LUXEMBURG-KIRCHBERG
PATRICK VERSALL

„I’m a Lost Giant in a burnt Forest“ von Rui Moreira im Mudam

Ich rede einfach zu viel und zu gerne über meine Arbeit“, entschuldigt sich Rui Moreira mit einem schelmischen Grinsen, als ihn ein Mitarbeiter des Mudam freundlich darauf hinweist, dass er zu seinem nächsten Termin los müsse. Der Portugiese, der zurzeit im Erdgeschoss aktuelle Werke im Rahmen seiner monografischen Ausstellung „I’m a Lost Giant in a burnt Forest“ zeigt, wuselte eine Stunde lang durch den Ausstellungsraum, flitzte kreuz und quer von einem Werk zum nächsten, verharrte immer wieder regungslos vor einem Bild, um die Museumsbesucher in die Entstehungsgeschichte der einzelnen, oftmals überdimensionalen Arbeiten einzuweihen. Verkörpert Moreira das Sinnbild des nimmer rastenden Künstlers, der lieber 25 als nur 24 Stunden am Tag den Pinsel schwingen möchte? Eher nicht, auch wenn sein energiegeladener Auftritt als Museumsführer auf Zeit im Mudam jeden, der nicht mit Moreiras Arbeit ein klein wenig vertraut ist, zu dieser Annahme verleiten würde.

Ledergürtel mit Glocken

Wenn er von seinen langen Reisen zurückkehrt, schaltet er einige Gänge zurück und arbeitet in der Regel über mehrere Monate an einem Bild. Der 1971 geborene freischaffende Künstler legt bei der Recherche nach Ideen und Motiven eine Akribie an den Tag, die übrigens ihresgleichen sucht. Für das Titelbild der Ausstellung etwa begab sich Moreira auf eine Zeitreise zurück in die eigene Kindheit, besuchte eine Region im Norden Portugals, in der seit Jahrzehnten ein heidnisches Selbstkasteiungsritual gepflegt wird. Moreira wagte das Selbstexperiment und nahm am Ritual teil, das nicht unbedingt spurlos am Körper der einzelnen Teilnehmer vorbei geht: „Die Menschen binden sich einen Ledergürtel mit Glocken um die Hüften, schütten sich dann maßlos Wein rein, bis sie erbrechen, und tanzen sich gleichzeitig in einen tranceartigen Zustand“, fasst der Portugiese seine Recherchearbeit zusammen. Zahlreiche Kuratoren und Publizisten weisen in ihren Vorträgen darauf hin, dass der Künstler immer wieder Inspiration aus Extremsituationen schöpft, denen er sein Körper und sein Geist aussetzt. Zurück in seinem Atelier vergegenwärtigt er sich seine Erlebnisse und transponiert sie auf die Leinwand. Seine Motive sind nicht selten ein Konglomerat aus Erinnerungen und Erlebten. In seinem Werk „I’m a Lost Giant in a burnt Forest“ habe er nicht nur dieses heidnische Ritual verarbeitet, sondern auch seine persönlichen Erinnerungen an Regisseur Werner Herzogs „Fitzcarraldo“. Kinski und tranceartige Zustände, dass passt.

Ehe Moreira dann auf Drängen des Museumsmitarbeiters der Besuchergruppe definitiv den Rücken zieht er noch schnell eine Parallele zwischen sich und seinen nach Luxemburg ausgewanderten Landsleuten: „Ich weiße, dass sehr viele meiner Landleute hier in Luxemburg als Arbeiter ihr Brot verdienen; ich selber betrachte mich auch als einen Arbeiter, als jemanden, der Bilder baut.“

www.mudam.lu - Rui Moreiras Arbeiten sind noch bis zum 8. Februar 2015 zu sehen