LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Interpellation zur Situation des Personals im sozio-edukativen und im Gesundheitsbereich

Zwei Gesetzentwürfe (neue Regeln für elektronische Unterschriften; 61 Millionen Euro für die „Association internationale de développement“), eine erweiterte Anfrage und eine Interpellation standen auf der Tagesordnung der gestrigen Parlamentssitzung.

Impfallianz auf EU-Ebene

Aufgenommen wurde die Sitzung mit der erweiterten Frage von Marc Hansen (déi gréng) über die EU-Strategie für Covid-19-Impfstoffe, diesbezüglich Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) daran erinnerte, dass verschiedene Mitgliedstaaten hier eine Impfallianz gebildet hätten, der sich alle EU-Länder anschließen könnten. Auch gab die Ministerin an, dass Luxemburg als Ziel habe, eine Herdenimmunität von 50 bis 70 Prozent durch Impfen zu erreichen. Über den Preis und die für Luxemburg vorgesehenen Quantitäten habe sie indes  noch keine Informationen.

Personalmangel beheben

Anschließend interpellierte der CSV-Abgeordnete Marc Spautz die Regierung zur Situation des Personals im sozio-edukativen und im Gesundheitsbereich. Angefragt wurde die  Interpellation allerdings bereits Mitte Januar, also zu einem Zeitpunkt, als die Welt eine andere gewesen sei und noch keiner von Covid-19 geredet habe, wie Spautz unterstrich, der eine Aufwertung der Gesundheits- und Pflegeberufe forderte. Man müsse jetzt schauen, wie man diese Berufe attraktiver und die Ausbildung praxisnäher gestalten könne. Auch müsse darüber nachgedacht werden, hier einen Bachelor oder einen Master einzuführen, was aber nicht bedeute, dass Krankenpfleger in Zukunft zu „Mini-Doktoren“ gemacht werden sollten.
Gusty Graas (DP) zeigte sich überzeugt, dass die Gesundheitsberufe während der sanitären Krise zu Recht an Renommee gewonnen hätten und vielen Leuten erst in den letzten Wochen und Monaten inmitten der Corona-Krise deutlich geworden sei, was für eine gute und wichtige Arbeit das Personal im sozio-edukativen und im Gesundheitsbereich leisten würde. Die diesbezüglichen Berufe müssten jetzt unbedingt revalorisiert werden; es gehe hier nicht nur um Geld, sondern auch um Respekt vor der Leistung dieser Leute, so Graas, der auf den Personalmangel hinwies und für eine stärkere Sensibilisierung plädierte.

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“

Francine Closener (LSAP) zitierte ihrerseits einen Aphorismus, der dem deutschen Meisterphilosophen  Arthur Schopenhauer zugeschrieben wird, nämlich dass Gesundheit nicht alles sei, „aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Das  Luxemburger Gesundheitssystem stehe indes für Qualität und sei eines der besten weltweit, und dies unabhängig von der Brieftasche der Patienten. Den Stresstest habe man in der Covid-19-Krise bestanden, was nicht zuletzt daran deutlich werde, dass unser Land bislang in der Pandemie nur wenige Todesopfer zu beklagen habe.
Das Gute an der Pandemie sei gewesen, dass den Leuten bewusst geworden sei, wie systemrelevant die Gesundheitsberufe seien. Mit einem warmen Applaus und einer einmaligen Prämie sei es hier jedenfalls nicht getan. Die LSAP schlägt dann auch vor, direkt im Herbst Hearings mit allen betroffenen Berufsgruppen zu organisieren, deren Resultate dann in die Arbeiten des Gesundheitstischs einfließen sollen.
Marc Hansen (déi gréng) bedauerte, dass Luxemburg bei weitem nicht genügend Leute im Gesundheitswesen ausbilde, was unter anderem darauf zurückzuführen sei, dass die Ausbildung nicht mehr den Anforderungen entsprechen würde. Diese Ausbildung müsse unbedingt reformiert werden. Jeff Engelen (adr), der gestern eine Lanze für ein Militärhospital brach, stellte einen großen Mangel an Pflegepersonal in Luxemburg fest. Über 60 Prozent seien Grenzgänger, deshalb müssten die diesbezüglichen Berufe valorisiert und die Ausbildung verbessert werden.  Marc Baum (déi Lénk) erinnerte daran, dass, wenn unsere Nachbarländer zu Beginn der Corona-Krise ihre Grenzen geschlossen hätten, es zu einem Kollaps unseres Gesundheits- und Pflegesektors gekommen sei,  derweil  Sven Clement (Piraten)ebenfalls bedauerte, dass Luxemburg hier vom Ausland abhängig sei.
Gesundheitsministerin Paulette Lenert bezweifelte, dass Luxemburg es im Gesundheits- und Pflegebereich mittelfristig schaffen kann, ohne die Hilfe von Grenzgängern auszukommen, derweil Unterrichtsminister Claude Meisch (DP) darauf hinwies, dass dies Berufsbereiche seien, wo das Menschliche im Mittelpukt stehe, und das müsse auch bei Ausbildung berücksichtigt werden. der Personalmangel in diesen Berufen beschränke sich indes nicht auf Luxemburg. Der Einführung eines Bachelor für Gesundheitsberufe steht Meisch indes eher skeptisch gegenüber...