LUXEMBURG
SVEN WOHL

Als TV-Serie wirkt From Dusk till Dawn saft- und kraftlos

From Dusk Till Dawn“ ist merkwürdig. Der 1996er Film setzt auf einen Twist, der Genregrenzen sprengt und brachte Grindhouse wieder etwas mehr in Mode. Das Werk von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez ist allerdings Kult. Da ein ungeschriebenes Gesetz der 2010er verlangt, dass alles, was in den 90ern Kult war, eine Neuauflage spendiert bekommen muss, wurde der Film nun als TV-Serie umgesetzt. Rodriguez hat hier selbst Hand angelegt und die Serie für seinen Sender „El Rey“ produziert. International läuft sie allerdings auf Netflix, wo sie auf willige Zuschauer stößt.

Dünn aufgetragen

Bei der Story bleiben die Fundamente die gleichen: Die Gecko-Brüder überfallen eine Bank, die Flucht läuft schief, sie landen in der Titty-Twister-Bar und plötzlich gibt es einen Haufen Vampire, die ihnen ans Leder wollen. Unterwegs treffen sie auf einen Pastor samt Familie, die als Geiseln und Mitfahrgelegenheit dienen. Dazu kommen einige neue Figuren, wie etwa der Ranger Freddie Gonzalez, deren Relevanz für den eigentlichen Plot fragwürdig ist, die es aber schaffen, die Minuten halbwegs sinnvoll zu füllen. Gleichzeitig werden die alten, bekannten Figuren weiter vertieft, was bei den Gecko-Brüdern nicht funktioniert, da sie das Protagonistenpaar eines Grindhouse-Filmes sind und Tiefe dabei unangebracht ist. Bei der Pastoren-Familie funktioniert es teilweise, auch wenn sich die ganze Hintergrundgeschichte zieht.

Ebenfalls ziehen tut sich da die neue rein gemischte mesoamerikanische Mythologie, die versucht, Vampire in ein semi-mexikanisches Setting einzuflechten. Das klappt eigentlich ganz gut, auch wenn reichlich Exotismus bemüht wird, nur vor allem in der ersten Hälfte ist der Einschlag so penetrant und störend, dass es einen viel Mühe kostet, weiter zu schauen. Dazu kommen Figuren, deren Tiefe nicht reicht, um zehn Episoden über die Runden zu bringen. Die Serie könnte konsequenter auf Action setzen, um das ein wenig zu vertuschen, doch die wenigen Szenen die es gibt, sind zu kurz, auch wenn sie gut umgesetzt sind. Mit Blick auf die Vorlage hätte man sich mehr erwartet.

Halsbrecherischer Spagat

Eigentlich schade, denn die Produktion ist relativ unterhaltsam, wenn man seine Erwartungen nur weit genug runter schraubt. Alles ist Mittelmaß, nichts sticht positiv heraus. Die Schauspieler sind allesamt kompetent, die Dialoge sind erträglich, der Plot kommt gerade noch schnell genug voran, dass man nicht weg nickt und gelegentlich reicht die eine oder andere Episode auch mal an den Film heran. Doch da es sich dabei nicht um die höchste Messlatte handelt, bleibt dabei ein fader Beigeschmack. Man kann darüber spekulieren, ob man nicht doch etwas stärker auf die Grindhouse-Piste hätte setzen können als diese halbgare Serie zu produzieren. Doch genau hier ist das Hauptproblem der Serie zu finden: Sie will zu vieles gleichzeitig sein. Psychothriller, Revenge-Story und Horrorstreifen zugleich, macht die Serie nichts gut genug, um zu überzeugen. Sicherlich gibt es auf Netflix viel Stoff, der wesentlich schlechter ist, doch wenn es etwas gibt, das einen wirklich langweilen kann, dann ist es wohl Mittelmaß. Mir wäre da spektakulärer Schrott schon lieber gewesen.