PATRICK WELTER

Die Katastrophe ist ausgeblieben. Nach hundert Tagen Präsident Donald Trump wissen wir: Auch ultra-rechte Heilsbringer scheitern an den Umständen .

Trumps liberalem Vorgänger, anfangs gottgleich verehrt, ging es nicht besser. Obama hat sich in acht Jahren mit Geschick und Charme durch einen politischen Dschungel gekämpft, um wenigstens einen Teil seiner Ideen von einem modernen Staat umzusetzen.

Trumps Antrittsrede am 20. Januar hat viele Zuhörer dazu veranlasst, sofort in den Garten zu gehen, um einen Bunker zu graben, so martialisch hörte sich der böse Donald an. Außerdem schickt der seinen Mephisto Steve Bannon in den nationalen Sicherheitsrat.

Statt der konservativen Revolution gab es aber zunächst mal Klamauk, ein Typ namens Spicer gab die Parodie eines Pressesprechers und eine meschuggene Beraterin erfand die „alternativen Fakten“. Die Welt lachte.

Dann folgten die Knallerbsen: „Muslimban I“ verrauchte vor diversen Gerichten und vergraulte ein paar Verbündete. Kein guter Schachzug. „Muslimban II“ nahm die Alliierten zwar aus, donnerte aber wieder gegen eine Wand aus Paragrafen. Der Rechtsstaat USA funktioniert.

Immerhin ist es Trump gelungen, unter dem Bruch jahrzehntealten Gewohnheitsrechts, seinen Kandidaten für den Obersten Gerichtshof zu installieren. Ein erster Erfolg. Das Wahlversprechen, Obamacare, die „kommunistische Krankenversicherung“ zu kippen, stand ganz oben auf der Trump-Agenda. Die nächste Bauchlandung. Da Republikaner nicht gleich Republikaner ist, konnten sich die gemäßigten, die noch ein bisschen von Obamacare behalten wollten, nicht mit den Holzköpfen der Teaparty einigen. Trump musste den Gesetzentwurf zweimal zurückziehen. Seitdem steht das Herzensprojekt nicht mehr auf der Agenda.

Nächste Idee: Eine Mauer zu Mexiko. Komischerweise ließ sich der mexikanische Präsident auch nicht durch Gebrüll von der Genialität dieser Idee überzeugen und ausgerechnet der Immobilienkönig Trump findet kein Bauunternehmen, das diesen Job übernehmen will. Mittel aus dem Haushalt für die Supermauer will auch niemand bewilligen. Feiglinge alle miteinander! Während in der Administration schon beim Regierungswechsel massenhaft Beamte die Flucht ergriffen, musste nach kürzester Zeit auch der erste Trump-Kumpel gehen. Der neue Sicherheitsberater gehörte zum Establishment und verbat sich prompt die Anwesenheit von Mephisto Bannon in seinem Gremium. Bye bye, Steve.

Ausgerechnet Trumps Nepotismus hat das Weiße Haus nach den ersten Chaos-Wochen wieder in die Spur brachte. Die Beschäftigung von Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner als Berater mag formal anrüchig sein, sorgt aber für eine Erdung des sprunghaften Präsidenten. Kushner hat auch für die Kaltstellung Bannons gesorgt und Ivanka für das Ende der isolationistischen Träume. Eine Frau gegen Assad. Ein Hauch von Realpolitik zieht in die Pennsylvania Avenue 1.600 ein.

Manchmal macht Trump auch was richtig: Dem nordkoreanischen Bärchen die Meinung zu geigen oder, erst gestern, den Völkermord an den Armeniern eine „der größten Gräueltaten“ zu nennen, egal was Erdogan sagt.

Vielleicht erhöht sich seine Trefferquote ja noch.