LUXEMBURG
LUC SPADA

Ob Du willst oder nicht. Sich raushalten ist bald ganz vorbei. In Pittsburgh in den Vereinigten Staaten von Amerika hat ein Irrer, ein Neonazi, ein Rassist, ein Judenhasser, Du kannst den Begriff frei wählen, in einer Synagoge elf Menschen erschossen. Ein Trump-Fan verschickt Paketbomben an Nicht-Trump-Fans. Ein Klima der Gewalt und des Hasses scheint mehr und mehr zur Regel zu werden. Der amerikanische Präsident demütigt öffentlich Frauen, Menschen anderer Herkunft und plant ein Gesetz durchzubringen, das theoretisch selbst seinen eigenen Kindern die amerikanische Nationalität absprechen würde. Seiner Meinung nach kann es nicht sein, dass ein von einer Ausländerin geborenes Kind in Amerika auch gleich die amerikanische Nationalität hat und somit von allen Vorzügen profitieren soll, die eine solche Nationalität scheinbar mit sich bringt. Fun Fact: Trumps Ehefrau wurde in Slowenien geboren.

Der überhaupt gar nicht rechte Politiker Joe Thein aus Petingen likete vor über einem Jahr einen Hasskommentar, in welchem dem luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn ein ähnliches Schicksal wie Kennedy in Dallas gewünscht wurde. Das war selbst der „so rechts sind wir aber auch nicht“ Partei ADR zu viel, und sie schmiss ihn raus. Das muss man erstmal schaffen.

E. erlebte einen Mann, der einem anderen Mann schwarzer Hautfarbe, mit Smartphone in der Hand, hinterherlief, und ihn mit den Worten „Hauptsache Handy“ anbrüllte, und dass er sich in seinem eigenen Land totschießen lassen soll, und was er hier in Deutschland überhaupt machen würde. Das war in der Landsberger Allee in Berlin.

Drei Stunden später saß ich in einer S-Bahn. Eine Gruppe von Menschen unterhielt sich äußerst lautstark in einer Sprache, die ich leider nicht deuten konnte. Das ist nicht weiter schlimm und ist man in Berlin nicht anders gewohnt. Neben mir können zwei Frauen es nicht fassen, dass diese Gruppe voller AusländerInnen so laut spricht und wiederholen mit deutlich aggressivem Unterton, in Dauerschleife, die Worte „Du Deutschland Du wie Affen“. Was sie damit sagen wollen, ist womöglich, dass man als Ausländer die Fresse in öffentlichen Verkehrsmitteln zu halten hat oder zurück auf seinen Baum verschwinden soll.

Hier wir, ihr dort. Das ist jetzt wieder schick. Vielen Dank an die AfD, an die ADR, an Le Pen, an Salvini, an Wilders, den amerikanischen Präsidenten und all die anderen freundlichen Demokraten, die es wieder möglich machen, dass Menschen sich wieder angestachelt fühlen, den Ausländer oder die Ausländerin als Sündenbock zu positionieren.

Leitfiguren sehen anders aus. Wir müssen wieder Vorbilder werden. Unus pro omnibus, omnes pro uno. In der S-Bahn, auf der Straße oder im Supermarkt. Filter sind ja schön und gut, aber gleich vor unserer Haustür stapeln sich die Aggressionen und Ungerechtigkeiten, denen wir mit umso mehr Empathie und Anstand begegnen müssen, sonst befürchte ich, dass die Geschichte sich tatsächlich in naher Zukunft aufs Grauenhafteste wiederholen wird.