LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Konzept zur Umgestaltung der historischen Hauptpost offiziell vorgestellt

Man kann es sich kaum vorstellen. Aus dieser improvisierten Fahrzeughalle soll in wenigen Jahren ein lichtdurchfluteter Innenhof mit einem Glasdach wie aus der Belle Epoque werden? Kaum vorstellbar. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man aber, dass dieser Raum mal anders gedacht war: Architektonische Schmuckformen, die Reste von Arkaden, abgeschnittene Bögen. Doch, das hier war mal ein Hof und sicherlich kein hässlicher.

Lëtzebuerger Journal

Die Post Luxemburg und die Stadt Luxemburg haben sich diesen Ort wohl mit Bedacht für eine Pressekonferenz ausgesucht, um die Zukunft für das Postgebäude an der rue Aldringen vorzustellen. Nicht nur aus den bekannten Corona-Gründen, weil man hier prima Abstand halten kann, sondern weil jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Architektur und Bauen hat, begreift, was es für eine Herausforderung sein wird, das Postgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen.

Das 1910 gebaute Postgebäude ist keineswegs marode, eher das Gegenteil stellt ein Problem dar. Es ist immer noch gut in Schuss, dazu in Stahlbeton gebaut und – hier beginnt das Problem – es steckt voller Technik. Claude Strasser, der Generaldirektor der Post sprach gestern davon, dass es allein 18 Monate dauern wird, alle post-technischen Einrichtungen aus dem Gebäude auszubauen oder schlicht herauszureißen. Immerhin waren hier mal das Telegrafenamt und die automatische Telefonvermittlung untergebracht. Niemand hat gestern eine Zahl genannt, aber es dürften Dutzende, wenn nicht hunderte Kilometer an Kabeln in dieser ehemaligen Hauptpost liegen.

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Internationale Partner

Nach zweijähriger Diskussion stellten Strasser und Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer gestern das Konzept für das denkmalgeschützte Postgebäude vor. Nicht nur das. Mit der französischen ARTEA-Gruppe wurde  auch gleich der Partner für die Konzeption und Umgestaltung vorgestellt. POST und ARTEA übernehmen gemeinsam den Umbau, ARTEA wird die Vermarktung des Komplexes übernehmen.

Das Grundkonzept wurde von der Interior-Designerin Geraldine Dohogne (London) entwickelt, die weltweit – zuletzt in Vietnam -  aktiv ist und im belgischen Gent auch den Gebäudekomplex „1898 The Post“ gestaltet hat. Die Bauausführung liegt in Händen des Architekturbüros Romain Schmiz, das auch das neue Hauptpostgebäude in der rue Mercier geplant hat.

Alle Beteiligten, auch Philippe Baudry, Chef von ARTERA und Geraldine Dohogne nannten als oberstes Ziel, den historisch-kulturellen Geist des Gebäudes zu erhalten.

Ein offenes Haus

Unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz werden zunächst die Nachkriegsänderungen entfernt und der große Innenhof wieder freigelegt. Das Stichwort, das mehrfach fiel war: „Offenes Gebäude“. Der wiedererstandene Innenhof wird zu einem Drittel als Freilufthof konzipiert, der andere Teil von einem großen Glasdach im Stil eines großen Gewächshauses überspannt werden. Hier wird Platz für ein Restaurant, eine Bar und/oder eine Lounge sein. Das Erdgeschoss der „Post“ soll – neben einer Hotellobby - Gastronomie, persönliche Dienstleistungen und Handel vorbehalten sein. Ein Platz für Bürger, Geschäftsreisende und Touristen. Das Ganze wird den Charakter eines „Forums“ haben.

Im ersten und zweiten Obergeschoss des historischen Postgebäudes soll ein „Lifestyle“-Hotel einziehen. Das darüber liegende Stockwerk, im westlichen Flügel schon zum Dachgeschoss gehörend, wird zu einem „Co-working-space“ ausgebaut. Das Hotel soll 75 Prozent der Fläche einnehmen, ein Betreiber wurde noch nicht ausgewählt.

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Für Bürgermeisterin Lydie Polfer hat der Standort für ein Hotel nur Vorteile. Mitten in der Stadt gelegen, dank der Tiefgarage unter dem Royal Hamilius unmittelbar mit dem Auto zu erreichen und durch die Trambahn perfekt innerstädtisch vernetzt. Auf Nachfrage betonte die Bürgermeisterin, dass auf dem Verwaltungsweg eigentlich nur noch technische Fragen geklärt werden müssten.

Die Kosten für die Umgestaltung des Postgebäudes – ohne Hotelausbau – belaufen sich laut Post-Direktor Claude Strasser nach aktuellem Stand  auf 51 Millionen Euro.