LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Zwei Jahre auf Bewährung wegen mutmaßlicher Vergewaltigung gefordert

Gravierenden Vorwürfen seiner Ex-Freundin sieht sich ein 52-jähriger Luxemburger ausgesetzt. Während die 58-Jährige standhaft behauptet, von ihrem damaligen Partner psychisch misshandelt und vergewaltigt worden zu sein, beteuert der Angeklagte seine Unschuld.

Die Vorwürfe, über die das Gericht zu urteilen hat, sollen sich in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2016 zugetragen haben. Ihr Ex-Freund habe sie mehrmals in dieser Nacht sexuell genötigt und sogar vergewaltigt. Seit Montag beschäftigt der Fall die 9. Strafkammer des Bezirksgericht Luxemburg und die versucht, die Entstehung und die Entwicklung der belastenden Aussage aufzuklären.

Wird Glaubhaftigkeit des Opfers in Frage gestellt?

Zeugen schilderten am Montag das Zusammensein der Frau mit ihrem Ex-Freund als Martyrium. Sie hätte „panische Angst“ vor ihm gehabt. Andere Zeugen bezeichnen ihn als Alkoholsüchtigen. Doch andere geladene Zeugen sagten das Gegenteil aus. Letztlich stand auch hier Aussage gegen Aussage.

Ob der Frau geglaubt wird, dass ihr Ex-Freund sie zum Beischlaf gezwungen hat, bleibt also der Beurteilung der Richter überlassen. In seinem Schlusswort zog der Angeklagte gestern Bilanz und rechnete mit der Ex-Freundin ab. Der gefasste und reumütige Mann verteidigte sich, indem er in der Öffentlichkeit für sich doch recht unangenehme Dinge ansprach.

Für seinen Verteidiger habe die Frau die Trennung von seinem Mandanten nie überwunden. Sie sei besitzergreifend und eifersüchtig gewesen, zumal ein Motiv in dem neuen Hauskauf des Angeklagten für eine solche Anschuldigung gesehen werden könnte. Als sein Mandant sich endgültig von ihr abzuwenden drohte und ihr sagte, er würde das Haus verkaufen, habe sie in ihrer Wut und Verzweiflung den Entschluss gefasst, ihren Ex-Freund wegen Vergewaltigung anzuklagen.

Das Gericht sollte sich im Zweifelsfall für seinen Mandanten entscheiden. Der Verteidiger beantragte daher Freispruch für seinen Mandanten. Bei Verurteilung beantragt der Verteidiger eine medizinische oder psychologische Begutachtung des mutmaßlichen Opfers. Die Nebenklagevertreterin Anne Roth beantragte einen moralischen Schadenersatz von 7.000 Euro für das mutmaßliche Opfer.

Nur einer sagt die Wahrheit

In seinem Plädoyer schilderte der Anklagevertreter dem Gericht nochmals detailliert, warum er dem 52-Jährigen Vergewaltigung vorwirft. Auch wenn es keine direkten Beweise für die Tat gibt, spricht die Anklage von einer erdrückenden Beweislast. Der Anklagevertreter zitierte die Worte des mutmaßlichen Opfers: „Ich sagte ihm klar und deutlich, er soll aufhören.“ Das sei der Beweis, dass die Frau ihn am Abend abgewiesen habe. Der Magistrat beantragt eine Gefängnisstrafe von 24 Monaten, Bewährung nicht ausgeschlossen, und eine Geldstrafe, die im Ermessen des Gerichts liegt.

Das Urteil fällt am 17. Oktober.