DIFFERDINGEN
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Sommerserie: Das kulturelle Angebot in der Gemeinde Differdingen

Kultur spielt sich nicht nur in der Hauptstadt ab. Auch in anderen Ecken dieses Landes kommen Einwohner und Besucher in kultureller Hinsicht auf ihre Kosten. Inzwischen haben viele Gemeinden ein Angebot auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. Für unsere Sommerserie haben wir bei den Gemeinden nachgefragt und sie fünf Fragen beantworten lassen. Heute ist es an der Gemeinde Differdingen. Die Antworten kamen vom Kulturschöffen Tom Ulveling.

Welchen Stellenwert hat die Kultur in Ihrer Gemeinde?

Keine Frage, die Kultur nimmt einen wesentlichen Stellenwert in unserer Gemeinde ein. Gerade in den letzten zehn bis 15 Jahren hat sich in diesem Bereich viel getan, und es wird weiterhin viel investiert. Heute deckt das Angebot in Differdingen die meisten Bereiche ab, von Theater und Tanz über Musikfestivals, Filmvorführungen, Ausstellungen und Konzerten bis hin zu Lesungen und Poetry Slams. Demnach richtet sich das kulturelle Spektrum der Gemeinde ganz bewusst an ein heterogenes Publikum, denn Kultur soll so viele Menschen wie möglich ansprechen. Seit über zwei Jahren nun vereint unser Kulturzentrum „Aalt Stadhaus“ Veranstaltungen, Kulturdienst, städtische Bibliothek und Musikschule an einem Standort und bietet den idealen Rahmen für die verschiedensten Events. Neben der Ausrichtung von modernen Veranstaltungen, verlieren dennoch traditionelle Volksfeste, unsere Kirmes etwa, nicht an Bedeutung. Darüber hinaus bemühen wir uns, die Kulturgüter der Stadt zu erhalten und hervorzuheben, beispielsweise den Train 1900, die Minièresbunn, das „Fransousekräiz“ oder auch die Museen Eugène Pesch und „Hondsbësch“.

Warum sind kulturelle Veranstaltungen wichtig für das Gemeindeleben?

Kulturelle Veranstaltungen fördern das Zusammenleben in der Gemeinde. Sie bilden eine Plattform für Begegnungen und Austausch. Events einer bestimmten Richtung wie Lesungen oder Konzerte sind Treffpunkte für Personen mit gemeinsamen Interessen. Volksfeste wie unser „Seefekëschterennen“ oder das „Festival multiculturel“ hingegen bringen Menschen unterschiedlicher Generationen, Nationen und Vorlieben zusammen. Hier kommen sie sich näher, tauschen sich aus und erleben gemeinsam Neues. Solche Veranstaltungen leben von den Menschen, die hier aufeinandertreffen, und fördern so die Integration innerhalb der Gemeinschaft. Kultur bedeutet gleichzeitig mehr Lebensqualität für die Einwohner, und genau deshalb möchten wir sie so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen, sei es durch kostenlose Darbietungen oder öffentlich ausgestellte Kunst, unter anderem im Park Edmond Dune mit seinem Skulpturenweg und der „Gaardebibliothéik“. Mit den Skulpturen in unseren Ortschaften konfrontieren wir die Menschen auf offener Straße mit der kulturellen Sphäre und wollen sie dafür begeistern.

Inwiefern unterstützen Sie die lokale Kulturszene?

Die Gemeinde Differdingen unterstützt die lokale Kulturszene gleich mehrfach. Sie stellt etwa die Ausstellungsräume des „Espace H2O“ oder des „Ale Stadhaus“ zur Verfügung und greift den kulturellen Vereinen sowohl finanziell als auch mit Sachleistungen unter die Arme. Die Gemeinde verfügt über eine Musik- und eine Bluesschule, um den Nachwuchs zu fördern und bietet jungen Talenten zwischen 12 und 26 mit der „Jugendkonschtwoch“ eine Bühne. Unsere Lesenachmittage „Bib fir Kids“ schüren das kulturelle Interesse schon bei den Allerkleinsten. In unserem Diffmag präsentieren wir regelmäßig Bands und Musiker aus der Region. Mit dem Projekt „Ateliers pour artistes“ stellen wir Künstlern überdies günstig Ateliers zur Verfügung. Und seit einigen Jahren gewährt natürlich unser „Creative hub 1535°“ jungen Schaffenden der Kreativindustrie Unterschlupf. Letztlich verleihen wir alle zwei Jahre einen Preis für kulturelle Verdienste.

