LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Digitales Angebot soll auch in Corona-Zeiten in die Museen locken – Was man derzeit bei uns erleben kann

Ein Umdenken war erforderlich, denn wer trotz Corona-Pandemie als Museum nicht komplett von der Bildfläche verschwinden will, muss in Zeiten geschlossener Kulturinstitutionen ein digitales Angebot auf die Beine stellen. Zumindest die großen Museen in Luxemburg mussten nicht komplett bei Null anfangen, weil sie bereits vor der Krise virtuelle Rundgänge durch ihre Ausstellungen und Sammlungen ermöglicht hatten. Das „natur musée“ (MNHN) bildet da keine Ausnahme. „Wir waren bereits vorher relativ gut aufgestellt“, erzählt uns Patrick Michaely am Telefon. Nun sei das digitale Angebot noch weiter ausgebaut worden.

„Jede Woche bieten wir online Konferenzen an. Thema am 5. Mai ist etwa die Erfassung der Angaben für unsere Datenbanken, die im Rahmen der ,City Nature Challenge´ am letzten Wochenende gesammelt wurden. Das ist jetzt nicht unbedingt etwas für die breite Öffentlichkeit, wir möchten aber einfach mal zeigen, dass wir als Wissenschaftsinstitut auf solche Sachen angewiesen sind“, erklärt Michaely. Auch eine Sternenwanderung mit einem Astronomen sei wahrscheinlich für Mai geplant. „Wir werden noch so manches auf den Weg bringen“, verspricht der Kommunikationschef des Museums.

3D-Rundgänge und geführte Touren

„Unser ,Service éducatif´ produziert Videos wie am Fließband, also pädagogisches Material, um zu zeigen, was man jetzt in der Natur machen kann. Dann bieten wir auch zahlreiche Führungen. Unser virtueller Rundgang in 3D macht es möglich, das Museum per Mausklick auf eigene Faust zu erkunden. Daran findet allerdings nicht jeder Gefallen, viele haben nach ein paar Minuten keine Lust mehr, weil sie nicht so richtig wissen, was sie damit anfangen sollen“, lacht er. Deshalb gehören auch kommentierte Führungen zum digitalen Angebot. „Wir gehen also in gewisser Weise mit den Leuten durch die Ausstellungen. Das haben wir jetzt bereits zweimal gemacht, und es ist erstaunlich gut angekommen. Die erste Führung habe ich selbst gemacht. Anfangs habe ich daran gezweifelt, dass dieses Angebot auf viel Interesse stoßen würde, aber dann waren tatsächlich rund 50 Leute mit von der Partie. Digital lockt man tatsächlich fast mehr Leute an als in Wirklichkeit. Das ist vielleicht der kleine Vorteil von Corona“, sagt er und lacht wieder.

An einer Konferenz über wilde Bienen und Wespen, die ohnehin hätte stattfinden sollen und nun eben digital durchgeführt wurde, hätten sogar 100 Leute teilgenommen. „Hätten wir diese Konferenz unter normalen Umständen bei dem Wetter abgehalten, hätten wir bestimmt keine 15 Teilnehmer gehabt“, ist sich Michaely sicher und sieht deshalb einen klaren Vorteil in den digitalen Möglichkeiten. „Niemand war so richtig auf diese Krise vorbereitet, dennoch gab es auch vorher schon ein gewisses Online-Angebot. So schlecht waren wir im MNHN diesbezüglich nicht einmal aufgestellt. Auch die aktuelle temporäre Ausstellung ,Geckeg Vullen´ hatten wir bereits vorher digitalisieren lassen und Live-Führungen über Facebook im Programm.

Die aktuelle Situation war dann noch einmal ein Ansporn, das Ganze zu festigen. Eine andere temporäre Expo, ,Unexpected Treasures´, die 2018 bereits in 3D erkundet werden konnte, haben wir jetzt sozusagen reaktiviert“, listet er weiter auf.

