[as if] von Andrea van der Straeten im Casino Luxembourg

Andrea van der Straeten interessiert das Spiel zwischen der Realität und der Fiktion, heißt es in einem Wortlautinterview, das der künstlerische Leiter des Casino Luxemburgs, Kevin Muhlen, mit der gebürtigen Triererin im Vorfeld ihrer Ausstellung [as if] führte und anschließend im gemeinsam mit der Landesgalerie Linz verlegten Ausstellungskatalog publiziert wurde. Die Wahl-Österreicherin legt ihren Fokus auf fortwährende Wechselbeziehung zwischen Schein- und Seinwelten.

Undichtes Dach über Europa

Ihre neue, für das Casino Luxemburg konzipierte Installation „ Abend Land Morgen Rot“ füllt den Hauptraum des Forums für zeitgenössische Kunst. Ein Metallgerüst eines Zeltes; wie die zerrissenen Fetzen eines Abendkleides hängen die einzelnen zerfransten Teile der weißen Kunststoffplane leblos an den maroden Stahlstäben herab. Ein ausgedientes Partyzelt als Sinnbild für den desolaten Zustand eines Kontinents, der nach dem Zweiten Weltkrieg näher rückte, als die Vision eines vereinten Europas konkrete Züge in Form einer Montanunion annahm?

Heute droht die durch die Wirtschaftskrise gebeutelte Union zu einem Schatten ihrer selbst zu verkommen. Die Charakterzüge der Montanunion sind , wenn überhaupt, nur noch schemenhaft im Dunst des 20. Jahrhunderts zu erkennen. Van der Straetens Installation steht nicht von ungefähr im ehemaligen Ballsaal: Dieser wurde über Jahrzehnte hinweg von der CECA als Konferenzraum genutzt. Im Laufe der Zeit ist dem historischen Bau aufgrund der durchführten Bauarbeiten den einen oder andere abhanden gekommen. Speziell die Außenfenster stachelten die Neugier Van der Streatens an. Neugierig war sie auf das, was sich dahinter verbergen würde. Dem Besucher präsentiert sich eine Metapher des langsamen Verfallprozesses einer Gemeinschaft, die eine handgemachte Krise aussitzt. Ein europäisches Zeltdach, das dem Wind nicht länger standhält.

[as if] beschränkt sich keineswegs auf die neueste Installation der Künstlerin: Installationen, Filme , Bilder und Exponate aus ihrer über 30 Jahre andauernden Karriere sind noch bis zum 28. April zu sehen. Wobei es sich nicht, und darauf sollte man pochen, um eine Retrospektive handelt.
Videospielerei
In den frühen 80ern lotete Van der Straeten die Ausschreibungsbedingungen eines Video-Kunst-Wettbewerbs bis aufs Äußerste aus, indem sie ihr Zelluloid nicht sauber in einem Kassettengehäuses aufgespulte, sondern das meterlange Film-Band zu einem Hemd zusammenstrickte. Selbstverständlich schickte sie dieses fein säuberlich verpackt an die Wettbewerbs - Jury. Die Informationsübermittlung geschieht bei Van der Straeten auf mehreren Ebenen.

Ihr 2012 realisiertes Video-Projekt „Familienausflug 1933“- ein dreiminütiges Video - zeigt die zweijährige Mutter der Künstlerin auf einem Familienausflug, umgeben von den Eltern und Geschwistern. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt der Betrachter erste Hinweise auf den politischen Wandel, der sich im Vorkriegsdeutschland unter dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler ankündigte. Subtile Hinweise auf eine politische Entwicklung die innerhalb des Landes vonstatten geht, sich bei einem ersten Betrachten allerdings dem Gesamteindruck des Gezeigten unterordnet und so gerne übersehen wird.pav