LUXEMBURG
SVEN WOHL

Das Centre d’Information Tiers Monde informiert über die Schere zwischen Norden und Süden

Das Ungleichgewicht zwischen dem Norden und dem Süden ist heute ein omnipräsentes Thema. Ob in der Politik, Gesellschaft oder den Medien: Die verschiedenen Facetten dieser sehr komplexen Thematik sind weit vertreten. Doch das war nicht immer so. In den 1980ern herrschten noch wesentlich mehr Vorurteile als heute und obwohl die Nachfrage nach Informationen zu diesen Themen durchaus vorhanden war, gab es kaum ein Angebot. Das änderte sich im Jahr 1982 mit der Gründung des „Centre d’information Tier Monde“ (CITIM).

Erfolg dank Umbau

Die Zielsetzung ist ziemlich klar: Das Volk über diese Problematik zu informieren und gleichzeitig Vorurteile abzubauen. Dies wird nicht nur durch eine riesige Bibliothek geschafft, die zahlreiche Bücher bietet, die in keiner anderen Bibliothek Luxemburgs zu finden sind, sondern auch mithilfe von Zeitschriften, DVDs sowie pädagogischem Material. Dabei werden unter anderem die Themen Entwicklungszusammenarbeit, Nord-Süd Beziehungen, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung behandelt. Natürlich war die Situation in den 80er Jahren eine andere als heute, immerhin trägt das Internet zu einer schnellen und einfacheren Verbreitung von Informationen bei. Doch gewisse Vorurteile können sich weiterhin halten. „Es kommen jedoch viele Menschen hierhin, die sich bereits vorab informiert haben. Die wollen dann ihr Wissen mit spezifischer Fachliteratur weiter vertiefen“, erklärt Sandy Fournelle (links, im Bild oben), die bei der Action Solidarité Tiers Monde (ASTM), die unter anderem das CITIM betreibt, für die Kommunikation zuständig ist. „Es gibt jedoch auch viele, die eher zufällig hierhin finden“, fügt sie schnell hinzu.

Das war nicht immer so, befand sich die Bibliothek in der Avenue de la liberté zunächst noch auf dem ersten Stock, bis sie im Oktober 2012 einen Stock tiefer gelegt wurde. „Seitdem kommen hier auch mehr Leute rein, die vorher noch nicht wussten, dass wir existieren“, meint dazu Sandy Fournelle. Dabei versucht man vor allem, immer mehr Menschen anzusprechen. „Es gibt eine Gruppe sensibilisierter Menschen, die leicht zu erreichen ist“, berichtet Sandy Fournelle. Doch nicht jeder lässt sich mithilfe von Diskussionsrunden oder anderen Veranstaltungen, die zahlreiche Organisationen in den Räumlichkeiten des CITIM abhalten, anlocken.

Deshalb versucht man sich auch, verstärkt auf Kinder zu konzentrieren. Hier versucht man bereits in einem Alter zu sensibilisieren, in der sich die Kinder zahlreiche Verhaltensweisen und Werteinschätzungen aneignen. Diese spielen auch im späteren Leben dann noch eine gewichtige Rolle. Diese Sensibilisierung geschieht unter anderem durch Workshops, thematisch zusammengestellte Koffer die an Schulklassen verliehen werden können und anderen, teils innovativen Konzepten, wie dem Bücherrucksack, bei dem ein Buch auf die Reise durch mehrere Klassen geht. „Dabei geht es vor allem darum, andere Länder und Lebensweisen kennen zu lernen“, erklärt Catherine Scheer, Mitarbeiterin des CITIM. Die Themen der verschiedenen Workshops richten sich dabei entweder nach aktuellen Kampagnen des ASTM oder auch den verschiedenen Problemen, mit denen sie sich zusammen mit ihren Partnern aus den südlichen Ländern beschäftigen. Dabei wird nicht nur auf eine Vielzahl von Medien gesetzt, sondern auch anhand von Gegenständen die Situation verdeutlicht.

Neue Zukunftschancen

Mit der zunehmenden Digitalisierung hat sich auch einiges für das CITIM verändert: Seit 2012 ist das Inventar der gesamten Bibliothek im Bibnet eingespeist. Damit erhöht sich die Sichtbarkeit der Bibliothek noch einmal drastisch. „Das bringt uns vor allem viele Studenten, die hier ihre Recherchen vertiefen können“, erläutert Catherine Scheer. Insgesamt hofft man, durch das Wachsen der Universität noch mehr Interesse erwecken zu können, indem mehr Studenten angelockt werden. Zusätzlich denkt man bereits darüber nach, ob man vor allem die älteren Bücher der Bibliothek, die immerhin bis in die 1980er zurück reichen, nicht eventuell digitalisieren könnte.

Mehr Informationen finden Sie auf www.citim.lu