LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: „Richard Jewell“ von Clint Eastwood basiert auf einem Attentat von 1996

Altmeister Clint Eastwood - im Mai wird er 90 Jahre alt - scheint sich auf die Verfilmung von Attentaten spezialisiert zu haben. 2018 verfilmte er unter dem Titel „The 15:17 to Paris“ ein Attentat aus dem Jahr 2015, das im Thalys von Amsterdam nach Paris verhindert wurde. Letztes Jahr inspirierte er sich an einem Bombenanschlag vom 27. Juli 1996 während der Olympischen Spiele in Atlanta. Aus einem anfänglichen Helden, dem Sicherheitsbeamten Richard Jewell, wird schließlich der Hauptverdächtige. Eastwoods Film „Richard Jewell“ basiert auf dem Artikel von Marie Brenner „American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell“, der 1997 in der Zeitschrift „Vanity Fair“ veröffentlicht wurde, sowie auf dem Buch „The Suspect“ von Kent Alexander und Kevin Salwen.

Zuerst ein Held

1986 arbeitet Richard Jewell (Paul Walter Hauser) als Laufbursche in einer Anwaltskanzlei. Hier freundet er sich mit dem Anwalt Watson Bryant (Sam Rockwell) an, der einzige der den übergewichtigen Mann respektiert. Jewell möchte Polizist werden. Zuerst wird er jedoch Sicherheitsbeamte an einem College. Da er seinen Beruf und die Vorschriften sehr genau nimmt, wird er gefeuert, als er ein paar betrunkene Schüler abmahnt. Eine Zeitlang ist er auch Polizist, bevor er 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta im Centennial Park als Sicherheitsbeamter angestellt wird. Er wohnt noch immer bei seiner Mutter Bobi (Kathy Bates).

Eines Abends entdeckt er einen verdächtigen Rucksack, in dem sich eine Bombe befindet. Noch bevor die Polizei und die Sicherheitsbeamten den Platz räumen können, explodiert die Bombe. Zwei Menschen sterben und mehr als hundert werden verletzt. Da Jewell die Bombe entdeckte und durch seinen Einsatz vielen Menschen das Leben rettete, wird er schnell in den Medien als Held gefeiert. Durch vage Aussagen von unter anderem dem Direktor des Colleges (Charles Green) und der Tatsache, dass Jewell als Polizist entlassen wurde, vermutet FBI-Agent Tom Shaw (Jon Hamm), er könnte das Attentat selbst verübt haben, um ins Rampenlicht zu gelangen. Die mit unlauteren Mitteln arbeitende Journalistin Kathy Scruggs (Olivia Wilde) bearbeitet den Agenten mit ihrem Sexappeal und bekommt die streng vertrauliche Information über den Verdacht gegen Jewell. Schnell wird dies zum Scoop, und Jewells Ruhm schwindet. Er ruft Bryant zu Hilfe, den einzigen Anwalt, den er kennt.

Spannend und sarkastisch

Eastwood weiß genau, wie man Spannung aufbaut. In den Momenten vor der Explosion, durchstreift die Kamera von Yves Bélanger die Menge vor einer Konzertbühne. Bei dem Auftritt von Kenny Rogers ist zwei Tage zuvor alles in bester Ordnung. Am Tag des Attentats selbst tanzen die Menschen „Macarena“ und hören „Jack Mack and the Heart Attack“ zu. Dann entdeckt Jewell ein paar Trunkenbolde und lässt sie durch die Polizei des Parks verweisen. Unter einer Bank liegt ein herrenloser Rucksack. Ein Polizist inspiziert den gefundenen Rucksack und kurz darauf detoniert die Rohrbombe. Auch die Szenen danach sind extrem spannend aufgebaut. Eastwood baut ebenfalls einen Anruf des Attentäters bei der Polizei ein.

Schließlich ändert sich die Mimik von Jewell, weil er verdächtigt wird. Paul Walter Hauser spielte unter anderem in „I, Tonya“ und „BlacKkKlansman“. Er ist einzigartig in der Rolle des Helden, der zum Hauptverdächtigen wird. Mal ist er recht clever, dann lässt er sich wie ein kleines Kind auf die dümmste Art und Weise vom FBI reinlegen. Oscargewinner Sam Rockwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) spielt eine gerissenen Kerl, der vor Sarkasmus strotzt, wenn es darum geht, dem FBI seine Fehler vorzuwerfen. Am Ende weiß jedenfalls der Zuschauer, dass die vermeintlichen Freunde und Helfer eine kaltschnäuzige Bande sind, denen es egal ist, wer am Ende im Knast sitzt, der wahre Verbrecher oder ein Unschuldiger. „Richard Jewell“ sollte man sich daher ansehen.