ANNETTE DUSCHINGER

Eine Reihe Fragen haben die beiden liberalen Nordabgeordneten Edy Mertens und André Bauler gestern in einer parlamentarischen Frage an die Gesundheitsministerin aufgeworfen. Sie bezogen sich auf Meldungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo immer drängender auf das Problem des Ärztemangels hingewiesen wird - zumal in ländlichen Regionen und zumal die Hausärzte betreffend. Und kürzlich wurde auch aus den Reihen der Luxemburger Hausärzte (wieder einmal) davor gewarnt, dass in ganz absehbarer Zeit ein Großteil der Allgemeinärzte pensionsreif ist und sich auch hierzulande ein gewisser Mangel an Nachwuchs abzeichnet. Und dass es bei verschiedenen Facharztsparten nicht viel besser aussieht, wissen wir spätestens seit der Publikation der Vereinigung der Medizinstudenten (ALEM) aus dem Jahr 2011.

Aus der aus Eigeninitiative der Studenten entstandenen Erhebung, die alle fünf Jahre veröffentlicht wird, geht hervor, dass in einigen Facharztrichtungen zwei Drittel der Kollegen schon über 50 Jahre sind. Wie es mit dem (luxemburgischen) medizinischen Nachwuchs aussieht, wieviele wo in der Ausbildung sind, wie man sie rechtzeitig für eine Karriere in Luxemburg richtig orientieren und auch fidelisieren kann, sind Fragen, mit denen man sich zu wenig bis gar nicht auseinandersetzt, mahnten die angehenden Mediziner damals. Gesundheits- und Hochschulministerium müssten zusammenarbeiten, Daten erheben und zur Verfügung stellen, damit aktiver auf die Studenten zugegangen werden kann.

Die Politik sah bislang keinen Anlass, sich mit dem Thema weiter zu befassen. Seit die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin auch in Luxemburg angeboten wird, nehmen diese stark zu, im Gegensatz zu den Nachbarländern kenne Luxemburg keinen Ärztemangel und bleibe attraktiv für ausländische Ärzte, hieß es dazu immer von Lydia Mutschs Vorgänger. Tatsache ist aber, dass 2020 in der EU 300.000 Ärzte fehlen werden, stellte die EU-Kommission schon vor fünf Jahren fest.

Es werden nicht unbedingt weniger Mediziner ausgebildet, aber es hat ein Mentalitätswandel und ein Genderwandel stattgefunden: Mehr Freizeit, mehr Zeit für Familie, weniger (Dienst-)Belastung und zwei Drittel des Medizinernachwuchses sind heute Frauen. Die Vereinbarkeit dieses Berufs mit einem Familienleben stellt sich verstärkt - es werden nicht nur wegen des demografischen Wandels künftig schlicht mehr Ärzte gebraucht.

In Luxemburg ist die Ärztedichte mit 2,8 Ärzten auf 1.000 Einwohner (2009) wesentlich geringer als sonst in der EU. Dass sich die Leistungsbereitschaft der derzeitigen Ärztegeneration, die das Luxemburger System noch prägt, aufrecht erhalten lässt, sollte zumindest nicht als selbstverständlich angesehen werden. Dass es weiterhin immer mehr ausländische Ärzte nach Luxemburg zieht auch nicht. Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass die anderen Länder im Wettbewerb darum, attraktiv für gute und gut ausgebildete Ärzte zu sein, schlafen. Und so kann man gespannt sein, wie die Antwort der neuen Ministerin ausfallen wird.