Was zählen Sie zu den besonderen Highlights?

Einer unserer jährlichen Höhepunkte fand erst kürzlich statt: Der Blues Express ist ein Aushängeschild der Stadt, in der die Bluesmusik fest verankert ist. Beim kostenlosen Open-Air-Festival waren in diesem Jahr an einem Abend sage und schreibe 40 regionale, nationale und internationale Acts am Start, das bedeutete fast 400 Musiker, elf Bühnen und mehr als neun Stunden Bluesmusik. Das Festival wurde außerdem durch mehrere Ausstellungen lokaler Künstler ergänzt. Letztere präsentieren ihre Werke auch jahrein, jahraus bei der Ausstellung „Konscht am Minett“, welche dieses Jahr schon zehnjähriges Jubiläum feierte und ebenso wie die „Jugendkonschtwoch“ seit langem fester Bestandteil unseres Kulturangebotes ist. Eine lange Tradition hat auch das „Differdange International Festival for Winds“, das seit 1996 alle zwei Jahre unter dem Titel „Diffwinds“ jungen Talenten aus bisher 48 verschiedenen Ländern eine Plattform bietet. Aber nicht nur Kunst- und Musikliebhaber kommen - gerade in den Sommermonaten - auf ihre Kosten. Das Floriansfest der Feuerwehr, das rasante „Seefekëschterennen“, das Open-Air-Event „Live am Park“ oder auch das „Festival multiculturel“ sind nur einige der traditionellen Veranstaltungen, die sich in erster Linie an Familien richten. Neben diesen kulturellen Momentaufnahmen, ergänzen mehrere Museen, Ausstellungsstätten und der Minett-Park Fond-de-Gras als unvergängliche Kulturorte das Angebot.

Auf was dürfen sich die Einwohner und Besucher in den kommenden Wochen oder
Monaten besonders freuen?

Noch bis 21. August ist die beeindruckende Ausstellung „Horses“ von Yann Arthus-Bertrand in der Paul-Wurth-Halle zu sehen. Im September geht unser Steel-Run an den Start - ein Trail der etwas anderen Art, der die Läufer durch städtische Gefilde (Büros, das Rathaus, ein Einkaufszentrum, das 1535° und so weiter) führt. Neben dem sportlichen Gesichtspunkt bleibt auch hier die Kultur nicht außen vor, denn man wird die frühere Industriestadt von einer ganz unbekannten Seite entdecken. Seit einigen Jahren hat sich die Steampunk-Convention „Anno 1900“ fest bei uns etabliert und verzeichnet jedes Jahr steigende Besucherzahlen. Diesen Herbst wird das Festival in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ausgerichtet, da die Vereinigung es angesichts der Ausmaße nicht länger allein stemmen kann. Zu den Hauptveranstaltungen des „Ale Stadhaus“ zählen der allererste Metalabend im November, der unter dem Motto „DifferDANGER“ steht. Knapp einen Monat vorher lädt das Kulturzentrum zur „Local Heros Night“ mit nationalen Bands. Komiker Jarry und die Frères Taloches sorgen in dieser Saison für einige Lacher. Und auch hier wird der Blues nicht fehlen: Die Climax Blues Band beehrt uns im Oktober mit einem erneuten Auftritt. Im Winter erwarten uns unter anderem die Ausstellung „La Dynastie Luxembourg-Nassau“ und unser 40. Weihnachtsmarkt.

www.differdange.lu