundheitsministerium, gegebenenfalls Warnungen auszugeben. Darüber hinaus verteilen wir Ohrstöpsel, Kondome und führen Umfragen zum rezenten Konsum von psychoaktiven Substanzen durch.

Als Aufklärungsstelle verurteilen wir den Freizeitkonsum von Drogen nicht, wollen aber erreichen, dass sich die Konsumenten von Zeit zu Zeit über ihr Verhältnis zu ihrem Drogenkonsum klar werden. Unsere Arbeit ist deshalb wichtig, weil sich das allgemeine Interesse am Freizeitkonsum von Drogen in Grenzen hält. Mit Blick auf psychoaktive Substanzen ist es darüber hinaus auch für die öffentliche Gesundheit wichtig zu wissen, welche synthetischen Drogen in Umlauf sind.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre ausgerichtet und wird derzeit von 4motion getragen mit als Partner das LNS, die ‚services audiophonologique‘“ des Gesundheitsministeriums, die HIV-Berodung und das ‚Planning familial‘ mit Unterstützung durch die ‚Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte‘.
Es ist in unseren Augen entscheidend, dass erneut eine Debatte über die aktuelle Drogenpolitik entsteht, und wir sind überzeugt, im Verhältnis der Gesellschaft zum Thema Drogen Alternativen finden zu müssen.

Eine Debatte, in der es keine einfachen Antworten gibt. Auf EU-Ebene gibt es beispielsweise Überlegungen für eine Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahren, was den Konsum von Alkohol und Zigaretten angeht. Gleichzeitig gibt es Länder, die beim Thema Cannabis und anderen Drogen Ausnahmeregelungen haben. Mittelfristig führt an dieser Debatte kein Weg vorbei, auch weil diese Drogenpolitik in Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis stößt. Beispielsweise wissen viele Jugendliche nicht, dass der Cannabiskonsum illegal ist. Auf der Suche nach alternativen Modellen werden wir uns Ende November auf einer internationalen Konferenz (Stadt nach acht) mit Experten aus ganz Europa austauschen. Als Teil des europäischen risflecting.at-Netzwerks arbeiten wir zudem an alternativen pädagogischen Ansätzen und bieten über das SNJ eine spezielle Ausbildung an.“

Das pipapo-Team wird am 1. Oktober auf dem „On Stéitsch“-Festival sowie beim „Welcome 4.0“ vor Ort sein. Mehr Informationen unter www.pipapo.lu und www.4motion.lu