DEN HAAG
SVEN WOHL

Bildmaterial von Kindesmissbrauch wird stärker verbreitet

Während des Lockdowns fand eine weitere Verschiebung des sozialen Lebens in die digitalen Sphären statt. Dies gilt auch für Kinder, welche sich dadurch leichter angreifbar machen. Europol veröffentlichte gestern diesbezüglich einen Bericht: Er umreißt die Ausmaße der Schaffung und Verbreitung von Bildmaterial von Kindesmissbrauch im Netz.

Da sowohl die Täter als auch die Kinder zu Hause im Lockdown sind, haben die Autoritäten eine Zunahme der Verbreitung dieses Materials auf der ganzen Welt beobachten können. Die Sexualstraftäter nutzen dabei verstärkt die sozialen Netzwerke, Peer-to-Peer Netzwerke und das Darkweb. Die Versuche, Seiten aufzurufen, die solches Material anbieten, sowie die Anrufe bei Helplines und die Aktivität im Darkweb wie auch in Chaträumen im normalen Netz hätten allesamt in dieser Zeit zugenommen, so Europol.

Anstieg auf für Luxemburg verzeichnet

Ein Faktor ist beispielsweise die Zahl der Verweise des „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC) zu Europol. Soziale Netzwerke und Messaging-Dienste melden die Verbreitung von besagten Material auf ihren Diensten gegenüber der NCMEC . Während die monatliche Anzahl dieser Verweise bei unter 200.000 im Monat liegt, stieg sie im März auf über eine Million Verweise. Lagen diese Verweise für Luxemburg bei unter 200 im Monat, stiegen sie in den Monaten März und April weit über diese Grenze. Im April sollen es etwa 400 Meldungen gewesen sein. Was das Material anbelange, so schreibt Europol, dass vor allem solches, das mit Hilfe von Webcams aufgenommen wurde, zugenommen habe. Die Kinder würden hierbei gezwungen oder erpresst werden. Alternativ würden sie solche Videos für Gleichaltrige oder für die sozialen Netzwerke produzieren. Europol überwacht die Foren, in denen solches Material getauscht wird. Dabei stellte sich heraus, dass die Täter schnell die stärkere Verletzlichkeit der Kinder während des Lockdowns schnell erkannt hatten. In den Foren wird nicht nur Bildmaterial getauscht, sondern es werden auch Tipps vergeben, wie man Kinder überlisten oder zwingen kann, solches Material herzustellen.

Auch wenn das Material meistens ohne finanzielle Interessen geteilt wird, so sind einige bereit dazu, per Liveübertragung Kindesmissbrauch durchführen zu lassen. Da durch die Krise auch wirtschaftliche Konsequenzen folgen würden, könnte dies die Produktion von mehr Material aus finanziellem Interesse steigern lassen. Mit Hilfe von Kampagnen wie #Sayno möchte Europol Kinder aufklären, damit sie sich nicht ausbeuten lassen.

„Die Covid-19-Krise hat zu einem Anstieg in der online Verbreitung von Bildmaterial von sexuellem Kindesmissbrauch beigetragen (...). Der Schaden, der dadurch entsteht, dass man Opfer dieses Verbrechens wird, ist groß, und jedes Mal, wenn ein Bild oder Video weiter verbreitet wird, resultiert dies in einer erneuten Viktimisierung“, so Catherine de Bolle, geschäftsführende Direktorin von Europol.