Komm, lass uns ins ‚De Gudde Wëllen‘ gehen, dann brauen wir uns selber unseren Kaffee“, scherzt Schauspieler Max Thommes, als wir vor der verschlossenen Tür einer hauptstädtischen Brasserie stehen, wo wir uns für 10.00 verabredet haben. Luxemburg ist nicht Berlin, man muss also damit rechnen, dass viele Kneipen erst ab 11.00 ihren Kunden zu Diensten stehen. Thommes’ Bruder ist Mitbetreiber der Konzertkneipe „De Gudde Wëllen“, sodass der 27- jährige Schauspieler, der seit heute in „Mammejong“ im Kino zu sehen ist das Obergeschoss, wo sonst Bands auftreten, auch außerhalb der Öffnungszeiten kurzerhand als Interwiewraum nutzen kann.
Thommes, der den allermeisten noch als Schlagzeuger der luxemburgischen Band INBORN! In Erinnerung ist, hat als kleiner Junge schon den Weg der Schauspielerei eingeschlagen. Es müsse im Jahre 1993 gewesen sein, erinnert sich der Absolvent der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, damals habe er als kleiner Junge seine erste Sprechrolle in einer Produktion der Schankemännchen a.s.b.l. gehabt.
Synchronsprecher für Kinderfilme
Diese erste Kontaktaufnahme mit der Bühne war ausschlaggebend, dass er fortan nur noch ein Berufsziel vor Augen hatte: Die Schauspielerei. Der damalige Grundschüler war in der Folgezeit unter anderem in der „MäcBess“-Produktion des Künstlerkollektivs MASKéNADA zu sehen und als Synchronsprecher in Kinderfilmen zu hören. Nach der Grundschule besuchte er die „Section Artistique“ des Lycée technique des Arts et Métier, in seiner Freizeit besuchte er Improvisations-, Diktions- sowie Art Dramatique-Kurse bei Michèle Clees am hauptstädtischen Konservatorium. Als Gymnasiast wurde er Mitglied der Band INBORN! und inszenierte erste Kunstperformances. Nach seinem Abitur 2007 zog er nach Berlin, um Schauspiel zu studieren. 2009 verabschiedete er sich für zwei Jahre von der deutschen Hauptstadt und seinem Studium, um sich dem INBORN!-Projekt zu widmen.
„Du hast aber nie mit dem Gedanken gespielt, Musik anstatt Schauspielerei zu studieren, oder?“. „Ich war am Schlagzeug nie so fleißig wie auf der Theaterbühne“, lautet die Antwort des „Mammejong“-Hauptdarstellers. Das Theater sei ihm wichtiger gewesen als alle anderen Sachen. Seine Eltern hätten ihn bei seinem Vorhaben stets unterstützt, fügt er hinzu.
2011 kehrte Thommes nach Berlin zurück, wo er zwei Jahre später, im Oktober 2013 sein Studium abschloss.
Atelier in der deutschen Hauptstadt
Als er erfuhr, dass Jacques Molitor seinen ersten Spielfilm drehen würde, meldete sich der Wahl-Berliner fürs Casting an. Regisseur Molitor besetzte die männliche Hauptrolle mit Thommes, musste die Figur jedoch noch an seinen Hauptdarsteller anpassen. Charakterliche Gemeinsamkeiten zwischen der Figur Flëpp und Thommes gibt es keine. Die Figur sei meilenweit davon entfernt, wie er selber sei, betont Thommes. „Es war schon eine ziemlich schwierige Rolle“, erklärt er und fährt fort, dass sich keine bestimmte Szene herauskristallisiert habe, die besonders schwierig zu spielen gewesen wäre. Vor Sexszenen zum Beispiel müssten Darsteller und Regisseur vor dem Dreh über die Szene sprechen. „Du musst mit deiner Partnerin abklären, wo du sie berühren darfst und wie man sich küssen soll“, erklärt Thommes
Molitors Spielfilm soll nicht Thommes letzter Auftritt auf der großen Leinwand sein; er wolle schon weitere Filmrollen spielen, gibt er zu verstehen. In Berlin hat er ein Künstlerkollektiv gegründet, in der Stadt an der Spree befinden sich sein Atelier und ein eigenes, kleines Tonstudio. Noch in diesem Jahr möchte er mit einem Live-Performance-Projekt touren.



