CARLO THELEN

Was vor zehn Jahren als „Subprime-Krise“ begann, wurde zu einer Weltfinanzkrise, Staaten mussten sich verschulden, um Banken und Branchen wie die Autoindustrie vor dem Kollaps zu retten. Heute, zehn Jahre später, setzt US-Präsident Donald Trump alles daran, die nach der Krise verschärfte Bankenregulierung wieder zu lockern. Alles hatte und hat Auswirkungen auf Luxemburg, den Finanzplatz und die Realwirtschaft.

„Sehr oft werden im Kontext der Subprime-Krise die Vorboten außen vor gelassen, insbesondere der rasante Anstieg der Ölpreise, welche von weniger als 40 Dollar pro Fass 2005 auf über 145 Dollar 2008 gestiegen sind und letztendlich den Ausschlag für die massiven Zahlungsausfälle bei den Darlehen bei vielen finanzschwachen Haushalte gegeben hat. Die Subprime-Krise ist somit ‚lediglich‘ die zweite Krise in einer ganzen Reihe aufeinanderfolgenden Krisen.

Dennoch hat erst sie zu einem gewaltigen Vertrauensverlust in die Märkte und einem hohen Maß an Risikoaversion bei Investoren und Finanzakteuren geführt. Spätestens die Unterstützung der Filialen der damaligen Fortis- und Dexia-Gruppen im September 2008, welche zu dem Zeitpunkt zusammen rund 6.000 Mitarbeiter und 200.000 Kunden zählten, hat klargestellt, dass der Luxemburger Finanzplatz von der großen Krise nicht verschont bleiben würde. Die Krise hatte allerdings nicht nur Auswirkungen auf den Finanzplatz - die negativen Effekte auf Investitionsprojekte haben sich nach und nach sektorübergreifend kumuliert - sei es in der Industrie, in der Automobilzulieferungsbranche oder im Logistiksektor. 

Die Arbeitslosenrate ist von 4,2 Prozent 2007/2008 auf 5,5 Prozent 2009 gestiegen und weist erst seit 2015 wieder einen Abwärtstrend auf. Dazu sind die Steuereinnahmen stark eingebrochen und das Haushaltsdefizit ist kontinuierlich angestiegen. Der Wirtschaftseinbruch wurde zunächst 2008 deutlich, als die luxemburgische Wirtschaftswachstumsrate von 8,4 Prozent auf -0,8 Prozent regelrecht abstürzte. 2009 hat sich die Rezession mit einem historischen Rückgang von 5,4 Prozent noch einmal intensiviert. Im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten hat sich das Großherzogtum allerdings recht schnell erholt und ein vergleichsweise hohes - wenn auch nicht der Vorkrisenzeit entsprechendes - Wachstumsniveau erzielt. Die schlechte wirtschaftliche Lage insbesondere in Südeuropa hat die Rückkehr von einer wahrhaft stabilen volkswirtschaftlichen Gesamtsituation jedoch weitgehend erschwert.

Wir blicken also auf ein Jahrzehnt großer Unsicherheiten und Zweifel zurück und müssen dafür sorgen, aus dem kommenden ein ausgeglicheneres und stabileres zu machen. Dies erfolgt keinesfalls durch eine einseitige Lockerung der Finanzmarktregulierung, die den globalen Ansatz für mehr Stabilität hinterfragt und möglicherweise Wettbewerbsverzerrungen hervorruft. Fest steht, dass die Überregulierung des Finanzsektors vor allem seitens der USA angetrieben wurde und heute überwiegend die Europäische Union trifft. Daher sollte die Schaffung eines globalen ‚Level-Playing-Fields‘ die oberste Priorität sein in dieser Hinsicht. Falls die angekündigten Änderungen am Dodd-Frank-Act kleinen und mittelständischen Unternehmen tatsächlich einen besseren Kreditzugang gewähren und kleine Banken wettbewerbsfähiger machen sollten, dürfen europäische Unternehmen und Banken nicht in eine benachteiligte Ausgangsposition gedrängt werden.

Das Regulierungspendel scheint wieder zurückzuschwingen. Historisch wäre dies keine Besonderheit. Allerdings waren die Märkte noch nie so vernetzt wie heute, und die Herausforderung besteht darin, aus der Vernetzung weiterhin neue Chancen und keine zusätzlichen globalen Risiken zu schaffen. Nur so kann eine Wiederholung des 2008er Szenarios verhindert werden.“