ESCH/ALZETTE
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Esch/Alzette: Vël’OK, das Fahrradnetz im Süden des Landes, wächst und wächst

Genau 125.291 Nutzer im Jahr 2019, ein Wachstum von 41,35 Prozent gegenüber dem Vorjahr: Die Mundpropaganda scheint in der Umgebung von Vël’OK gut zu funktionieren, und der Erfolg dieses 2004 eingerichteten (und 2009 modernisierten) Netzwerks aus konventionellen und elektrischen Fahrrädern ist nicht aufzuhalten, wie es scheint.

462 E-Bikes

Gestern stellten die Verantwortlichen um Fritz Remackel, Präsident des „Centre d’initiative et de gestion local (CIGL)“ in Esch/Alzette, das das Netz entwickelt und verwaltet, zusammen mit Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP), weitere Neuheiten bezüglich des Netzwerkes vor.

Acht Gemeinden im Süden des Landes sind Partner des Projekts: Bettemburg, Differdingen, Düdelingen, Esch/Alzette, Sassenheim, Schifflingen und Kayl. Monnerich will 2020 dem Projekt beitreten. Das Vël’OK-Netz verfügt derzeit über eine Flotte von 462 E-Bikes an 103 Stationen. Die Benutzer mit einem mPass können ein Vël’OK 24 Stunden am Tag zwei Stunden lang kostenlos nutzen, um sich in den Partnerkommunen zu bewegen.

200 neue E-Bikes vor Ort, 120 sollen noch folgen

Remackel wagte eine kleine Bilanz, als 2004 alles anfing. „Schon damals war es ein Gratis-Service“, so Remackel. Doch bereits 2008 stand fest, dass man alles etwas professionalisieren musste. „Wir wussten nicht, wer ein Fahrrad genommen hat, wo es war. So kann die IT hinzu.“ Remackel lobte in diesem Zusammenhang Félix Braz als treibende Kraft. „Schnell wurden die Kontakte zu den Nachbargemeinden geknüpft“, beschreibt Remackel die Entwicklung. Und mit der Ausweitung kam auch der „E“-Aspekt hinzu. „Eine neue Komplexität. Daher hat es auch etwas länger gedauert, bis wir das passende Modell gefunden hatten. Denn das musste quasi für uns spezifisch gefunden werden.“ So musste man hoffen, dass der Prototyp auch passt. „Doch jetzt machen wir einen Qualitätssprung in Sachen Fahrrad.“ Doch das setzt auch einen entsprechenden Service voraus. „Es ist eine logistische Herausforderung für uns. Eine Zusammenarbeit mit anderen Partnern liegt daher auf der Hand“, sagte Remackel mit Blick auf eine Kooperation mit anderen CIGLs.

Der Escher Bürgermeister Georges Mischo (CSV) sprach von einem Erfolg, dessen Grundstein Braz gelegt hat, „auch wenn er von einer anderen Partei ist, so muss man solche Erfolge erwähnen“, sagte Mischo. „Auch wenn man in den Anfängen einige Räder in anderen Ländern wiedergefunden hat“, so Mischo mit einem Schmunzeln. Es sei löblich, „dass man sich hier so sportlich fortbewegen kann, was auch den Sportminister freuen müsste, was 16.000 Nutzungen alleine im Dezember 2019 belegen.“ Mischo hoffte, dass sich auch die zwei fehlenden Gemeinden noch dazu entschließen werden, dem Projekt beizutreten. „Schließlich sehen wir es auch nicht ganz so kommerziell wie andere Städte“, denn es sei auch eine Beschäftigungsmaßnahme mit Erfolg.

Drei-Gang-Shimano, 24 Zoll-Räder und GPS

„Es gehört nicht zu meinen normalen Aufgaben, bei CIGL-Aktionen immer präsent zu sein, denn dies ist nicht mein Erfolg“, sagte Kersch. „Und doch war ich sehr froh über diese Einladung“, sagte der Minister, nach dessen Ansicht nämlich eine ernste Sozialpolitik nicht möglich sei ohne eine ernste Umweltpolitik. „Und dies auch in der anderen Richtung gesehen“, dafür sei dies hier ein hervorragendes Beispiel. Seien doch hier alleine 20 Personen in der Maßnahme beschäftigt. Auch lobte Kersch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gemeinden, was dazu diene, diese „Politik auch in die Köpfe der Leute zu bekommen.“

Koordinator Carlos Breda ging dann ins Detail, wurden doch drei Modelle der Initiative vorgestellt und „für uns auf Wunsch gefertigt.“ So seien die Bikes mit 36 Volt-Batterie (Autonomie von rund 55 km), LED-Anzeige, Drei-Gang-Shimano, 24 Zoll-Rädern und GPS extrem robust, „stehen sie doch bei jedem Wetter draußen.“ In den kommenden Wochen sollen alle Bikes zur Verfügung stehen.

www.velok.lu