LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Hausaufgaben und E-Learning sollen Fortführung des Unterrichts gewährleisten - Eltern bekommen zusätzlichen Sonderurlaub, um auf ihre Kinder aufpassen zu können

Es ist eine Maßnahme, die es in sich hat: Die vorläufige zweiwöchige Schließung aller Schulen, Weiterbildungsinstitute, der Universität und von Kinderbetreuungseinrichtungen sowie die empfohlene Aussetzung von Vereinsaktivitäten betrifft 150.000 Kinder, Jugendliche und Lernende, 20.000 Berufstätige sowie ihre Angehörigen. Was die Regierung am Donnerstag beschlossen hat, soll dazu führen, die „Verbreitung des Virus dramatisch einzuschränken“. Doch dass die Schulen ihre Türen schließen, heißt weder, dass Schüler jetzt unter Quarantäne stehen, auch wenn sie große Menschenansammlungen vermeiden sollten, noch dass schulfrei ist. Angesichts eines vollgepackten und eng getakteten Schulprogramms sei es jetzt wichtig, die „Kontinuität des Lernens so gut wie möglich sicherzustellen“, sagt Bildungsminister Claude Meisch (DP). Ein bisschen Improvisation bleibt da angesichts der äußerst ungewöhnlichen Situation nicht aus. Dieses Zuhauselernen sollte dann auch gestern in den Schulen thematisiert werden. Hausaufgaben, Wiederholung vom Unterrichtsstoff oder der Kontakt auf elektronischem Weg zwischen Schülern und Lehrern, wie er im Sekundarunterricht besteht, sollen die Bildung in den kommenden zwei Wochen gewährleisten. Eine Webseite sowie eine Hotline wurden eingerichtet bei Fragen zum Thema E-Learning (siehe unten). Eltern und Lehrer sollen zudem per Newsletter auf dem Laufenden gehalten werden.

Prüfungen werden verlegt

Das Aussetzen des Unterrichts bedeutet auch, dass die gerade anstehenden Prüfungswochen verlegt werden. Die für die Woche vom 16. März vorgesehenen Tests sollen in der Woche vom 30. März, die der darauf folgenden Woche in der Woche vom 4. April nachgeholt werden. Verlegt werden ebenfalls die „épreuves standardisées“ in der Grundschule, die in den vergangenen Tagen anliefen. Eine wichtige Information hatte der Minister gestern noch für alle Schüler im Gepäck: Die Osterferien finden wie geplant statt und sollen vor allem der Erholung dienen. In der Woche davor soll nach jetzigem Planungsstand aber die ganze Woche über Unterricht stattfinden.

Das zweite Trimester wird derweil um zwei Wochen nach den Osterferien verlängert. Dennoch hat das Ministerium den Anspruch, das Schulprogramm bis Mitte Juli durchzubekommen, auch wenn nicht in gewohnter Form. „Wir machen als Schulsystem eine große Anstrengung, um die Ausbreitung des Coronavirus zu begrenzen, aber wir vergessen nicht, was unser eigentlicher Auftrag ist“, sagte Meisch gestern flankiert von den Verantwortlichen der einzelnen Abteilungen seines Ministeriums: die Schüler bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten.

Anpassungen beim Abiturexamen

Noch nicht geklärt ist zu diesem Zeitpunkt, wie das in knapp zwei Monaten stattfindende Abiturexamen gestaltet werden soll, um allen Schülern eine faire Erfolgschance zu gewährleisten. Das Ministerium setzt sich dafür ein, dass die Einschreibungsfristen an europäischen Universitäten verlängert werden, um den Staaten notfalls mehr Zeit einzuräumen, die Abschlüsse zu organisieren. Gleichzeitig kann es zu Anpassungen an den Examen kommen, indem Abschlussschüler beispielsweise aus mehreren Fragen wählen können.

Weil auch die Türen von Kinderkrippen, „Maisons relais“ und Tageseltern ab Montag geschlossen bleiben, können Eltern mittels eines seit gestern Abend online gestellten Formulars Sonderurlaub beantragen, um bei ihrem Nachwuchs sein zu können. Die Regierung gewährt Eltern für die Dauer der Schließung zusätzlichen „congé spécial pour raisons familiales extraordinaire“ (siehe unten). Der liberale Minister appelliert aber an das Verantwortungsbewusstsein aller Väter und Mütter, abzuwägen, wer besser zuhause bleibt und wer am Arbeitsplatz gebraucht wird. Denn in manchen Sektoren wie im Krankenhaus- oder Pflegesektor werden auch in den kommenden Wochen alle helfenden Hände gebraucht.

Überlegungen gibt es im Ministerium dazu, Betreuungseinrichtungen für die Kinder des Personals im Gesundheitsbereich den Betrieb weiter zu erlauben. Auch könnte die „eine oder andere“ Struktur in verschiedenen Regionen des Landes offen bleiben. Das stand gestern Morgen noch nicht definitiv fest. Auch wenn in den kommenden zwei Wochen keine Betreuung stattfindet, hält der Staat an seiner finanziellen Beteiligung über das System der Betreuungsgutscheine fest, um finanziellen Schaden vom Sektor abzuwenden.

Wie es insgesamt nach dem 27. März weitergeht, kann indes zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen. Die Regierung wird zum gegebenen Zeitpunkt die Situation neu evaluieren und über weitere Maßnahmen nachdenken. Sollten die zehn Werktage nicht ausreichen, ist eine Verlängerung um eine weitere Woche nicht auszuschließen. Zusammen mit den dann beginnenden Osterferien würden das fünf Wochen ausmachen, in denen das Übertragungsrisiko durch eine staatliche Anordnung reduziert wäre. Alles in allem betrifft die Maßnahme ein Viertel der Bevölkerung des Landes und schränkt zudem den Bewegungsradius vieler Väter und Mütter ein.

Informationswebseite zum Unterricht zuhause: schouldoheem2020.men.lu - Die Hotline dazu lautet Tel. 80 02 90 90

Das Formular für den Sonderurlaub aus familiären Gründen ist auf der Webseite der Gesundheitskasse verfügbar: tinyurl.com/CNScongespecial