LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Audit im Filmsektor hatte zuletzt hohe Wellen geschlagen, nun gab es Antworten

Von Irregularitäten und Interessenkonflikten ging zuletzt die Rede: Seit Félix Eischen (CSV) das 2018 von Kommunikations- und Medienminister Xavier Bettel in Auftrag gegebene und längst fertiggestellte Audit im Filmsektor in einer parlamentarischen Anfrage thematisiert hatte, rumorte es. Opposition und Medien warteten auf Antworten, die es gestern endlich gab. Die Pressekonferenz, um einerseits den Jahresbericht des Luxemburger Film Fund und andererseits die Ergebnisse des Audits vorzustellen, sei bereits lange geplant gewesen und nicht erst aufgrund des Drucks einberufen worden, stellte Xavier Bettel gleich klar. Die Bilanz 2018 interessierte an diesem Tag kaum, vielmehr wurde mit Spannung darauf gewartet, was es denn nun mit den angeblichen Missständen im Filmsektor auf sich hat. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Anscheinend weniger als angenommen.

Xavier Bettel: „Die Analyse ist positiv ausgefallen“

„Ich stehe hinter dem Filmsektor, er ist von großem Wert für unser Land. Das geht weit über die wirtschaftliche Dimension hinaus“, betonte Bettel, um dann noch einmal zu erklären, wie es überhaupt zum Audit gekommen sei. Vor anderthalb Jahren sei er mit der Forderung des Sektors nach einer Erhöhung des Budgets konfrontiert worden. „Dieser Diskussion wollte ich mich nicht verschließen, allerdings war ich der Meinung, dass zuerst eine Analyse über die Funktionsweise des Sektors sowie des Film Fund gemacht werden sollte“, erklärte er. Die Resultate hätte er vor einem Jahr bekommen und sie auch gleich an den Kammerpräsidenten sowie Sektor weitergegeben. „Die Analyse ist positiv ausgefallen. Dennoch drängen sich Anpassungen auf“, so Bettel. Mit der Ausarbeitung von Empfehlungen sei ebenfalls „Value Associates“ beauftragt worden. Im Mai 2019 habe er mitgeteilt, dass das Budget erhöht werde, wenn im Gegenzug die Empfehlungen umgesetzt würden.

Michèle Bram, Präsidentin des Verwaltungsrats, rief das neue Gesetz von 2014 in Erinnerung, das zu Änderungen im Beihilfesystem geführt habe. Seither gibt es innerhalb des Filmfonds drei zuständige Organe: Einen Verwaltungsrat, eine Verwaltung, die von Guy Daleiden geleitet wird, und ein „Comité de sélection“, das die eingereichten Projekte beurteilt und die Beihilfen vergibt. Als dieses neue Beihilfesystem in Kraft trat, hätte man sich neue Regeln geben müssen. „Wir hatten keine Erfahrungswerte, trotzdem mussten wir gewährleisten, dass das Geld aus dem großen Topf gerecht verteilt wird. Dass es nach vier Jahren Verbesserungsmöglichkeiten gibt, wie im Audit empfohlen, ist normal. Aber: Es wurden keine großen Mängel am Regelwerk festgestellt, vielmehr wurde deutlich, dass die drei Organe gut aufgestellt sind“, informierte Bram, die dann auch noch einmal klarstellte, dass es sich nicht um ein finanzielles Audit handele. Der Film Fund werde ohnehin jedes Jahr von einem Revisor überprüft.

„Wir wurden damit beauftragt, die aktuellen Prozeduren zu untersuchen, um herauszufinden, ob sie richtig angewendet werden, welches die wirtschaftlichen Auswirkungen sind und ob Verbesserungsbedarf besteht“, erklärte daraufhin Manuel Baldauff von „Values Associates“. Manches sei in den letzten Wochen aus dem Kontext gerissen worden, global gesehen, sei nämlich alles gut. Es hätte nichts „Gravierendes“ festgestellt werden können. „Der ganze Apparat funktioniert gut, dies mit Leuten, die ihre Arbeit seriös und gewissenhaft machen“, hielt er fest, „ein paar Empfehlungen haben wir trotzdem formuliert. Ein System, das sich über Jahre entwickelt, weist irgendwann Verbesserungsmöglichkeiten auf“.

