LUXEMBURG
MARCO MENG

Neues „Wood Cluster“ als Baustein der Kreislaufwirtschaft

Das siebte „Cluster“ ist da. In den hauptstädtischen Rotendes fiel gestern der Startschuss für das „Wood Cluster“, das unter dem Dach von Luxinnovation angesiedelt sein wird. Das Cluster dient als Interessengemeinschaft, aber auch zur Förderung des Holzsektors im Land. Darunter fallen neben der Forstwirtschaft zum Beispiel verarbeitende Branchen wie Industrie oder Bauwirtschaft.

„Der Start des Clusters steht unter einem guten Stern“, wie Umwelt-Staatssekretär Camille Gira sagte. Denn erst in den letzten Wochen erhielt Luxemburg zwei Auszeichnungen, die sich auf die Holzwirtschaft beziehen: So wurde das neue Holzgebäude des Forstamts in Diekirch als Vorzeigebau ausgezeichnet, und die Forstverwaltung des Landes erhielt den Heinrich-Cotta-Preis „Wald mit Zukunft“ von der deutschen „Interessengemeinschaft Zugpferde“ (IGZ) für den umweltschonenden Einsatz eben von Pferden in der Forstwirtschaft.

„Grüne Lunge“ und noch viel mehr

Heute sind mit etwa 90.000 Hektar an Fläche rund 35 Prozent des Landes von Wald bedeckt, 25 Prozent sind Qualitätsholz, 50 Prozent werden von der Industrie genutzt und 25 Prozent zur Energiegewinnung. Während die Prozentzahl bei erster Kategorie sinkt, steigt sie in der dritten, was Gira als ungesunde Entwicklung bezeichnet.

Von den 800.000 Kubikmetern Holz werden allerdings bislang nur 500.000 Kubikmetern genutzt. Die Holzwertschöpfungskette in Luxemburg existiert schon lange, wie Gira betonte und auf die ökologischen und sozialen Aspekte der Holzwirtschaft hinwies. Wald baut nicht nur Kohlendioxyd ab oder filtere Straub und Dieselruß, produziere Sauerstoff oder speichere Trinkwasser: Der Begriff „Nachhaltigkeit“ komme aus der Forstwirtschaft, so Gira, denn kaum ein Material sei so sehr für eine Kreislaufwirtschaft geeignet wie Holz.

Darum hoffe er, dass in naher Zukunft Häuser vor allem in Holzbauweise errichtet würden, die später wie im Lego-Prinzip rückgebaut und dann zum Beispiel für die Energiegewinnung verwendet werden könnten. Anlehnend an ein ehemaliges UNO-Oberhaupt erinnerte Gira daran, dass auch die Steinzeit nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen war, sondern durch Innovation. „Die, die schnell aus den fossilen Brennstoffen raus sind, werden später Vorreiter sein“, so sieht es der Staatssekretär.

Gira verwies darauf, dass derzeit Europa agiere wie man es sonst von einem Dritte-Welt-Land kenne, indem es sehr viel unverarbeitetes Qualitätsholz nach China exportiert. Dort finde die Verarbeitung statt, und Europa importiere dann wieder aus China Holz-Fertigprodukte, während umgekehrt China hohe Zölle auf Holzfertigprodukte verhänge. „Hier muss die EU ein Gegenkonzept entwickeln“, so Gira.

„Recyclingmaterial par excellence“

Francine Closener, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, verwies auf die Rifkin-Studie, in der für Luxemburg die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft gefordert wird, wozu das „Wood- Cluster“ ein passender Baustein sei.

Denn heute schon sei die Holzwirtschaft Luxemburgs mit rund 11.000 Beschäftigten in Holzproduktion und -Verarbeitung breit aufgestellt und beliefere beispielsweise die Papierindustrie in den Ardennen. „Holz ist das Recyclingmaterial par excellence“, so Closener.

Welche Möglichkeiten das Hightech-Produkt Holz gerade in der Bauwirtschaft hat, zeigte der Experte Jean-Luc Sandoz, Professor an der „Ecole Polytechnique Fédérale“ im schweizerischen Lausanne. Gebäude wie die Coque auf Kirchberg, die Sporthalle in Lintgen oder die „Ecole Cycle 1“ in Mamer seien hierzulande schöne Beispiele. Doch es geht noch beeindruckender: So ist gerade im kanadischen Vancouver auf dem Uni-Campus ein 30 Stockwerke hohes Studentenwohnheim aus verleimten Schichtholzbrettern fertiggestellt worden. Holz und moderne Architektur funktioniert also sehr gut - sogar Passivhäuser lassen sich mit Holzdämmung machen.

Der Trend der Entforstung, der in den 1980er- und 1990er-Jahren festzustellen war - es wurde mehr abgeholzt als neu angebaut - hat sich seit dem Kyotoprotokoll ab den 2000er-Jahre gedreht, wie Sandoz zeigte. China ist dabei der größte Wiederaufforster.

Gegenüber Stahl oder Beton, betont Sandoz, schneidet Holz als Werkstoff deutlich besser ab: Es benötigt weniger Energie bei der Herstellung, die CO2-Bilanz ist viel besser, gleichzeitig ist die Verwendung von Holz arbeitsintensiver, schafft also mehr Arbeitsplätze. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen würden profitieren.

Wie Laurent Federspiel, „Director Sector Development & Cluster Initiative“ bei Luxinnovation, schlussfolgert, weist die Holzwirtschaft als Als Musterbeispiel der Kreislaufwirtschaft ein enormes Potential auf. Das „Wood Cluster“ soll sich aus diesem Grund an alle Akteure der Holz produzierenden und -verarbeitenden Industrie richten, die gemeinsam zum grünen Wachstum Luxemburgs beitragen. Im Rahmen des entstehenden „Wood Cluster“ können sich die Mitglieder untereinander austauschen und durch strategische Kollaborationen die Luxemburger Holzwirtschaft vorantreiben.

Der Anspruch des „Clusters“ wird ebenfalls sein, die Nutzung des Rohstoffes Holz zu fördern, um somit die Ziele der UN-Klimakonferenz COP21 zu erreichen.