Kein Ersatz für richtige Besuche

„Vor der Corona-Krise wurde nicht selten über die Frage diskutiert, ob ein virtuelles Angebot überhaupt Sinn macht und man dadurch nicht riskiert, dass die Leute überhaupt nicht mehr ins Museum kommen. Das ist aber definitiv nicht der Fall. Ein virtueller Rundgang bietet einen guten Vorgeschmack. Und wenn die Tour qualitativ gut gemacht ist, macht sie Lust auf mehr. Vor dem richtigen Objekt zu stehen, ist ja doch noch einmal etwas ganz anderes. Das hat einfach seine Aura. Ich bin mir sicher, dass die Leute nach mehreren Wochen zu Hause gerne wieder ins Museum gehen“, zeigt sich Michaely überzeugt.

Was den pädagogischen Bereich anbelangt - normalerweise empfängt das „natur musée“ zahlreiche Schulklassen -, so wurde jetzt das ganze Material zu rund 30 Themen zum Download bereit gestellt. „Praktisch zu jedem Sujet gibt es Begleitbroschüren mit etlichen Zusatzinformationen, die wir im normalen Fall nicht herausgeben, jetzt aber zur Verfügung stellen, sozusagen als Zusatzangebot zu den virtuellen Touren“, berichtet er.

Auch wenn die Museen ihre Türen wieder öffnen dürfen, will man im Naturmuseum digital aktiv bleiben. „Museen europaweit sind zu der Erkenntnis gekommen, dass gerade jetzt mehr auf das Digitale gesetzt werden muss, um die Präsenz aufrechtzuerhalten. Das Ganze soll aber auch danach noch weitergehen, sich demnach auch im Budget widerspiegeln. Wir realisieren gerade viele Filme, was eine aufwändige Angelegenheit ist, wozu vorher vielleicht die Zeit fehlte. Das wollen wir auch in Zukunft tun. Dieses ganze Angebot hält die Leute nicht davon ab, trotzdem ins Museum zu gehen“, unterstreicht er noch einmal.

Zum virtuellen Rundgang durch das „natur musée“: tinyurl.com/naturmusee3D

Alle weiteren Informationen unter www.mnhn.lu

Lëtzebuerger Journal

Mudam | Großes Programm für Kinder

Viele Aktivitäten für Kinder und ihre Familien sind während der Corona-Zeit im Angebot. Im Rahmen der Ausstellung „D’après nature“ von Jean-Marie Biwer, der die alte Technik „Tempera“ beim Zeichnen verschiedener Werke anwendet, kann man unter Video-Anleitung selbst damit experimentieren: tinyurl.com/YoutuTempera.  Auf Youtube kann man sich die Geschichte „Déi kléng Wollek langweilt sech“ anschauen: tinyurl.com/Wollek. Derweil gibt es auch eine Home-Edition der „Mudam Akademie“, die auf dem Buch „Eng Geschicht vun der Konscht“ von Claude Moyen basiert und in Form eines Blogs präsentiert wird: tinyurl.com/BlogMoyen. „Djijo und Mina“, eine vom Mudam publizierte Geschichte von Autorin Elsa Rauchs und Illustratorin Isabelle Marmant lässt sich in erzählter und gefilmter Form entdecken: tinyurl.com/DjijoMina.

Das Mudam lässt sich außerdem über eine mobile App entdecken. Hier kann man Fragen beantworten, Aufgaben lösen und seiner Kreativität freien Lauf lassen: tinyurl.com/ActionboundMudam. Geführte Besichtigungen der Ausstellungen „D’après nature“ von Jean-Marie Biwer  sowie „The Perceiving Body“ von Robert Morris werden ab Mai im Online-Angebot sein. LJ

www.mudam.lu

Lëtzebuerger Journal

M3E | Bis tief in die Kasematten

Im „Musée Dräi Eechelen“ (M3E) führt die virtuelle 3D-Tour nicht nur durch das Museum selbst sondern auch noch direkt in die unterirdischen Gänge der Kasematten Niedergrünewald-Olizy (tinyurl.com/M3Eechelen3D).  In den sozialen Netzwerken wird unter dem Motto M3E@home ebenfalls ein Programm geboten. Auf Facebook und Instagram wird täglich ein Foto mit dem Objekt des Tages aus der Sammlung des Museums mit allen nötigen Informationen  veröffentlicht. Auf Instagram wird einmal pro Woche dazu aufgerufen, den Fehler in zwei fast identischen Fotos ausfindig zu machen. Auf Twitter können interessante Fakten über die Festungsanlage sowie das „Fort Thüngen“ nachgelesen werden, dies abwechselnd mit „Dico“ („dictionnaire de terminologie de la forteresse“). Erklärt werden technische Begriffe wie Kasematten oder „caponier“. LJ

