PATRICK WELTER

Corona und sonst nix? Leider nicht. Die Viruskrise lassen wir mal (fast) außen vor. Eines sollte man erwähnen: Nach internationaler Expertenmeinung hat ausgerechnet Bibi Netanjahus geschäftsführende Regierung in Israel den Virus am besten im Griff. Dank einer frühzeitigen Abschottung.

Ansonsten sind die nahöstlichen Krisenherde in den Nachrichten weit nach hinten gerückt. Immerhin hat die pro-saudische Koalition im Jemen die Kampfhandlungen wegen des Virus eingestellt - kontrollieren kann das aber niemand.

Aus dem belagerten Idlib in Syrien kommen Nachrichten, dass man sich dort als allerletztes Sorgen um einen blöden Virus macht. Für Assad und Putin ist es ein angenehmer Nebeneffekt der weltweiten Krise, dass es niemanden interessiert wo gerade mal wieder Fassbomben auf Zivilisten fallen.

Furchtbar wird es werden, wenn sich der Virus - um den man nicht herumkommt - in Syrien, dem Irak oder in den Flüchtlingslagern im Libanon, Jordanien oder der Türkei ausbreitet.

Zweitrangig ist der Corona-Virus auch weiter westlich. Der Bürgerkrieg in Libyen tobt fröhlich vor sich hin, obwohl beide Seiten Quarantäne angeordnet haben. Wie in Syrien wird dort unbeobachtet, aber um so heftiger gekämpft. Das Berliner Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien war das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde - was niemanden überrascht haben dürfte. Warum soll sich Rebellenführer General Haftar, der auf der Siegesstraße unterwegs ist, mit einer zwar international anerkannten aber schwächlichen Regierung einigen?

Der „Spiegel“ nannte diesen Konflikt schon vor Wochen einen „kaum verhüllten Weltkrieg“. Hinter der Regierung Sarraj stehen die Türkei und Katar, hinter General Haftar die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Russland und Ägypten. Sie stehen nicht nur, sie greifen auch ein. Söldner aus Syrien kämpfen auf beiden Seiten, hier von Russland und dort von der Türkei bezahlt. Auch EU-Länder mischen mit: Italien kungelt mit Sarraj, Frankreich unterstützt Haftar.

Dabei will die EU doch mit der Marineoperation „Irini“ (Frieden) das UN-Waffenembargo gegen Libyen durchsetzen. Das ging schon mal schief: Die Operation „Sophia“, an der auch Luxemburg mit einem Seeaufklärer beteiligt war, sollte den Waffentransport nach Libyen unterbinden und beschäftigte sich stattdessen bald nur noch mit der Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen - was dem Marine-Einsatz ein Ende machte. Die neuen europäischen Seestreitkräfte stehen jetzt vor der Quadratur des Kreises. Sie sollen Waffenfrachter aufbringen und einen ganz großen Bogen um Flüchtlingsboote machen. Nur blöd, dass allein die Regierung Sarraj auf Seelieferungen von schweren Waffen angewiesen. Haftar hat eine gemeinsame Grenze mit seinem Buddy Ägypten. Die europäische Blamage ist unabwendbar.

Einen sollten wir in unserer kurzen Aufzählung jenseits von Corona nicht vergessen - Raketen-Kim. Kim Jong-Un nutzt die mangelnde Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, um mal wieder mit Raketen herumzuballern. Um Corona muss er sich keine Sorgen machen, vorsorglich haben die Kims das Land schon lange in ein abgeschottetes KZ verwandelt.