LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Zwölf Opfer: Prozess um chinesische Sexstudios angelaufen

Zwei Frauen und ein Mann stehen seit gestern in Luxemburg vor Gericht. Sie sollen mehrere Frauen aus China zur Prostitution in Luxemburg gezwungen haben.

Im Detail wirft die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar Tianfang Y. (45) und Jiaying Y. (38) Freiheitsberaubung, Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution/Zuhälterei und Geldwäsche vor. Bei der Klage gegen die Ehefrau Jiaying Y. ist allerdings nur Geldwäsche übrig geblieben. Zwischen Januar 2015 und Ende Oktober 2017 sollen die Angeklagten von zwölf jungen, teils minderjährigen Frauen profitiert haben, die als Prostituierte in mindestens fünf Appartements in Luxemburg/Howald anschafften.

Tianfang Y. buchte, Winnie M. vermittelte

Als Geschäftsführerin setzte Tianfang Y. die Chinesin Winnie M. (46) ein, die ebenfalls angeklagt ist. Ihr wird vorgeworfen, von Mai bis Oktober 2017 mit Tianfang Y. zusammengearbeitet und dafür mindestens 3.000 Euro bekommen zu haben. Sie soll als Vermittlerin zwischen den Freiern und Prostituierten tätig gewesen sein. Neben dem Geld bekam sie Schönheitscremes und durfte kostenlos im Restaurant essen. Sie wurde am 5. Dezember 2017 festgenommen.

Offiziell war der Chinese Tianfang Y. als Kellner in einem Restaurant gemeldet. Nebenbei betrieb der Mann allerdings auch mehrere Sexlokalitäten in Luxemburg/Howald. Tianfang wurde am 24. Oktober 2017 im Restaurant festgenommen.

Laut Staatsanwaltschaft sind die drei Angeklagten die Knotenpunkte dieses Menschenhandelssystems. Sie sollen den Nachschub der „Ware Mensch“ organisiert haben, indem junge Frauen aus China mit falschen Versprechungen nach Luxemburg gelockt und hier zur Prostitution gezwungen wurden. Die Frauen sollen 3.000 bis 4.000 Euro im Monat verdient haben. Davon mussten sie 50 Prozent ihrem Zuhälter abgeben.

Einmal in Luxemburg angekommen wurden die Frauen vom Ehepaar untergebracht. Die Frauen hatten entweder keine oder falsche Identitätspapiere und haben nur Chinesisch gesprochen. Die nötigen Appartements mietete Y. über die internationale Plattform Airbnb. Für die Dienste der Frauen warb er über Online-Inserate. Im Restaurant suchte Y. nach Freiern. Tianfang Y. buchte, Winnie M. vermittelte. Das Geld wurde nie persönlich ausgehändigt. Das, was so herein kam - es geht um eine Summe von rund 62.000 Euro - teilte sich das Paar.

Zwei Verhandlungstage hat das Gericht für den Prozess angesetzt. Der Prozess wird heute fortgesetzt.