NEW YORK
J. LOWY UND D. KOENIG (DAPD)

Boeing stoppt Auslieferung bestellter Maschinen - Indirekt auch Airbus betroffen

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat mit einem Auslieferungsstopp auf die jüngste Pannenserie seines 787 Dreamliners reagiert. Die Kunden sollen die bestellten Maschinen 787 erst wieder erhalten, wenn entsprechende Reparaturarbeiten ausgeführt und von der US-Luftfahrtbehörde FAA als zufriedenstellend eingestuft werden, wie das Unternehmen mitteilte. Unterdessen geriet die FAA am Wochenende selbst in die Kritik, sie sei der Herausforderung möglicherweise nicht gewachsen, die Flugzeugindustrie zu überwachen.

Die Produktion des Dreamliners soll indes fortgesetzt werden. Die Flugzeuge werden in Boeing-Werken in den US-Staaten Washington und South Carolina montiert. Insgesamt hatte Boeing für sein technisch anspruchsvolles Flugzeug fast 800 Aufträge von Fluggesellschaften aus aller Welt erhalten.

Die FAA sprach diese Woche wegen zuletzt mehrfach aufgetretener Probleme mit den Bordbatterien ein Startverbot für sämtliche 787 Dreamliner der United Airlines aus und ordnete eine systematische Überprüfung an. Zuvor hatte ein Dreamliner von All Nippon Airways wegen Batterieproblemen in Takamatsu notlanden müssen, weil eine schmorende Batterie zu Brandgeruch an Bord geführt hatte. Nach der jüngsten Pannenserie bei den Dreamlinern des US-Flugzeugherstellers Boeing nehmen japanische und amerikanische Ermittler den Hersteller der in den Maschinen verwendeten Batterien unter die Lupe. Das Ermittlerteam habe die Zentrale der Firma GS Yuasa im japanischen Kyoto besucht, sagte ein Unternehmenssprecher gestern.

All Nippon Airways und Japan Airlines stoppten noch letzte Woche freiwillig ihre Flüge mit dem Dreamliner. Die nationale Luftfahrtbehörde sprach wenig später, ein Startverbot aus, andere Länder folgten. Experten warfen unterdessen der FAA vor, dass es die japanischen Airlines waren, die zuerst reagierten und die Flüge stoppten. Die Behörde müsse sicherstellen, dass sie bei der Zulassung immer die neusten technischen Entwicklungen im Blick habe. Die Kritik zielt darauf ab, dass die Produktion von Flugzeugen durch Hochtechnologie und durch Zulieferer aus verschiedenen Ländern für die FAA zu komplex geworden sein könnte. Andere werfen der Behörde vor, zu nachlässig im Umgang mit den Konzernen zu sein. Eine FAA-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme zunächst ab. Auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche hatte die Behörde mitgeteilt, dass sich die neuen Kontrollen des Dreamliners nicht auf die Batterien beschränken würden. Boeing-Sprecher Marc Birtel räumte ein, dass es schon während der Zulassungstests des Dreamliners bei der FAA einen Batteriebrand gegeben habe. Dieses Feuer sei aber auf den Test selbst zurückgeführt worden, sagte er.

Härtere Kontrollen drohen auch Airbus

Probleme mit Lithium-Batterien bei Boeing könnten auch Auswirkungen auf den europäischen Konkurrenten Airbus haben. Im A350, der Anfang 2014 in Betrieb gehen soll, werden ebenfalls Lithium-Ionen-Batterien verwendet. Möglicherweise werde die europäische Luftfahrtbehörde nun einen genaueren Blick auf das neue Airbus-Flugzeug werfen, vermuten Experten.