LUXEMBURG
MARCO MENG

Weltweites System der Offshore-Trickserei enttarnt

Daten über Finanzdienstleister, die vor mehr als einem Jahr dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington zugekommen waren, sorgen seit gestern für Gesprächsstoff.

Die „Offshore-Leaks-Dokumente“ getauften Unterlagen stammten von zwei Firmen, welche auf die Errichtung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Um die Datenmenge zu bewältigen, teilten sich 86 Journalisten aus Medien in 46 Ländern die Recherchearbeit an dem Fall auf und arbeiteten mehr als ein Jahr daran. Beteiligt sind unter anderem der britische „Guardian“, die französische „Le Monde“ und die „Washington Post“. Zu den Daten im Umfang von 260 Gigabytes zählen Bilder, verschlüsselte Dateien und mehr als zwei Millionen Emails von etwa 130.000 Personen und 122.000 Briefkastenfirmen. Sie offenbaren, wie Wohlbetuchte ihr Geld steuerfrei in Briefkastenfirmen und Stiftungen in abgelegenen Steueroasen schleusen. Neben Panama, Mauritius oder Samoa wird auch Luxemburg genannt.

Auch Luxemburg am Pranger

Prominentester Fall ist der Wahlkampfmanager des französischen Präsidenten François Hollande. Jean-Jacques Augier besitzt Aktien an zwei Briefkastenfirmen in der Karibik. Ein weiterer Prominenter, der im enthüllten Datenkatalog auftaucht, ist der 2011 verstorbene deutsch-schweizerische Millionenerbe Gunter Sachs. Der Industriellensohn soll auf den Cook-Inseln anonyme Trusts gegründet haben, in denen er Teile seines Vermögens versteckte. Außerdem soll Sachs Anteile an Firmen auf den Britischen Jungferninseln, auf Jersey und an vier Firmen in Luxemburg gehalten haben. Weder in Gunter Sachs‘ Steuererklärungen, noch im Erbschaftsinventar tauchen diese auf. In den mithilfe eines Schweizer „Family Office“ gegründeten Luxemburger Firmen wird sein Sohn Rolf als Anteilseigner genannt. Die Gesellschaften sind Ende 2008 von Jersey ins Großherzogtum verlegt worden. Einer der Geschäftsführer dieser Luxemburger Sachs-Firmen ist Robert Langmantel, der in Strassen die „European Capital Management & Consulting“ betreibt, um „strukturierte Lösungen für eine anspruchsvolle Klientel“ anzubieten. Ein „Family Office“, das vor allem mit der Verwaltung und Mehrung von Privatvermögen befasst ist und von denen es in Luxemburg zahllose gibt. Minister Frieden hat schon mehrfach betont, Luxemburg sei keine „Steueroase“. Nichtsdestotrotz sind auch hier im Land einige Firmen registriert, die „Offshore-Lösungen“ anbieten. Eine davon ist Ocra Worldwide mit Sitz auf der Isle of Man. Seit 1994 ist man mit einem Büro in Luxemburg vertreten. Man gründet im Auftrag von Steuerberatern, Notaren, Anwälten, Banken und so weiter Firmen von Gibraltar bis Panama, von Zypern bis zu den Seychellen. Die „Nutzung einer prestigeträchtigen Adresse“ wird genauso angeboten wie die „lokale Telefonnummer“. Für eine Stellungnahme war gestern niemand zu erreichen gewesen.

Druck auf „Steueroasen“ wird wachsen

Dass weder Offshore-Firmen noch Steueroasen generell illegal sind, bleibt festzuhalten. Wenn international aufgestellte Unternehmen versuchen, Gewinne so aufzuteilen, dass möglichst wenig Steuern anfallen, auch wenn das über Briefkasten- oder Scheinfirmen läuft, bewegt man sich zumindest in einer Grauzone. Aus dem Finanzministerium hieß es darum gestern, Luxemburg sei ein internationaler Finanzplatz und Firmengründungen auch in Übersee seien normal. Darüber hinaus halte man sich an die internationalen Standards. Konkret wollte man sich zu dem aktuellen Fall aber nicht äußern. Der Druck durch die OECD, die 1998 eine Initiative gegen „unfairen Steuerwettbewerb“ gestartet hatte, dürfte größer werden. Der deutsche Sozialdemokrat Joachim Poß mahnte die OECD, Empfehlungen im Kampf gegen Steueroasen vorzulegen. „Auch innerhalb der Eurozone gibt es steuerliche Lockangebote“, sagte der Parlamentarier. „Es geht nicht nur um entlegene außereuropäische Gegenden wie Panama und die Cayman Islands.“