WALFERDINGEN
SIMONE MOLITOR

„Dis-Play“ im CAW: Zwei junge Künstler im Dialog mit Werken von Roger Bertemes

Roger Bertemes (1927-2006) kennt man natürlich. Er zählt zu den wichtigsten nicht gegenständlichen Malern Luxemburgs. Grafiken, Radierungen, Aquarelle, Acryl- und Ölbilder gehören ebenso zu seiner künstlerischen Hinterlassenschaft wie Tuschezeichnungen, Collagen und Zeichnungen. In der Galerie „CAW“ in Walferdingen werden ab dem 9. Februar teils Werke des Künstlers gezeigt, die bislang noch nie zu sehen waren, dies in einer neuen Perspektive und im Dialog mit Arbeiten anderer Künstler.

Keine klassische Ausstellung

Wer das Konzept kennt, das sich hinter dem Namen CAW verbirgt - übrigens abgeleitet von „Culture@Walfer“ - weiß, dass er keine klassische Ausstellung erwarten kann. Oder muss, nicht umsonst versteht sich die Galerie nämlich gleichzeitig als Begegnungsort und Workshopstätte. Kunstvermittlung an die Jüngsten - Stichwort Kids‘ CAW - spielt eine große Rolle. Doch in erster Linie will die Gemeinde mit dieser relativ neuen Galerie jungen Künstlern die Möglichkeit bieten, sich einem Publikum zu zeigen. Die jungen Künstler sind in diesem Fall Aude Legrand und Eric Schumacher, die ihre Kunst in der neuen Expo „Dis-Play“ im Zusammenspiel mit Roger Bertemes‘ bisher noch recht unbekannten bemalten Stofftüchern unter dem Titel „Hommage à mon père“ zeigen. Sein Vater war nämlich Schneider. Verantwortlich für das Konzept und die Zusammenstellung ist Kuratorin Stilbé Schroeder, die sich selbst indes eher als Impulsgeberin sieht.

Wie bereits bei den beiden ersten Ausstellungen im CAW war auch diesmal ein Künstler, der in der Luxemburger Kunstszene ein gewisses Renommee hat, Ausgangspunkt der Ausstellung. Aufgabe der eingeladenen Kuratorin war es dann, sich mit Roger Bertemes‘ Werk auseinanderzusetzen und weitere junge Künstler auszuwählen, die im Dialog zu eben diesen Kunstobjekten etwas Eigenes kreieren sollten. „Ich sehe mich weniger als Kuratorin, als vielmehr diejenige, die die Initiative ergriffen und etwas ins Rollen gebracht hat. Im Endeffekt haben wir aber zu dritt organisch hier alles auf die Beine gestellt“, bemerkt Stilbé Schroeder bei unserer Ausstellungsbesichtigung. Noch fehlt der letzte Feinschliff, hier und da sind noch ein paar letzte Handgriffe der Künstler sowie ein paar kritische Blicke der Kuratorin nötig, um den richtigen Rhythmus zu finden, doch der Großteil des Aufbaus ist zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung soweit erledigt.

Roger Bertemes im zeitgenössischen Kontext

„Wie kann man heute in einem zeitgenössischen Kontext Werke eines Künstlers zeigen, der nicht mehr da ist und der folglich auch in einer anderen Zeit gemalt hat? Das war eine der Ausgangsfragen, mit denen ich mich beschäftigt habe“, erklärt Stilbé Schroeder. Die sehr unkonventionelle aber zugleich zeitgenössische Hängung bot einen guten Lösungsansatz. Noch dazu verschmelzen in der Expo Grenzen, nicht umsonst wurde der Ausstellungstitel „Dis-Play“ gewählt, der ja gleichzeitig ein Wortspiel ist. „Mir war es wichtig, die Rollenverteilung etwas aufzubrechen, mit den Hierarchien zu spielen und mich mit der Frage zu beschäftigen, wann Kunst Kunst ist“, schildert sie. Und hier kommt Künstler Eric Schumacher ins Spiel. Für den skulpturalen Charakter der Ausstellung und die Art und Weise, wie Bertemes‘ Kunst auf Stoff gezeigt wird, zeichnet er verantwortlich. Das heißt, er hat die Sockel erschaffen und die speziell an den Ausstellungsort angepassten Rahmen, die teils großformatig mitten im Raum stehen, kreiert, an denen Bertemes‘ bemalte Tücher aufgehängt wurden. Sie in einen richtigen Rahmen zu spannen und an die Wand zu hängen, wäre für die Kuratorin nicht in Frage gekommen.

„Eric macht die Verbindung zu Bertemes‘ Malerei über das Skulpturale, während Aude sie eher mit der Materialität verbindet“, erklärt Schroeder weiter. „Sie ist ein bisschen wie eine Alchimistin, die sich mit dem Zusammenspiel von Materie und Flüssigkeit beschäftigt“, fügt sie hinzu. In der Tat kann man in verschiedenen Werken von Aude Legrand beobachten, wie sich beide Komponenten im Zusammenspiel zueinander verhalten. Den Rahmen sprengt die neue Ausstellung jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes.

Vom 9. Februar bis zum 15. April, mittwochs bis freitags von 15.00-19.00 sowie samstags und sonntags von 14.00-18.00. Informationen zum Rahmenprogramm und den „Ateliers Kids ACW“ unter www.caw-walfer.lu