LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Umfragen sind zwar nur Momentaufnahmen, wie es so schön heißt, was aber nicht bedeutet, dass die betroffenen Politiker und Parteien diese nicht ernst nehmen sollten, auch wenn die Meinungsforschungsinstitute mit ihrem Blick in die Glaskugel in der Vergangenheit bekanntlich oftmals gehörig daneben lagen.  
Die jüngste „Sonndesfro“, die von TNS Ilres zwischen dem 8. und 24. Juni im Auftrag des „Luxemburger Wort“ und RTL durchgeführt wurde, dürfte jedenfalls so manchen Politiker, je nach Abschneiden seiner Partei, den Tag  versüßt oder aber arg versaut haben.
Drei zusätzliche Mandate für die DP, die sich von zwölf auf 15 Sitze verbessern würde; der Verlust eines Sitzes für den grünen Koalitionspartner, der nur noch auf acht Sitze kommen würde; und Status quo beim anderen Koalitionspartner LSAP, der seine zehn Sitze trotz leichtem Stimmenverlust behalten würde, demnach sich die Dreierkoalition dank der Partei des Premierministers von derzeit knappen 31 auf komfortable 33  Sitze verbessern würde.
Zwei Sitze verlieren würde aber auch die größte Oppositionspartei, die sich mit 19 Sitzen zufriedengeben müsste, derweil die Piraten einen ihrer zwei Sitze verlieren würden, wohingegen „déi Lénk“ einen Sitz dazu gewinnen würde und zukünftig mit drei Abgeordneten im Parlament vertreten wäre, und die adr bei ihren vier Sitzen bleiben würde. In Wirklichkeit dürfte die selbst ernannte Reformpartei aber im Superwahljahr mindestens eines Sitzes verlustig gehen, will sich der beliebteste adr-Politiker, der ewige Abgeordnete Gast Gibéryen, doch demnächst vom  Krautmarkt zurückziehen, um für den Kopf der Bewegung „Wee2050/Nee2015“, Fred Keup, Platz zu machen.
Freuen darf sich natürlich vor allem die DP, dessen Führungsrolle innerhalb der Regierungskoalition nun noch offensichtlicher wird. Xavier Bettel, der in der Corona-Krise  durch seine ruhige und besonnene Art eine gute Figur abgab, muss sich nun jedenfalls noch weniger Gedanken machen, dass irgendeiner ihn in den nächsten Jahren aus seinen Räumlichkeiten im Hotel Sankt Maximin vertreiben könnte.
In der Krise profiliert hat sich aber auch LSAP-Gesundheitsministerin Paulette Lenert, die von einem Regierungsfrischling zur Hoffnungsträgerin der Sozialisten mutiert ist.  Sollte der immer noch beliebteste Politiker des Landes, LSAP-Außenminister Jean Asselborn, bei den nächsten Wahlen im Jahre 2023 nicht mehr mit ins Rennen gehen, was bei seinem Alter von - dann - 74 Jahren ja nicht auszuschließen ist, so dürfte der sozialistische Spitzenkandidat jedenfalls jetzt schon feststehen.
Regelrecht abgestürzt ist  hingegen der grüne Koalitionspartner, der in der Krise unsichtbar war und dessen Themengebiete  derzeit keinen mehr zu interessieren scheinen, wobei „déi gréng“ ja bereits wegen der Gartenhäuschen-Affäre Federn lassen mussten.
Noch trübsinniger dürfte die Stimmung derzeit nur bei der CSV sein, der es nach dem Abgang ihrer Leitfigur Jean-Claude Juncker nach all den Jahren immer noch an einer richtigen Führungspersönlichkeit fehlt, der die Partei wieder auf den sicheren Weg, sprich in die Regierungsverantwortung bringen könnte. Wenn die CSV so weiter macht, dann wird sie, die einst als ewige Regierungspartei bekannt war, noch zur ewigen Oppositionspartei...