LUXEMBURG
STEFAN RASKOP

Für KrankenpflegerInnen ist dieser 12. Mai 2020 ein ganz besonderer Tag. Nicht nur wird an diesem Tag der 200. Geburtstag von Florence Nightingale gefeiert, die als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege gilt, sondern die Weltgesundheitsorganisation hat das Jahr 2020 auch als Internationales Jahr der Krankenpfleger und Hebammen ausgelobt. Wie es um den Krankenpflegerberuf in Luxemburg steht, erklärt Stefan Raskop, Mitglied der „Association Nationale des Infirmières et Infirmiers du Luxembourg“.

„Der ‚International Nurses Day‘ ist für uns jedes Jahr sehr wichtig. In den vergangenen Wochen haben die Pflegekräfte große Verbundenheit im Kampf gegen Covid-19 gezeigt. An diesem Tag geht es darum, dies auch in der Öffentlichkeit und über die Grenzen hinaus zu zeigen. Die ANIL setzt dabei auch auf die Kommunikation über die sozialen Netzwerke, über die wir zum Beispiel über aktuelle Entwicklungen des Berufes in Luxemburg und im Ausland berichten.

Durch diese Krise werden die Probleme, welche wir seit Jahren ansprechen für die Politik und Gesellschaft erfahrbar. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viele gute Gespräche mit Politik und Ministerien geführt und sind ganz zuversichtlich, dass wir unsere Zusammenarbeit in Zukunft weiter vertiefen können. Es stimmt, dass die Gesundheitsberufe selten so im öffentlichen Interesse standen. Trotzdem finden wir, die Botschaft sollte über ein: ‚Gut, dass es euch gibt!‘ hinausgehen. Es ist zwar nett, wenn vom Balkon aus geklatscht oder mit Sirene um das Krankenhaus gefahren wird, langfristig wünschen sich die Pflegekräfte in Luxemburg aber etwas anderes! Viel mehr gesellschaftliches Verständnis nämlich, dass man sich die Frage stellt: ‚Wir haben gemerkt, dass wir die Krankenpflege brauchen. Was können wir tun, damit ihr auch in Zukunft für uns da seid?‘ Und das geht weit über das Finanzielle hinaus. Natürlich hätten Pflegende sowie viele andere Berufe für ihren Einsatz während der Krise eine Prämie verdient, aber eine solche riskiert auch von wesentlichen Fragen abzulenken, wie dem stärkeren Mitspracherecht, das wir uns im Gesundheitssystem wünschen, oder aber die Nachwuchsprobleme im Beruf.

Zwar ist zu hoffen, dass das neuerliche Image der Pflegekräfte als ‚Helden der Krise‘ mehr junge Menschen für den Beruf begeistert, aber es müssen dann auch die benötigten Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen und vor allem muss es bessere Karrierechancen geben.

Es ist jetzt der richtige Moment, um darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft unsere Gesundheitsberufe noch besser spezialisieren und ausbilden um bei der nächsten Krise gewappnet zu sein. Die Ausbildung muss meiner Meinung nach viel näher an der Praxis sein. Der Fokus sollte auf der optimalen Versorgung und Behandlung liegen und viel weniger auf allgemeinen Schulthemen. ‚Pflegeprofis‘ von morgen müssen sich zudem spezialisieren können um ihre Stärken besser einsetzen zu können. Die Pflege wird oft als Hilfsberuf des Arztes gesehen. Dabei besteht der Großteil unserer Arbeit aus Handlungen ohne Arztverordnung und diese selbstständige Rolle müsste sich ebenfalls in der Gesetzgebung wiederspiegeln. Mittlerweile hat sich sogar eine Interessengemeinschaft aus etwa 500 luxemburgischen Pflegeschülern gebildet, welche sich zusammen mit der ANIL für die Einführung eines Bachelor-Abschlusses einsetzen möchte. Ich hoffe, dass wir bei diesem Thema bald Fortschritte machen werden.“