LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

41 Prozent gehen laut Umfrage davon aus, dass luxemburgische Touristen zumindest selten auf Reisen Kinder missbrauchen

Zum dritten Mal seit 2011 hat ECPAT Luxemburg eine Umfrage in Auftrag gegeben über die Wahrnehmung und den Wissensstand zum Thema sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die gestern vorgestellten Ergebnisse zeigen, das sich die meisten Menschen der Problematik der sexuellen Ausbeutung auf Reisen, von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern und „Grooming“ bewusst sind. Doch wird auch deutlich, dass der Aufklärungsbedarf groß bleibt. Thomas Kauffmann, Direktor von ECPAT Luxemburg, nannte die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit und das Informieren über Maßnahmen, um gegen Missbrauch vorzugehen,  „entscheidend“. Wer informiert sei, der könne auch richtig handeln, lautet einfach ausgedrückt das Leitmotiv.

Verdachtsfälle werden wenn überhaupt den lokalen Behörden gemeldet

Die Umfrage zeigt, dass 86 Prozent schon einmal davon gehört haben, dass Personen verreisen, um anderswo Kinder sexuell zu missbrauchen. 97 Prozent bezeichnen sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen unter 16 Jahren als „vollkommen inakzeptabel“. Ist das Opfer zwischen 16 und 17 Jahren, nuanciert sich das Bild: 17 Prozent sprechen dann von einem „eher inakzeptablem“ Verhalten, von einigen wird es auch akzeptiert. Der Rückgriff auf Prostitution mit Erwachsenen spaltet derweil das Befragtenfeld in fast zwei gleichgroße Lager. 41 Prozent sind indes der Ansicht, dass Luxemburger zumindest selten selbst vom Sextourismus mit Kindern profitieren. Fast jeder zehnte meint, das komme „sehr häufig“ vor. Jeder Zehnte erklärte laut Umfrage, schon einmal auf Reisen einen  solchen Fall verdächtigt zu haben. Allerdings reagierten die meisten daraufhin nicht. 44  Prozent sagen, etwas unternehmen zu wollen, aber nicht zu wissen, an wen sie sich wenden sollten. Ein Fünftel wollte damit nichts zu tun haben. 14 Prozent meldeten es dem Reiseleiter. Nur zwei Prozent schaltete die luxemburgische Polizei nach ihrer Rückkehr ein.

Mit Blick auf die visuelle Darstellung von Kindesmissbrauch sagen zehn Prozent der Befragten, schon einmal zufällig auf pornographische Inhalte gestoßen zu sein. Die meisten Personen reagierten darauf aber nicht oder, wohl aus Angst, verbesserten die Onlinesicherheit ihres Rechners. 15 Prozent meldeten das ihrem Internetprovider, sieben Prozent der Polizei und weitere sieben der Bee-Secure Stopline.

Der englischsprache Begriff „Grooming“ ist indes weniger Menschen ein Begriff als die vorgenannten. Zwei Drittel der Befragten sagen, das Phänomen zu kennen. Allerdings wissen nur 36 Prozent, was genau darunter zu verstehen ist: BeeSecure definiert „Grooming“ als den Versuch eines Erwachsenen, „anonym oder unter einer falschen Identität, über einen längeren Zeitraum  (...) ein Vertrauensverhältnis zu einem Minderjährigen im Internet aufzubauen, mit dem Ziel, ihn/sie zu sexuellen Handlungen (online und offline) zu überreden“. Einig sind sich die Befragten indes darin, dass durch das Internet und die neuen Technologien ein hohes Risiko besteht, dass Kinder und Jugendliche mit Gewaltdarstellungen, pornographischen Inhalten konfrontiert oder Opfer von „Grooming“ werden können. 57 Prozent sind der Ansicht, dass Unter-18-Jährige häufig Nacktfotos (von sich oder anderen) an Gleichaltrige verschicken. Ihrer Einschätzung nach sei das insbesondere bei Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren der Fall. Wie Tommy Klein (TNS Ilres) bemerkte, scheinen die Befragten im Alter von Eltern sich dessen nicht immer unbedingt bewusst zu sein.