LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: eine besondere Liebesgeschichte und ein spannender Krimi

Vielleicht liegt es am Coronavirus, dass in letzter Zeit etliche deutsche Filme den Weg in luxemburgische Kinos fanden, da die Amis ihre Blockbuster zurückhalten. In verschiedenen Regionalkinos läuft derzeit  „Undine“ von Christian Petzold („Yella“, „Transit“) und „Freies Land“ von Christian Alvart („Antikörper“) ist kürzlich gestartet.

Ein Mythos

Der Mythologie nach ist Undine ein weiblicher Wassergeist, der erst eine Seele bekommt, wenn die Ehe mit einem Menschen geschlossen ist. Bis dahin kann sie den Männern den Tod bringen. Leider hat Regisseur Petzold vergessen, diese Erklärungen in seinen Film einzubauen. So tut man sich schwer, die Anspielungen auf diese Legende zu verstehen, außer man kennt sie oder hat zuvor gegoogelt. Paula Beer („Bad Banks“) gewann für die Titelrolle bei der letzten Berlinale den Preis der besten Schauspielerin, und der Film wurde mit dem FIPRESCI-Preis belohnt. Undine ist eine besitzergreifende Frau, die als Museumsführerin in Berlin arbeitet. Ihre schlechte Charaktereigenschaft erkennt man im Gespräch mit ihrem Freund Johannes (Jacob Matschenz), der sich von ihr trennen will. Sie droht ihm, ihn zu töten, sollte er dies tun. Etwas später sucht sie nach ihm in einem Café und begegnet dem Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski). Durch einen Unfall kommen beide sich direkt sehr nahe. Und es scheint, als hätte sie nach dem ersten Kuss Johannes vergessen.
Wasser übt eine Faszination auf Undine aus, und wenn man diese mythische Figur nicht kennt, verwirrt diese Andeutung. In derselben Perspektive irritieren auch die langen Szenen ihrer Führungen durch die Ausstellung von der Stadtentwicklung von Berlin, da stets das Wasser ins Spiel gebracht wird, wie auch im Beruf von Christoph. Zu viel Symbolismus ist nicht unbedingt jedermanns Sache, und schon gar nicht, wenn die Anspielungen nicht geklärt sind, weil die nötigen Informationen fehlen. Somit bleibt das intensive Spiel von Paula Beer, die schon als Jana Liekam in „Bad Banks“ überzeugen konnte. Die Unterwasserszenen bieten ein paar interessante Situationen, wie die Begegnung mit dem Wels Gunther, ein außergewöhnlich intensiver Moment.

Die Zeit nach der DDR

Die Mauer ist vor Kurzem gefallen. Doch die Lebensqualität in den Städten der Ex-DDR liegt noch weit hinter den Standards des Westens. In Löwitz sind zwei Mädchen verschwunden. Der westliche Kommissar Patrick Stein (Trystan Pütter) soll mit seinem Kollegen aus dem Osten Markus Bach (Felix Kramer) die zwei Schwestern finden. Erst einmal hat Stein einen Unfall. Dann soll er mit Bach in einem Zimmer schlafen und zudem verläuft ihre erste Begegnung nicht ganz kollegial. Die Eltern der verschwundenen Teenagerinnen sind wortkarg und alles andere als hilfsbereit, wie ebenfalls die Schulkameradinnen der beiden. Bach, der wie es sich herausstellen wird, ein Stasi-Mitarbeiter war, hat andere Methoden als sein Kollege. Er hat auf seinem Terrain damit auch Erfolg. Eine Spur führt nach Berlin, wo sich die beiden Schwestern abgesetzt haben sollen. Als die beiden schließlich ermordet und vergewaltigt aufgefunden werden, tun sich noch mehr Fragen auf.
Der Film ist das Remake des spanischen Thrillers „La isla minima“ von Alberto Rodríguez, der 2015 bei uns im Kino zu sehen war. Interessant ist die Atmosphäre, die etwas an die Films Noirs erinnert, die auch die Kluft zwischen Ost und West zeigt, unter anderem in Form einer Protestaktion von Fabrikarbeitern gegen den neuen Chef aus dem Westen. Der Luxemburger Marc Limpach spielt hier den Journalisten Kalle Möller. Des Weiteren hätten ein paar Kürzungen in den 129 Minuten Laufzeit der Spannung gutgetan. Dennoch ist „Freies Land“, was die DDR nach der Wiedervereinigung wurde, ein sehenswerter Film.