www.m3e.public.lu

Lëtzebuerger Journal

Lëtzebuerg City Museum | Eintauchen und entdecken

Drei Ausstellungen können virtuell erkundet werden: „The Luxembourg Story“ auf den drei unteren Ebenen des Museums erzählt die bewegte Geschichte der Stadt Luxemburg (tinyurl.com/LuxStory3D). Sie lässt sich auch über die App „The Luxembourg Story“ entdecken. „Schwaarz Konscht“: Die Bilderwelt der Takenplatten vom 16. bis 19. Jahrhundert (tinyurl.com/SchwaarzKonscht3D). „Ons Schueberfouer“: Der Jahrmarkt  wurde 1340 von Johann dem Blinden als Handelsmesse gegründet und wandelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem reinen Vergnügungsjahrmarkt (tinyurl.com/Schueberfouer3D).  
In den sozialen Netzwerken laufen derweil die Kampagnen #WeCollect, #MuseumSunday und #Onthisdayin. LJ

www.citymuseum.lu

Lëtzebuerger Journal

Villa Vauban | Farbenfrohe Einblicke

Die Ausstellung „Variations. Ein Museum für alle“ kann virtuell entdeckt werden: Mit rund 70 Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Zeichnungen, vom 17. bis zum 21. Jahrhundert, wird eine farbenfrohe Auswahl aus den Sammlungen des Hauses gezeigt (tinyrul.com/VillaVaubanVR). Zur Besichtigung dieser Expo kann auch die mobile App genutzt werden.
Im März hätte indes die Ausstellung von Künstler Charles Kohl beginnen sollen. Als Vorgeschmack wird jetzt einmal pro Woche eines seiner Werke in den sozialen Netzwerken präsentiert: #CharlesKohlfromHome. Seit längerem läuft auch die Social Media-Aktion #WeekendArt: Werke aus den Sammlungen werden gezeigt. Die Villa Vauban startet (genau wie das Lëtzebuerg City Museum) nun auch mit #WeCollect: rezente Werke, die in die Sammlung aufgenommen wurden, werden vorgestellt. LJ

www.villavauban.lu

Lëtzebuerger Journal

MNHA | Vom Rundgang über Basteln bis zum Quiz

Bei gleich mehreren 3D-Rundgängen lässt sich das MNHA erkunden. Die Sammlungen – von Archäologie über Alte Meister bis hin zu Kunst in Luxemburg oder das Münzkabinett -  lassen sich bequem von zuhause aus entdecken (tinyurl.com/mnha3D). Auch die  Sonderausstellungen wurden mit modernster Technologie gescannt, so etwa „Meister des spanischen Barock“ (tinyurl.com/Meister3D) und „100 Jahre allgemeines Wahlrecht in Luxemburg“ (tinyurl.com/100Wahlrecht3D).

Außerdem ist das Museum in den sozialen Netzwerken aktiv. Auf Facebook: Im Rahmen der MNHA@Home-Initiative werden (in der Regel immer dienstags und donnerstags) neue kurze Videos online gestellt, die einen Einblick in die bekanntesten Werke der Sammlungen geben. Freitags ist Quiz-Zeit: Dann werden Fragen in Zusammenhang mit den Ausstellungen, Gemälden oder Exponaten gestellt. Das Angebot für Familien „4Kids“ an den Wochenenden umfasst gleich mehrere Rubriken: „Crea’Art“ und „Sketch me if you can“ (Malen und Basteln) sowie „Détectives au musée“ (Quiz und Rätselspiele). Auf Instagram: Montags heißt es „Finde den Fehler“: Das Foto des Originalwerks steht dem Foto mit eingebauten Fehlern gegenüber. Auf Twitter: Mittwochs präsentiert das MNHA „funfacts“ oder kleine Anekdoten in Zusammenhang mit den Ausstellungen oder Sammlungen. LJ

www.mnha.lu