LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

RTL und „Luxemburger Wort“ starten französischsprachigen Sender auf Frequenzen von DNR

Für Radio DNR hat nun definitiv bald die letzte Stunde geschlagen. Nachdem der Sender nun schon seit einigen Monaten sowieso schon auf absoluter Sparflamme lief und nachrichtentechnisch nur noch von einem gemeinsamen Newsdesk von Saint-Paul bedient wurde, soll nun, das heißt vom Februar nächsten Jahres an, auf den Frequenzen von DNR (FM 102,9, FM 104,2 und FM 107,7) ein neues französischsprachiges Programm ausgestrahlt werden.

Hinter dem Projekt steckt eine Joint Venture zwischen RTL Lëtzebuerg und „Luxemburger Wort“, dies in Zusammenarbeit mit dem französischen Musiksender „RTL 2“. Interesse an den Frequenzen von Radio DNR, das 2012 eigentlich sein 20-jähriges Jubiläum hätte feiern sollen, hatte im vergangenen Jahr auch bereits das französische Musikradio „NRJ“ bekundet, nachdem Saint-Paul im August 2012 angekündigt hatte, 15 Prozent seiner Stellen abbauen und ab sofort nur noch Musik und Kurznachrichten auf DNR bringen zu wollen.

„Formateur“ Bettel nicht im Bild

Dass RTL und Saint-Paul jetzt ein gemeinsames Projekt starten wollen, sorgte gestern für einige Aufregung, überraschten die beiden Medienhäuser doch selbst Branchenkenner mit dieser Ankündigung. Nicht einmal „Formateur“ Xavier Bettel, der in zwei Wochen ja immerhin als neuer Premierminister vereidigt sein dürfte, war darüber informiert, wie dieser unsgestern Abend auf Anfrage hin unterstrich. Fakt ist, dass RTL seine Dominanz auf dem Luxemburger Markt weiter ausbaut und in Sachen kommerzieller Radiosender inzwischen wieder eine quasi-Monopolstellung in Luxemburg inne hat.

Die Entwicklung könnte möglicherweise auch den Konkurrenzrat interessieren. Die frisch vereidigte DP-Abgeordnete Corinne Cahen richtete sich gestern dann auch gleich mit einer parlamentarischen Anfrage (ihrer insgesamt bereits zweiten) an Noch-Kommunikationsminister Luc Frieden (CSV), um von diesem zu erfahren, ob auf den Frequenzen von DNR laut Lastenheft überhaupt ein Nicht-luxemburgisches Radioprogramm gesendet werden darf, und warum hier kein Kandidaturaufruf gemacht worden sei, so wie das laut Mediengesetz vom 27. Juli 1991 („les permissions sont accordées après publication d‘un appel de candidatures“) vorgesehen sei. Auch sei das 91er Mediengesetz unter anderem auch deswegen verabschiedet worden, um eine größere Medienvielfalt auch bei den Rundfunkanstalten zu ermöglichen. „Avec la reprise par RTL des fréquences DNR (en collaboration avec la radio française RTL 2) et étant actionnaire majoritaire d‘Eldoradio, RTL se retrouvera à nouveau unique radio commerciale hors concurrence au Luxembourg. Qu‘en est-il alors de la diversité radio au Grand-Duché prévue par la loi?“

Da sind wir aber mal auf die Antwirt gespannt...