Sektor ohne große Gewinne

„Die europäische Filmproduktion ist schwierig, sie erwirtschaftet nicht wie in Amerika große Gewinne. Das ist nicht nur in Luxemburg der Fall. Was wir aber in der Tat etwas kritisiert haben, ist diese ,production pour le tiroir‘, Filme, die es also nie auf die Leinwand schaffen. Um diese Zahl drastisch zu reduzieren, haben wir Maßnahmen mit dem Sektor ausgearbeitet“, fuhr Baldauff fort. Der Qualitätsanspruch müsse bei der Bewertung der Projekte im „Comité de sélection“ nach oben geschraubt werden. Ob eine geplante Produktion Vertriebspotenzial hat, müsse gezielter beurteilt werden, listete der Experte auf. „Natürlich war das immer schon ein Kriterium, es soll aber jetzt bei der Bewertung noch mehr darauf gepocht werden. Die Kriterien sind nicht neu, wurden aber nun anders gewichtet. Zur Erinnerung, wir bewerten auf Basis wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Kriterien, so wie dies im Gesetz vorgeschrieben ist“, meinte dazu Guy Daleiden, der dem Auswahlkomitee ebenfalls angehört.

Gute Bewertung für das aktuelle Beihilfesystem

An einem weiteren Punkt habe man sich während der Prüfung gestört, wie Baldauff erklärte: „Letztes Jahr waren gleich am Anfang viele gute Projekte beim Auswahlkomitee eingegangen, sodass gleich ein nicht unerheblicher Teil des Budgets aufgebraucht war. Dementsprechend weniger Geld war am Ende des Jahres übrig. Diesbezüglich wurde ein Mechanismus vorgeschlagen, der eine gewisse Reserve ermöglicht. So wird verhindert, dass die Leute, die zu Jahresbeginn ihre Projekte präsentieren, besser wegkommen“. Insgesamt stellten die Experten von „Value Associates“ dem aktuellen System jedoch eine gute Bewertung aus.

Am Ende der Pressekonferenz ging es dann trotzdem noch einmal konkreter um die staatliche Unterstützung der Filmindustrie in Millionenhöhe, die dennoch keine hohen Gewinne erzielt. Mehr noch: Es werden immer mehr luxemburgische Filme produziert, die aber von immer weniger Kinobesuchern gesehen werden. „Unser Markt ist begrenzt. Man kann nicht erwarten, dass jeder Film von einer Million Leuten gesehen wird. Trotzdem: Es ist keine Ausgabe, es ist eine Investition“, stellte Bettel klar.

Ohne staatliche Investition, keine Filmproduktion

Daleiden seinerseits merkte an, dass das neue Beihilfesystem durchaus Früchte trage. Immerhin nehme es einige Jahre in Anspruch, einen Film fertigzustellen. „Die Produktionen, die 2014, 2015 oder 2016 durch eine Beihilfe unterstützt wurden, kommen jetzt auf den Markt. Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, beweisen die vielen Festivals, in deren Selektionen sie laufen, und die Preise, die wir zuletzt bekommen haben. Nie zuvor wurden so viele luxemburgische Filme weltweit verkauft“, freute er sich. „Trotzdem darf man nicht vergessen, dass wir immer noch vom europäischen Kino reden und von dem Markt, den wir in Luxemburg haben. Da ist es sehr schwer, Geld zu verdienen“.

„Warum aber gibt es einen Film Fund? Damit eine Luxemburger Filmproduktion überhaupt möglich ist“, betonte der Filmfonds-Direktor. „Ohne die Investition des Staates hätten wir keine Filmproduktion, niemand könnte überleben. Genauso ist es in ganz Europa. Vor 30 Jahren wurde unter Jacques Santer entschieden, in den Sektor zu investieren, ihn aufzubauen. Jetzt haben wir einen professionellen Sektor. Dass nicht jeder Film ein Erfolg wird, liegt auf der Hand“, fügte Daleiden hinzu. Diesen Worten schloss sich auch Medien- und Kommunikationsminister Bettel an: „Wenn wir nur Filme unterstützen würden, die finanziell etwas einbringen, dann gäbe es keine. Das darf nicht das einzige Kriterium sein. Wir brauchen nicht nur ein populäres, sondern auch ein kritisches Kino“.

Auf den Jahresbericht des Film Fund kommen wir in einem nächsten Artikel zu sprechen.