LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Nachhaltigkeitsziel Nummer 5: Geschlechtergleichstellung und mehr

Nächster Teil unserer Serie über die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele in Luxemburg: Mit dem fünften Nachhaltigkeitsziel hat sich die Weltgemeinschaft die Geschlechtergleichheit auf die Fahnen geschrieben. Alle Formen der Diskriminierung von Frauen und Mädchen sollen, so lautet die Vision, überall auf der Welt beendet werden. Gleiches gilt für alle Formen von Gewalt, Menschenhandel oder die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen. Doch auch „schädliche Praktiken“ wie Kinderheirat, Frühverheiratung und Zwangsheirat sowie die Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen sollen beseitigt werden. Gleichzeitig soll die „volle und wirksame“ Teilhabe von Frauen und ihre Chancengleichheit bei der Übernahme von Führungsrollen erreicht werden. Weitere Unterziele des fünften „Sustainable Development Goal“ (SDG) sind die Gewährleistung des allgemeinen Zugangs zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, gleichberechtigter Zugang zu Grundeigentum oder Finanzdienstleistungen sowie politische Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter.

Laut UN-Angaben ist ein bedeutender Rückgang der Prävalenz von Genitalverstümmelung und Frühverheiratung festzustellen. Allerdings bleiben die Zahlen hoch. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass mindestens 200 Millionen beschnittene Frauen und Mädchen auf der Welt leben. Zum 1. Januar 2019 machten Frauen in nationalen Parlamenten im Durchschnitt 24,2 Prozent der Abgeordneten aus. Ein Jahrzehnt zuvor betrug der Prozentsatz noch 19 Prozent. In Führungspositionen in Unternehmen lag der Frauenanteil 2018 bei lediglich 27 Prozent

LGBTI-Plan, häusliche Gewalt, finanzielle Anreize

In Luxemburg wird das fünfte von 17 Zielen der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030 vornehmlich durch zwei von zehn nationalen Prioritäten tangiert, namentlich die gesellschaftliche Inklusion und Bildung für alle und die öffentliche Gesundheit. Als Ziele nennt der Entwurf des dritten Nachhaltigkeitsplans den Kampf gegen Diskriminierungen und Gewalt oder die Verbesserung der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen. Eine Initiative ist beispielsweise ein Programm, das die Regierung Unternehmen des Privatsektors oder Verwaltungen vorschlägt. Mit finanziellen Anreizen, die Betrieben im Falle einer erfolgreichen Teilnahme erhalten können, soll die Gleichstellung der Geschlechter, etwa im Entscheidungsfindungsprozess oder in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vorangebracht werden. Ziel sei eine „ausgeglichene Vertretung“ zwischen Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.

Verwiesen wird ebenfalls auf die Umsetzung des Mitte 2018 vom Regierungsrat angenommenen LGBTI-Plans, für die nach drei Jahren, also 2021, eine externe Zwischenbilanz gezogen werden soll. Zu den insgesamt acht Zielen des Plans zählen die Gleichbehandlung in der Arbeitswelt, eine inklusive Erziehung, der Kampf gegen Diskriminierungen und der Schutz der Vielfalt der Familienformen. Erwähnt wird auch eine Neukonzipierung des „Girls‘ Day Boys‘ Day“. Das Thema häusliche Gewalt erklärt die Regierung zu einem prioritären Anliegen. Die Präventionsarbeit soll vorangetrieben werden. Die Ratifizierung der Istanbul-Konvention wird als großer Fortschritt bezeichnet, um noch mehr Sicherheit für Frauen und Mädchen zu garantieren.

In diesem Kapitel kommt ebenfalls die luxemburgische Version eines Barnahus zur Sprache. Das „Centre national d‘audition et de thérapie pour enfants“ (CNATE) soll „2018-2019“ eingerichtet und misshandelten Kindern ersparen, ihre Leidensgeschichte mehrfach gegenüber Experten erläutern zu müssen.

In der Indikatoren-Zusammenstellung des Statec, mittels derer die Fortschritte Luxemburgs gemessen werden sollen, findet sich für das fünfte Nachhaltigkeitsziel lediglich ein vollständiger Datensatz, der sich über mehrere Jahre zieht: der prozentuale Anteil von Frauen im nationalen Parlament. Das unterrepräsentierte Geschlecht war zudem 2016 mit 31,4 Prozent in Entscheidungsgremium vertreten. Zwei weitere Indikatoren - über Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen sowie über Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen - waren - Stand September 2018 - noch „à définir“.