PATRICK VERSALL

Ich verabschiede mich von meiner Glatze und lass meine Haare wieder auf meinem Haupte sprießen. Weil es draußen friert? Nein, weil ich es zum Haare ausraufen finde, was dieser Tage wieder zur Sprachsituation und insbesondere zum Gesundheitszustand des Luxemburgischen gelabert wird. Fernand Kartheiser hat in der Chamber die Sprachpolitik der aktuellen und letzten Regierung scharf kritisiert. Sprachpolitik? Welche Sprachpolitik. Lassen Sie mich eines klarstellen: Der Begriff „Sprachpolitik“ wurde irgendwann aus dem luxemburgischen Wortschatz ausradiert. Oder wurde er etwa geklaut? Wer käme da in Frage? Der Hobbit? Superjhemp? Oder doch etwa die adr? Denen kann man die Schuld dieses Mal nicht in die Schuhe schieben. Das wäre ja auch zu praktisch. Wohl eher die Regierungsparteien, die Luxemburg in den letzten 40 Jahren regierten, beziehungsweise mitregierten.

Doch zurück zu Herrn Kartheiser. Man muss die politischen Ansichten des adr-Politikers keineswegs teilen, allerdings liegt er in seiner Einschätzung keineswegs komplett daneben. Im Gegensatz zu einer ganzen Reihe politischer Kollegen. Wie zum Beispiel ein Justizminister, der stolz auf die autonome Entwicklung des Luxemburgischen inmitten der Gesellschaft verweist. Natürlich, die Sprache war ja auf sich selbst gestellt, prominente politische Entwicklungshilfe konnte sie nicht erwarten, da den allermeisten politischen Entscheidungsträgern die Sprachsituation völlig schnuppe war und weiterhin ist. Klar wird jetzt wieder von links und rechts gekontert, dass von öffentlicher Seite seit Jahrzehnten Sprachkurse angeboten werden. In vielen Seminaren werden am Ende des Studienjahres nur Teilnahmeurkunden ausgehändigt, die rein gar nichts über den Level der erworbenen sprachlichen Fähigkeiten aussagen. Rein theoretisch kann ich 60 Stunden die Schulbank drücken und am Ende beschränkt sich mein Luxemburgisch-Wortschatz auf lediglich einige wenige Basiswörter.

Da ist des Weiteren ein Bildungsminister, laut dem „die öffentliche Schule Enormes leiste“ in puncto Spracherziehung. Dies lässt sich nicht leugnen. Wenn er allerdings glaubt, dass Luxemburg frei von Integrationsproblemen sei, schlittert er an der Realität vorbei. Mir fällt beispielsweise spontan ein luxemburgischer Sprachforscher ein - bekannt aus Funk und Fernsehen, würde es bei unseren deutschen Nachbarn heißen - der schon mehrmals von ausländischen Mitbürgern aufs Übelste ob seines Einsatzes für die Landesprache beschimpft wurde mit der Begründung, er solle sich doch bitte zukünftig die Verbreitung des Portugiesischen propagieren. Lasst die Korken knallen, denn wir sind die Integrationschampions.

Was sagt die größte Oppositionspartei dazu? Die räumt die eigenen Fehler und Versäumnisse der letzten Jahre nicht ein, zu konkreten Aussagen lässt auch sie sich nicht hinreißen und unterscheidet sich somit bei der Sprachdebatte in keinster Weise von den aktuellen Regierungsparteien.

Wie geht es sprachpolitisch 2015 weiter? Gar nicht. Schon vergessen? Der Begriff Sprachpolitik existiert hier nicht mehr.